Review: Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers

Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (1)Drei Jahre nach dem Release der Wii U gibt es gerade einmal eine Handvoll Spiele, die das Wii U GamePad als zweiten Bildschirm spielerisch relevant einbinden. Das exklusive Survival-Horror-Adventure versucht uns zu zeigen, wie es richtig geht.

Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (2)Seitdem Nintendo die Spiele der Project-Zero-Reihe auf ihren eigenen Systemen vertreibt, nutzte jedes Spiel die steuerungstechnischen Eigenheiten der Konsole zu ihrem Vorteil. So verpasste die Bewegungssteuerung der Wii den Spielen eine neue Gameplay-Perspektive, so auch zu sehen in Project Zero 2: Wii Edition. Ein Ableger für die Wii U war daher genauso selbstverständlich, wie es eigentlich auch ein neues Pokémon Snap für die Konsole mit dem zweiten Bildschirm sein sollte. Ersteres wurde letztes Jahr in die Realität umgesetzt, auch wenn wir Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers erst jetzt zum Spielen bekommen. Unsere drei spielbaren Figuren Yūri, Ren und Miu verschlägt es aus unterschiedlichen Gründen auf den geheimnisumwobenen Berg Hikami. Heiße Quellen und idyllische Wanderwege sollten dieses Gebiet einst in eine Touristenmetropole verwandeln, ein gewaltiger Erdrutsch setzte diesem Vorhaben und unzähligen Menschenleben aber ein jähes Ende. Eine Dunkelheit breitete sich über dem Gebiet aus und man erzählt sich, dass der Berg immer mehr Menschen mit seiner verlockenden Präsenz in den Suizid treibt. Eigentlich genug Gründe, schleunigst die Beine in die Hand zu nehmen und dem Berg für immer den Rücken zu kehren. Selbstverständlich tritt dieses Ereignis so aber nicht ein.

Kummervoller Berg Hikami

Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (3)Die Verflechtungen des Schicksals gestalten sich allerdings wesentlich komplizierter und schnell sehen sich die drei Protagonisten mit schrecklichen Geheimnissen, beängstigenden Ritualen und einer Menge ruheloser Geister konfrontiert. Erneut nimmt sich die episodenhafte Erzählung in Project Zero viele Vorbilder aus der japanischen Kultur und dessen Traditionen. Zahlreiche verstreute Notizen prägen neben den Zwischensequenzen und den Dialogen unser Bild der zutiefst depressiven Geschichte, in der für jeden Charakter Fröhlichkeit ein Fremdwort ist. Lesefaule Spieler werden die Geschichte nicht verpassen, aber keinesfalls in die tieferen Schichten der Figuren und Erzählungen abtauchen können. Unglücklicherweise leitet uns jedes Kapitel in ein übergeordnetes Menü, womit der schaurige Verlauf des Abenteuers als eine Abarbeitung von Aufgaben präsentiert wird. Damit geht leider ein gewisser Immersionsverlust einher. Zumindest wird der Spieler nun nach jedem abgeschlossenen Kapitel mit einer Note bewertet, die sich aus der Anzahl gefundener Items und gesammelter Geisterpunkte zusammensetzt. In diesem Menü lassen sich zwar auch Items kaufen, doch da der Schwierigkeitsgrad des Spiels aber sowieso schon sehr gering ausfällt, werden auch Anfänger von dieser Funktion wenig Gebrauch machen müssen.

Verschwommenes Selbstportrait

Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (4)Das Alleinstellungsmerkmal der Reihe war seit jeher die Art und Weise, wie die Geister bekämpft werden. Die Camera Obscura ist in der Lage, die schemenhaften Gestalten der realen Welt zu entreißen und auf Fotopapier zu verewigen. Falls der Spieler sich für die Steuerung per GamePad entschieden hat, läuft alles weitere auf dem zweiten Bildschirm ab. Über die Bewegungssteuerung nehmen wir Geister ins Visier und betätigen im richtigen Moment den Auslöser. Trotz einer Lock-on-Funktion geht dabei schnell die Übersicht flöten und besonders mobile Geister lassen sich nicht so einfach bannen. Leider wurde hier verpasst, den Fernseher intelligent einzubinden, auf diesem sehen wir lediglich den Ausschnitt unserer Kamera und ein unübersehbares, penetrant-störendes Wii-U-GamePad-Symbol, was uns wohl daran erinnern will, die Aufmerksamkeit wieder dem kleinen Bildschirm in unseren Händen zuzuwenden. Glücklicherweise lässt sich das Ganze auch analog über die altbewährten Sticks steuern. Einige Menüpunkte mehr hätten hier wahre Wunder wirken können. Selten wurde eine so große Menge an verschenkten Potential einem Spieler so offenkundig unter die Nase gerieben. Auch am Kampfsystem selbst gibt es einige Neuerungen. Nach jedem Treffer verlieren die Gegner Fragmente und ermöglichen sogenannte Schnappschüsse, falls wir fünf Ziele davon auf einmal ins Visier bekommen, werden die Geister gleich zurückgeschleudert.

