Review: Tōkyō Ghoul – Vol. 4

Tokyo Ghoul - Vol. 4 (1)Nach drei hervorragenden Volumes geht dem Anime Tōkyō Ghoul ausgerechnet auf der Zielgeraden die Puste aus. Im alles entscheidenden Moment übernehmen sich die Köpfe des Projekts und lassen uns nach der zwölften Episode mit einem recht unbefriedigten Gefühl zurück.

Tokyo Ghoul - Vol. 4 (2)Das klingt im ersten Moment zwar nach der berühmtberüchtigten Katastrophe eines Dramas, doch ist das Ende des Anime bei Weitem nicht schlecht. Die neunte Episode, die zur dritten Volume zählt, hat uns bereits auf die finalen Folgen der ersten Staffel eingestellt, weshalb wir es schon leicht befürchten konnten, dass die Staffel nicht unbedingt so endet, wie wir es vielleicht von einer gewöhnlichen Erzählweise erwartet haben. Am Ende der letzten Ausgabe ist Kirishima Tōkas Bruder Ayato bereits angedeutet worden. Dieser lebt im elften Bezirk der japanischen Metropole Tōkyō, die nach wie vor Schauplatz der Anime-Serie ist. Während seine Schwester im zwanzigsten Bezirk lebt, wo alle auf Frieden zwischen Ghulen und Menschen aus sind, herrschen im elften Bezirk andere Sitten. Hier gilt klar das Gesetz des Stärkeren, wie es der Charakter Ōmori Yakumo vortrefflich in der zehnten Episode ausdrückt. Mit dieser Folge beginnt auch die vierte Volume, in der urplötzlich Ōmori Yakumo aus dem elften Bezirk auftaucht, um Kaneki Ken im Café Anteiku aufzusuchen. Der Grund dafür ist denkbar einfach und schlägt den Bogen zum Serienauftakt. In der ersten Episode des Anime verabredete sich Ken mit Kaneshiro Rize, die sich noch während des Dates als Ghula entpuppte und Ken verspeisen wollte – durch einen Unfall konnte Ken überleben. Rize hingegen verstarb.

Sadistische Folter

Tokyo Ghoul - Vol. 4 (3)Damit aber auch Ken am Leben erhalten werden konnte, wurden die Organe des Mädchens in seinen Körper transplantiert. Seither wandelt er als Hybridwesen, halb Mensch und halb Ghul, durch die Straßen der japanischen Hauptstadt. Nachdem die ersten Schergen bereits im Café für Unruhe gesorgt haben, dreht der sadistische Ōmori Yakumo völlig durch und beginnt noch vor Ort Ken zu foltern und seinen Körper zu schänden. Ayato, einer von Yakumos Anhängern, hindert seine Schwester Tōka daran, die Entführung zu verhindern. Die Anwesenden im Café sind machtlos, doch wollen sie ihren Freund Ken nicht aufgeben und schmieden alsbald den Plan, ihn aus den Fängen von Yakumo zurückzuholen. Zur selben Zeit muss sich die Spezialeinheit der Polizei, die so genannten Tauben, ebenfalls mit den Ghulen befassen. Diese töten im elften Bezirk nach und nach alle Tauben, sodass sich die Polizei genötigt sieht, die Ghule im genannten Bezirk ein für alle Mal zu besiegen. So erleben wir in der elften und zwölften Episode, wie sowohl Kens Freunde, als auch die Tauben das Geheimversteck und alle anwesenden Ghule in einen heftigen Kampf verwickelt werden. Abseits der Auseinandersetzungen wird in einer großen Halle Ken weiterhin von Yakumo gefoltert. Die sadistischen Fähigkeiten nötigen Ken schließlich dazu, eine folgenschwere Entscheidung für alle Beteiligten zu treffen.

Lückenfüllerproblematik

Tokyo Ghoul - Vol. 4 (4)Ein spezielles und verbindendes Merkmal haben die drei Episoden der vierten Volume in erster Linie nicht. Stattdessen besinnt man sich auf die Anfänge der Serie, wo Ken ebenfalls eine wichtige Entscheidung getroffen hatte, die konträr zur gegenwärtigen Lage überdenkt werden muss. So spielt sich die letzte Episode vor allem in der Gedankenwelt von Ken ab. Stilistisch gesehen kann man diese Momente dem Anime nicht streitig machen, doch verstehen wir nicht, warum man außerhalb dieser Gedankenwelt fast ausschließlich auf die Kämpfe zwischen den verschiedenen Individuen setzt und die neuen Charaktere kaum beschreibt. Suzuya Jūzō zum Beispiel ist ein neues und sehr junges Mitglied der Tauben. Sein Auftreten hat absolut nichts mit Professionalität zu tun und stört das sonst ernste Gesamtbild. Regisseur Morita Shūhei hat in einem Interview die Schwierigkeiten mit dem Charakter bereits eingeräumt, doch sind wir vom Rest des Animes einfach Besseres gewohnt. Wir sind uns sicher, dass die Folgen in der nächsten Staffel sicherlich Licht ins Dunkle bringen werden, da viele Schicksale offen bleiben. Bevor die zweite Staffel aber nicht in Deutschland erhältlich ist, kann man sich die vierte Volume getrost sparen. Trotz elementarer Bestandteile wirken die Episoden nur als Lückenfüller und wer nicht unbefriedigt zurückgelassen werden will, sollte noch ein Weilchen abwarten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die ersten drei Volumes der Anime-Serie Tōkyō Ghoul gehören für mich mit zum Besten, was ich in den letzten Monaten sehen durfte. Jede einzelne Episode hat mich zum Weiterschauen motiviert und diesem Schema bleibt auch die vierte Ausgabe treu. Allerdings muss man dazu sagen, dass die drei enthaltenen Episoden mit Antworten auf offene Fragen geizen und gleich noch ein paar mehr aufwerfen. Warum der Charakter Tsukiyama Shū in Erscheinung tritt und welche familiären Probleme Tōka und ihr Bruder Ayato haben, wird ebenso wenig wie Suzuya Jūzōs Rolle geklärt. Der Anime, der zuvor so viele Stärken ausgespielt hat, verlässt sich darauf, dass die Fans unbeantwortete Fragen hinnehmen und auf die erste Volume der zweiten Staffel warten. Ob das der richtige Weg ist, sei einmal dahingestellt. Ich finde es auf jeden Fall sehr schade, dass die bis zum Ende hin aufgebaute Spannung von einem Moment auf den anderen erlischt. So hinterlässt der Anime einen bitteren Nachgeschmack, doch sobald die zweite Staffel hierzulande erscheint, werden diese negativen Punkte hoffentlich alsbald vergessen sein.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul – Vol. 4!

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