Review: Trinity Blood (Collector’s Edition)

Trinity Blood (1)Wer an Vampire denkt, verlagert die Handlung des entsprechenden Mediums entweder in die Vergangenheit oder in die Gegenwart. Dass es zwischen Dracula und Underworld auch noch eine Alternative gibt, beweist der Anime Trinity Blood mit einem recht beeindruckenden Stil.

Trinity Blood (2)Obwohl man es beim Betrachten der verschiedenen Szenen nicht für möglich halten würde, spielt sich die Handlung von Trinity Blood tatsächlich in der Zukunft ab. Sie spielt nämlich nach einem verheerenden Weltkrieg, der für die ganze Erde schwere Folgen hatte. Die Welt teilte sich in neue Herrschaftssphären, wichtige Technologien gingen für immer verloren und ein aufkommender Virus sorgte dafür, dass sich die Menschen voneinander abgrenzten. Zwischen diesen Fronten findet sich Pater Abel Nightroad wieder, der im Dienst des Vatikans nicht nur als Priester tätig ist, sondern vielmehr auch als Problemlösung für die entstandenen Vampire dient. Während seiner Aufträge lernt er Schwester Esther kennen, die ihn fortan bei seiner Reise begleitet. Sein Ziel ist die Einigung der Reiche, um den Frieden einzuläuten. Sowohl auf Seiten der Menschen, die von den überlegenen Vampiren abfällig als Terran bezeichnet werden, als auch auf Seiten der Methuselah, also den fast unsterblichen Vampiren, gibt es große Differenzen und Hass schürt sich in der Gesellschaft. Terrorismus verhindert in dieser düsteren Zukunftsvision eine Annäherung zwischen den Ethnien. Der Zwietracht führt auch dazu, dass die Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem Königreich Albion, dem ehemaligen Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland, sich nicht vertiefen.

Neobarock-Oper

Trinity Blood (3)Das Geschehen von Trinity Blood spielt sich dabei aber vor allem in verschiedenen Städten des ehemaligen christlichen und islamischen Einflussbereiches ab. Verwendet werden dabei meist lateinische Termini, um die Nähe zum einstigen Römischen Reich herzuleiten. So wird aus London schnell Londinium, aus Rom Roma und Istanbul nennt man in der Zukunft wohl wieder Byzantium, um den früheren Stadtnamen Byzanz zu untermauern. Andere Städte wie Köln werden zudem in Dialogen erwähnt. Fiktive Städte wie István sind im Anime aber auch vertreten, um den geografischen Bereich etwas ungenauer zu gestalten beziehungsweise zu verzaubern. Durch das Verschwinden diverser Technologien darf man sich die Welt zudem absolut nicht futuristisch vorstellen. Stattdessen leben viele Menschen wieder wie im späten 19. Jahrhundert. Selbst Transportmittel wie Autos suchen wir in den meisten Episoden vergeblich. Tatsächlich sind sie nur in wenigen Folgen zu sehen. Dennoch ist es Wissenschaftlern gelungen, Cyborgs zu bauen. Kunst und Architektur wirken hingegen wie aus dem 17. und 18. Jahrhundert entnommen, womit sie sich der Epoche des Barocks zuordnen lassen. Tatsächlich bezeichnet so mancher Kopf im Anime-Geschäft Shibamoto Tōresus Designstil als Neobarock, woraus sich bei Trinity Blood schließlich die Neobarock-Oper gebildet hat.

Ein Fall für die Meta-Ebene

Trinity Blood (4)Trinity Blood ist ähnlich wie Ghost in the Shell – Stand Alone Complex nicht leicht zu verstehen. Das liegt daran, dass einige Folgen abgeschlossen sind oder zu einer zusammenhängenden Episodenreihe gehören. Es werden immer wieder Informationen in den Raum geworfen, die erst am Ende ein stimmiges Gesamtbild ergeben und sich mit den metaphysischen Fakten vermischen. Erst nach dem Abspann und nachdem man sich das beiliegende Booklet durchgelesen hat, versteht man, welch tiefgründigem Anime man hier eigentlich gesehen hat. Das ist auf der einen Seite sehr schade, da viele Zuschauer erwarten, alles Wichtige auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Wer absolut nicht damit klarkommt, dass viele Punkte wie in der Mystery-Serie Lost nicht oder zumindest nur teilweise aufgeklärt werden, wird Trinity Blood nur schwerlich genießen können. Das offene Ende lässt sich auf den frühen Tod des Autors der Romanvorlage, Yoshida Sunao, zurückführen. Es handelt sich unterm Strich also um einen Anime, für den man sich Zeit lassen muss, um das Universum gänzlich verstehen zu können. Neben dem Booklet befindet sich noch ein netter Aufkleber in der Collector’s Edition der Blu-ray-Fassung. Digitales Bonusmaterial gibt es neben Eröffnungs- und Endsequenzen aber nicht. Schade, denn dieses hätte sehr zum besseren Verständnis beigetragen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Als ich mich im Vorfeld zur Berichterstattung bezüglich des Animes Trinity Blood informiert habe, habe ich viele positive Erfahrungen gemacht. Trailer, die einen den Anime schmackhaft machen, waren ebenso dabei wie Kritiken, die den erwachsenen Anime sehr gelobt haben. Nach der ersten Episode wollte ich mich den Meinungen anschließen, doch schnell verliert sich der Anime in verschiedenen Handlungsfäden und es ist nicht immer ganz klar, wer eigentlich die zentrale Hauptfigur ist. Nach einer gewissen Zeit kristallisiert sich zwar das Zweigespann, bestehend aus Pater Nightroad und Schwester Esther, heraus, doch auch dann ist bis zu den letzten Folgen nicht klar, wie die ganzen Story-Elemente zusammen passen. Bei der ersten Staffel von Ghost in the Shell – Stand Alone Complex hat mich das auch schon ein klein wenig gestört, doch auch bei Trinity Blood akzeptiere ich das nach dem Ansehen vollkommen. Dazu sollte auch erwähnt sein, dass es sich beim Anime (und Manga) um eine Romanumsetzung handelt und wenn man sich an die leider nie beendete Vorlage hält, die für Japan üblich jahrelang in einer Zeitung fortgeführt wurde, geht es auch gar nicht anders. Stören tue ich mich da nämlich sogar mehr an der Technik des Anime. Das Bild mag zwar im Full-HD-Format vorliegen, erreicht aber höchstens die Bildqualität ähnlich einer DVD. Schade finde ich am fertigen Produkt aber vor allem, dass man beim Einspielen der japanischen Synchronisation nicht darauf geachtet hat, dass diese immer zu den Lippenbewegungen passen. Wem das stört, sollte vielleicht der ebenfalls nicht schlechten deutschen Synchronisation lauschen, damit Trinity Blood auch ablenkungsfrei eine dystopische Zukunftsvision zeigen kann, die mit Rassismus, Technologieschwund und politischen Problem zu kämpfen hat. Wenn man jedes kleine Teilchen von diesem 24-teiligen Anime absorbiert und richtig zusammensetzt, versteht man endlich das große Ganze in Trinity Blood, von dem ich trotz anfänglicher Schwierigkeiten so gerne noch so viel mehr sehen möchte.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Trinity Blood (Collector’s Edition)!

© 2005 Trinity Blood Partners (Abbildungen)

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