Review: Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 7)

Hellsing Ultimate (Vol. 7) (1)Obwohl der Kampf gegen die erbarmungslosen Gegner von Hellsing kaum eine Sekunde zum Durchatmen zulässt, wird sich diesmal trotzdem die Zeit genommen, um den Helden ein wenig mehr Tiefe zu verleihen. Hellsing Ultimate tut diese Entwicklung sichtlich gut.

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 7 (Re-Cut) (2)Das erbitterte Scharmützel von Captain Bernadotte mit seinem Söldnertrupp an Seite von Seras geht gegen Zorin und dessen Vampir-Einheiten in die nächste Runde. Erneut wird das Hellsing-Hauptquartier Schauplatz absurdester Kampfhandlungen – ein schwerer Schlag für die Organisation, die doch eigentlich das Auftreten solcher Monster am besten schon im Keim ersticken sollte. Von Alucard fehlt allerdings noch jede Spur, sodass die unausgeglichenen Kräfteverhältnisse Ursprung für einen Kampf mit ungewissen Ausgang wird. Neben den spannungsgeladenen Kämpfen wird sich aber auch die Zeit genommen, in ausschweifenden Rückblenden die Hintergründe von gleich zwei Figuren – Seras und Bernadotte – zu beleuchten. Während die anderen Größen von Hellsing gerade anderweitig beschäftigt sind, ist das der richtige Moment, um damit die Verbindung der beiden in den Mittelpunkt des siebten Films zu stellen. Bevor wohl das große Finale ansteht, ist diese Konzentration auf die Charakterdarstellung eine gern gesehene Abwechslung zum sonst so rasanten Drumherum. So etwas fehlte in der Handlung zwar bisher, doch haben wir solche Elemente ehrlich gesagt nicht wirklich vermisst – auch wenn sie zu so einer umfangreichen Erzählung mit vielen erinnerungswürdigen Momenten wie Hellsing Ultimate sie bietet, eigentlich schon dazu gehören.

Seras Erwachen

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 7 (Re-Cut) (3)Einblicke in die Irrungen und Wirrungen der katholischen Vertreter Anderson und Maxwell bleiben uns diesmal erspart – genauso wie die übertriebenen Siegesreden des dicken Majors. Den absurden Elementen wird trotzdem keine Einheit geboten. Denn im Gegensatz zum Ernst der Lage kommt die Leichtigkeit, mit der die Beziehung zwischen Bernadotte und Seras dargestellt wird, fast schon ein wenig befremdlich rüber. Es steht fest, dass diese Episode die bisher emotionalsten Elemente beinhaltet, selbst wenn die Hemmschwelle zum Ironischen kein Stückchen gesunken ist und entsprechende Szenen schnell entschärft werden. Humor ist eines der höchsten Güter von Hellsing Ultimate, egal ob Bernadotte wieder einmal einen coolen Spruch zu viel hinausposaunt oder die blutsaugenden Nazi-Vampire auf groteske Art und Weise über die Geschmacksrichtungen von Blutgruppen philosophieren. Schnell wird glasklar, dass der Anime – eins zu eins auf dem Erfolgsmanga von Hirano Kōta basierend – kein Blatt vor den Mund nimmt. Für uns wäre es durchaus verständlich, wenn damit zeitweise nicht alle Zuschauer zurechtkommen, genauso wie mit den Gewaltdarstellungen, die spürbar auf ein ganz neues Level angehoben wurden. Brenzlige Situationen mithilfe übermäßige Gewalt darzustellen mag oberflächlich anmuten, der Zweck wird damit aber vollkommen erfüllt.

Künstlerische Ambitionen

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 7 (Re-Cut) (4)Die Gewalt wurde auch stilistisch eingebettet. Die Grundfarbe des Films ist ein tiefes, glühendes Rot, in das die meisten Szenen getunkt wurden. Daran waren mitunter Arita Shūhei und Shiraishi Tatsuya beteiligt, die für diesen Film erstmals für die Effektregie verantwortlich waren. Anhand der gewaltigen Mengen an Schießereien, Explosionen und Lichteindrücken, ist es kaum verwunderlich, dass sich zwei Regisseure diese Arbeit teilten. Im Interview des Mediabooks schildern sie, wie wichtig die entsprechenden Effekte in einem Anime sein können. Im gezeichneten Medium haben die Künstler die Möglichkeit, den Realismus in den Hintergrund zu schieben und die Symbolik wirken zu lassen. Zum Beispiel vergleichen sie tanzende Flammen und Raucheffekte nur mit Abziehbildchen echter Explosionen, die natürlich in einem Sekundenbruchteil vorüber wären. Erneut sorgen diese aufschlussreichen Interviews für eine Nähe zu den Produzenten, die wir sonst selten bekommen, selbst wenn die Themen sehr speziell sein mögen. Aber genau solche Details sind meistens genau die interessantesten. Die Laufzeit von 45 Minuten liegt etwas unter den gewohnten Längen der Hellsing-Filme, reizt die Aufmerksamkeitsspanne eines modernen Filmschauers aber ideal aus. Ob dieser dann noch die Untertitel aktiviert oder den Film auf Deutsch konsumiert, liegt in dessen Hand.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas’ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Auch ohne Alucard sorgt Seras alleine für coole und vor allem unterhaltsame Action. In diesem Film gibt sie allein den Ton an, sodass neben der Gewalt auch andere Komponenten einen größeren Stellenwert einnehmen. Besonders die emotionalen Einlagen passen richtig gut ins Gesamtkonzept der Folge, die mit besonderen Schwerpunkten unsere Aufmerksamkeit hervorragend für sich einnimmt. Die Fakten, die den ersten Seiten des Mediabookes entnommen werden können, sind teilweise ebenso lesenswert wie die Blu-ray sehenswert ist. Die Art und Weise, wie diese Zusatzinformationen in Hellsing Ultimate gehandhabt werden, ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass die Veröffentlichung eines Anime nicht immer von dicken Wälzern alias Artbooks und andere teilweise einfallslose Extras begleitet werden muss, um sinnvolles Zusatzmaterial auf die Beine zu stellen. Bitte mehr davon!

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 7)!

© 2006 Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / WILD GEESE (Abbildungen)

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