Review: Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence

Nobunaga's Ambition - Sphere of Influence (1)Die Sengoku-Zeit oder genauer gesagt das Zeitalter der kriegführenden Reiche ist eine der wohl spannendsten Epochen der japanischen Geschichte. In Japan ist die Videospielreihe Nobunaga’s Ambition bereits seit 1983 jedem Videospielstrategen ein wohlbekannter Begriff.

Nobunaga's Ambition - Sphere of Influence (2)Obwohl Koei Tecmo auf der Gamescom-Präsentation noch stolz behauptet hat, dass es sich bei Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence um den ersten Teil der Reihe handelt, der es nach Europa geschafft hat und diese Fehlinformation mittlerweile von fast jeder seriösen Seite weiterverbreitet wird, wollen wir kurz festhalten, dass bereits 2012 das Crossover Pokémon Conquest in wenigen Ländern Europas erschienen und seit 2014 sogar die Virtual-Console-Version des Super-Nintendo-Ableger Nobunaga’s Ambition auch in Deutschland erhältlich ist. Zwischen dem Serienteil aus dem Jahr 1993 und der vorliegenden Episode von 2015 liegen jedoch Welten, denn nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich hat sich die Serie stets weiterentwickelt. Unverändert ist allerdings der zeitliche Überblick. Sphere of Influence deckt den Zeitraum zwischen 1534 und 1615 ab. Dies bedeutet, dass das Spiel zeitlich mit der Geburt von Oda Nobunaga, dem ersten der drei Reichseiniger, beginnt. Japan ist in der Sengoku-Zeit in viele kleine Staaten zersplittert. Diese Provinzen werden von den sogenannten Daimyō beherrscht, welche gegeneinander Krieg führen. Sobald wir uns für eine der insgesamt zehn Szenarien der Kampagne entschieden haben, wählen wir uns zugleich einen der vielen Startpunkte auf den vier Inseln Kyūshū, Shikoku, Honshū und dem Südzipfel von Hokkaidō aus.

Historien-Seifenoper

Nobunaga's Ambition - Sphere of Influence (3)Hier bleibt das Spiel historisch korrekt, denn nur der Süden von Hokkaidō war ab dem 15. Jahrhundert nur spärlich von Japanern besiedelt, da der Großteil der Insel nicht für Agrarwirtschaft geeignet war. Das Land der ethnischen Minderheit Ainu kommt in Sphere of Influence daher auch nur mit einem Startpunkt aus, während die dutzenden anderen Startpunkte großzügig auf der Landkarte Japans verteilt sind. Je nachdem welchen Startpunkt wir wählen, dürfen wir auch einen anderen Daimyō kontrollieren und über eine andere Provinz herrschen. Dabei variiert der historische Hintergrund des jeweiligen Szenarios selbstverständlich nach Jahr. So erleben wir nicht nur die Geburt von Oda Nobunaga, sondern erleben schließlich im Jahr 1600 die für Tokugawa Ieyasu entscheidende Schlacht von Sekigahara. Weitere wichtige Ereignisse wie die Schlacht von Okehazama werden dabei nicht ignoriert. Durch die verschiedenen Szenarien und vor allem abwechslungsreichen Startpunkten bleibt der Titel stets interessant und spannend. Der Spielverlauf wird dabei immer mal wieder durch Dialoge von den historischen Persönlichkeiten aufgelockert, auch wenn der Gesprächsinhalt gelegentlich semi-interessant wirkt. Das macht aber nichts, denn schließlich bestimmen wir das Mächte-Verhältnis in Japan ohnehin durch unsere eigenen Entscheidungen, Bündnisse zu schmieden und Krieg zu führen.