Geister-Safari

Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (5)Kommen uns Geister zu nahe, gibt es immer noch die altbewährten Fatal Frames, bei denen wir die Gegner in ihren Angriffsanimationen unterbrechen und eine kritische Treffer-Combo auslösen. Der Zeitrahmen, in denen wir diese effektiven Fotos schießen, ist selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad sehr großzügig, womit ein früheres Erfolgserlebnis leider ein wenig zur Routine verkommt. Das Element Wasser spielt interessanterweise nicht nur inhaltlich eine tragende Rolle. Sind unsere Figuren nass, sind sie verwundbarer für Angriffe und teilen gleichzeitig mehr aus. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte also nicht schnurstracks durch jede Pfütze waten. Spezielle Linsen verpassen unseren Schüssen Zusatzfunktionen und verlangsamen Gegner oder füllen unsere Lebensanzeige wieder auf. Die Stärke variiert je nach Foto-Typ; einige brauchen auch besonders lang, um sich wieder aufzuladen, womit die Kämpfe mit ein wenig Taktik bestritten werden sollten. Besiegte Gegner hinterlassen Punkte und bescheren uns hin und wieder kürzere Videoclips, welche die Geister in ihren letzten Momenten begleiten. Project Zero verpasst es hier nicht, selbst normalen Gegnern viel Profil und Hintergrund zu verpassen und das Ganze mit einem erfrischenden Erzählstil zu verbinden. Dieses Element hätte weiter ausgebaut werden können.

Plattgewalzter Horror

Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (6)Leider hat sich Koei Tecmo dazu entschieden, die Kamera und die Spielfigur separat steuern zu lassen. Zwar erinnern die Bewegungen unserer Figur dafür nicht mehr direkt an die altertümliche Panzersteuerung, dafür benötigt es zunächst eine gewisse Einübung, bis uns die Koordination von Kamera und Spielfigur einigermaßen gelingt. Zum ersten Mal in der Reihe widerfahren Menschen in Anwesenheit des Spielers Dinge, die eine Altersfreigabe ab achtzehn Jahren rechtfertigen. Insgesamt wurde sich für einen drastischeren Weg der Horrordarstellung entschieden. Der Berg Hikami bietet einige beängstigende Schauplätze, aber selbst mit einer Priese Backtracking leider nicht genug Engagement, den Spieler in Gruselstimmung zu hüllen. In Gemäuern trägt die japanisch-beengte Architektur noch am besten zur Horror-Stimmung bei, steht dabei aber bei allem immer tief im Schatten seiner Vorgänger. Fraglich ist auch, warum sich anscheinend Hot Pants und Miniröcke für nächtliche Bergtouren in verregnete Gefilden etabliert haben. Die technischen Möglichkeiten der Wii U wurde zwar nicht vollkommen ausgenutzt, insgesamt ist die grafische Präsentation aber solide und sammelt vor allem durch eine grandiose Lichtstimmung viele Punkte auf der Atmosphären-Skala. Vorbildlicherweise dürfen wir auch zwischen der japanischen und englischen Sprachausgabe auswählen.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas’ Fazit: Nintendo hätte dem neusten Project-Zero-Teil nicht vor dem Westen verstecken müssen. Auch wenn die ursprüngliche Gruselstimmung größtenteils ausbleibt, ist das Spiel primär als handlungsgetriebenes Adventure mit der einen oder anderen Schreckeinlage zu genießen. Das Wii U GamePad als Fotoapparat wird für die meisten Spieler wohl leider nur zu einer Steuerungsalternative verkommen, so stellte auch ich schnell die Bedienung auf die altbewährte Variante um. Als Fan der Reihe bin ich zwar mit einigen Neuerungen wie der simplen Fatal-Frame-Mechanik und generell der totalen Abstinenz von Horror- und Rätsel-Einlagen alles andere als zufrieden, dafür macht das die Geschichte wieder wett, die noch immer dieselben Ansprüche und Reize besitzt, wie in den Vorgängern. Ich bin gespannt, inwiefern die Serie in der Zukunft fortgesetzt wird. Bis dahin wünsche ich mir von Nintendo zumindest eine digitale Version des hervorragenden und dennoch verschmähten vierten Teils für den eShop!

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