Review: Guitar Hero Live

Guitar Hero Live (1)Zwischen 2005 und 2009 wurden mehr als ein Dutzend Titel der Guitar-Hero-Reihe auf den Markt geworfen. 2011 gab Activision bekannt, dass die Produktion weiterer Ableger vorerst eingestellt wird. Fast fünf Jahre später feiert die Guitar-Hero-Serie ihre Wiedergeburt.

Guitar Hero Live (2)Obwohl die Guitar-Hero-Reihe am Erfolg des Genres maßgeblich beitrug und definitiv eine der innovativsten Videospielreihen ihrer Zunft ist, gibt es Musikspiele nicht erst seit dem Jahr 2005. Tanzmatten- und Rhythmusspiele gibt es bereits spätestens seit den Achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, doch erst langjährige Videospielserien wie SingStar und Guitar Hero haben dem Genre zum Durchbruch verholfen. Beide Serien sind ein Garant dafür, dass mit Mikrofon oder Gitarren-Controller Gelegenheitsspieler und Hardcore-Zocker gleichermaßen angesprochen werden können. Wer Guitar Hero Live zum ersten Mal in eine seiner Konsole einlegt, wird mit einem viel zu kurzen Tutorial in die Grundlagen des Gitarrenspielens eingeweiht. Die Übung kann im späteren Spielverlauf zwar wiederholt werden, doch muss man sich darüber im Klaren sein, dass man nach der Einführung direkt ins kalte Wasser geworfen wird. Für Serienkenner mag das nicht sonderlich schlimm sein, doch Neulinge könnte das in den ersten zwei Spielstunden den Einstieg wesentlich erschweren. Einen wirklichen Karriere-Modus gibt es zwar nicht, doch schlüpfen wir in Guitar Hero Live in der Rolle eines jungen Gitarristen, der mit seiner Band in den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich auf Konzerten spielt, um die Fans entweder zum Jubeln oder zum Maulen zu bringen.

Immersive Erfahrung

Guitar Hero Live (3)Der Offline-Anteil des Spiels basiert auf Realfilmaufnahmen, in denen wir unsere Band aus der Ego-Perspektive sehen. Das wirkt sehr intensiv: Wir beginnen hinter der Bühne, beobachten die Mitarbeiter bei ihren Tätigkeiten, sehen ein Maskottchen umhertanzen und bekommen dann die Gitarre in die Hand gedrückt. Obwohl die Realfilmaufnahmen manchmal täuschend echt wirken, sind die meisten Hintergründe wie bei großen Hollywood-Produktionen vor dem Greenscreen entstanden. Auf der Bühne werden meist mehrere Lieder hintereinander gespielt. Nach der Ankündigung des nächsten Songs dürfen wir auch schon in die Tasten hauen. Das meinen wir wortwörtlich, denn das Spiel wird (genau wie seine zahlreichen Vorgänger) mit einem der bereits erwähnten Gitarren-Controller gespielt und bei Guitar Hero Live abermals im Lieferumfang enthalten ist. Alternative Steuerungsmethoden gibt es nicht. Auf einer Übersicht in der Mitte des Fernsehbildschirms, dem so genannten Highway, laufen von oben nach unten die verschiedenen Noten beziehungsweise Tasten hinunter. Diese wollen im richtigen Moment gedrückt werden, denn sonst beginnen unsere Fans ihren Unmut auszudrücken. Das eingespielte Video verändert sich hierbei im Verlauf der Songs so, wie es zu unserer jeweiligen Treffsicherheit passt. Wer hier versagt, wird enttäuschte und wütende Gesichter erblicken.

Fragwürdiges Preismodell

Guitar Hero Live (4)Die Videos wirken bis auf manch hastigen Übergang wirklich sehr authentisch. Das liegt vor allem daran, dass jeder Auftritt auf einem eigenen Video basiert. Das Hauptaugenmerk von Guitar Hero Live liegt jedoch eindeutig auf dem Online-Modus. Hier gibt es weitere Songs zu absolvieren, doch werden dabei die originalen Musikvideos gestreamt und keine Aufnahmen unsere Band gezeigt. Wir können hier entweder einen der beiden Themenkanäle aufrufen, wo Songs in zufälliger Reihenfolge abgespielt werden oder wir entscheiden uns gezielt für ein bestimmtes Lied. Letztere Option ist allerdings nicht unbegrenzt verfügbar. Weitere Durchgänge müssen wir per Echtgeld oder spärlichen Ingame-Moneten aktivieren. Theoretisch braucht man zwar nie einen Cent in Guitar Hero Live zu investieren, doch ist das Preismodell in unseren Augen verbesserungswürdig. Außerdem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es in Guitar Hero Live keinen Shop gibt, in dem man einzelne Songs kaufen kann. Davon abgesehen bietet Guitar Hero Live mit seiner tollen Song-Auswahl eine mehr als runde Erfahrung. Schade nur, dass die alte Hardware der früheren Serienteile aufgrund des neuen Gitarrendesigns nicht mehr kompatibel ist. Aufgrund des holprigen Schwierigkeitsgrads und des neuen Designs werden vor allem Experten und Profis auf lange Sicht am meisten ihren Spaß haben.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Wii-U-Fassung): Als Activision damals die Einstellung des Franchises angekündigt hat, war das für viele Fans ein herber Schlag ins Gesicht. Natürlich ist es verständlich, dass die Käufe irgendwann stagnieren, doch zumindest den Song-Nachschub in Form von Sammlungen oder durch die Distribution eines Online-Shops hätte Activision fortführen können. Letzteres ist mit Guitar Hero Live theoretisch nicht mehr notwendig, da Songs mit Musikvideo nur noch aus dem Netz gestreamt werden. Nutzt Activision diese Möglichkeit geschickt, so könnte der Konzern in wöchentlichen oder monatlichen Abständen den Song-Katalog ständig erweitern oder aktualisieren. Allerdings sollte sich der Konzern zweimal überlegen, ob er zukünftig tatsächlich auf das durchwachsene Preismodell setzen will. Man verdient im Spiel de facto zu langsam neue Credits, um sich regelmäßig neue Durchgänge für den Online-Modus zu kaufen und wird so schnell mit Echtgeld zur Kasse gebeten. Ein Update des Spiels wäre in meinen Augen in den nächsten Wochen angebracht. Abgesehen von diesem kleinen Debakel kann man auf jeden Fall sagen, dass die Auferstehung der bereits totgeglaubten Marke Activision in fast allen Punkten geglückt ist. Der Gitarren-Controller bietet mit seinen sechs statt fünf Tasten am Griff sowohl für Anfänger, als auch für Experten Anreiz und die Song-Auswahl trifft des Weiteren viele Geschmäcker. Ich habe viele Stunden Spaß mit Guitar Hero Live gehabt und freue mich auf viele weitere, in denen ich vielleicht sogar zusammen mit Freunden das heimische Wohnzimmer in eine Bühne verwandle.

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