Rundenbasierte Kriegsführung

Nobunaga's Ambition - Sphere of Influence (4)Bevor wir überhaupt daran denken können, den Einflussbereich einer anderen Herrscherfamilie zu stören, sollten wir unsere Städte verbessern. So erhöhen wir rundenweise unser Goldeinkommen, die Stärke der Ausbildung von Samurai und vor allem den absolut nicht zu unterschätzenden Faktor Reisernte. Nahrung ist nämlich besonders wichtig, da wir Reis nur zum festgelegten Jahreszeitpunkt der Ernte bekommen und es tödlich sein kann, wenn wir gegen zu weit entfernte Gegner Krieg führen wollen – schließlich verschlingt unsere Armee unterwegs Unmengen des Grundnahrungsmittels. Je nach Größe der jeweiligen Stadt können wir auch vereinzelte Gebäude in den Stadtvierteln errichten lassen, welche dann besondere Auswirkungen auf diese hat. Unter anderem lässt sich so die Populationsrate steigern, die wiederum Effekte auf andere Bereiche des Spiels hat. Sphere of Influence ist des Weiteren in Runden aufgeteilt. Eine Runde ist gleichzusetzen mit einem Kalendermonat, weshalb unbedingt bedacht werden muss, auf welche Bereiche man sich als Daimyō konzentriert. Produzieren wir zu wenig Reis, können wir bald unsere Armee nicht mehr unterhalten. Wenn uns unsere Krieger im Stich lassen, können wir unsere Einflusssphäre nicht vergrößern und falls wir nur Zugriff auf geringe Goldreserven haben, dürfen wir den Fortschritt mit Stillstand gleichsetzen.

Absolutes Strategie-Schwergewicht

Nobunaga's Ambition - Sphere of Influence (5)Sphere of Influence erklärt uns alle grundlegenden Funktionen in einem Tutorial. Zwar mag dies löblich erscheinen, doch fühlen sich die Dialoge hier künstlich in die Länge gezogen an. Fraglich ist das Tutorial auch deshalb, da man in den Szenarien zusätzlich mit Infokästen arbeitet, die ebenfalls erklärliche Anweisungen beinhalten. Wer sich einfach so ins Getümmel wirft, bekommt so unter Umständen nicht einmal mit, dass die Kämpfe zwischen den Armeen nicht zwingend automatisch ablaufen müssen. Wir können die Zeit unterbrechen, den Samurai auf dem Schlachtfeld direkt Befehle geben und sogar Spezialfähigkeiten der Feldherren für die Krieger aktivieren. Der Einstieg in dieses Strategie-Schwergewicht wird durch fragliche Design-Entscheidungen erschwert. Da der Titel hierzulande einzig und allein mit englischen Texten auskommt, ist die Hürde vor allem für jüngere Spieler noch einmal wesentlich höher. Die Menüs sind verschachtelt und erst mit ansteigender Spielzeit merklich nachvollziehbar gegliedert. An der PC-Steuerung können wir hingegen nichts aussetzen. Diese ist gut auf die Bedienung mit der Maus ausgerichtet. Höchstens die Zoom-Funktion ist genauso verbesserungswürdig wie so manche Texturen, die entfernt an Titel der frühen PlayStation-3-Ära erinnern. Der Soundtrack ist gut, erinnert uns aber nicht immer ans späte japanische Mittelalter.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Ehrlich gebe ich zu, dass ich mehrere Anläufe gebraucht habe, um ansatzweise einen Zugang zu Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence zu bekommen. Das verdeutlicht mir jedoch, dass es sich bei diesem rundenbasierten Strategie-Titel wahrlich um ein Schwergewicht handelt. Einsteiger werden an Sphere of Influence vermutlich verzweifeln oder zumindest sehr viel Zeit benötigen, um sämtliche Funktionsweisen und Arbeitsabläufe zu verinnerlichen. Wer sich schon länger mit Strategie-Titeln dieses Ausmaßes beschäftigt oder sogar frühere Ableger des Franchises gespielt hat, wird hingegen sehr viel schneller den Zugang zu Sphere of Influence bekommen. Löblich ist vor allem, dass es mehrere und sogar frei konfigurierbare Schwierigkeitsgrade gibt, sodass jeder Spieler den Titel in der Theorie auf sich zuschneiden kann. In der Praxis scheitert man allerdings eher an den verschachtelten Menüs, in denen man sich von Anfang an schnell verirren kann. Nach einigen Spielstunden habe ich endlich das Gefühl, die wichtigsten Elemente begriffen zu haben und erziele mittlerweile auch viele Erfolge auf dem Schlachtfeld und in der Diplomatie. Wer sich für die japanische Geschichte interessiert, sollte von den teils aufgesetzten Dialogen zwar nicht zu viel erwarten, doch alleine für die Ehre von Tokugawa Ieyasu in der Schlacht von Sekigahara zu kämpfen, ist für jeden Hobby-Historiker sicherlich einer der schönsten Momente des Spiels. Genau solche Erlebnisse bleiben uns nachhaltig in bester Erinnerung.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence!

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