Review: Yaotsukumo (Band 1)

U_8868_1A_EMA_YAOTSUKUMO_01.IND8Tachibana Tsukumo ist von einer ganz besonderen Gabe gesegnet: Sie kennt keinerlei Schmerzen. Das liegt allerdings nicht daran, dass sie unerschrocken einer Kampfkunst frönt, sondern ihr Schmerzempfinden seit der Geburt vermisst. Eine Eigenschaft, die sich sicherlich jeder einmal während einer schweren Krankheitsphase gewünscht hat, auch wenn Schmerzen nicht zuletzt als Warnsignal einen wichtigen Schutzmechanismus unseres Körpers prägen. Tsukumo ist sich diesen Gefahren bewusst, macht sich ihre Fähigkeit gepaart mit ihrem kämpferischen Gemüt aber trotzdem zunutze, um in ihrer Nachbarschaft für ein wenig Ordnung zu sorgen. Hätte sie gewusst, dass schon bald Jagd auf sie und ihre Fähigkeiten gemacht wird und sie Teil einer alten japanischen Mythologie und zahllosen Gefahren ausgeliefert sein wird, hätte sie sich vielleicht etwas mehr bedeckt gehalten. Ihre Fähigkeit zwingt sie bald in eine Rolle, die sich so vielleicht gar nicht annehmen wollte. An ihrer Seite wird der schweigsame Yao gestellt, der sie als erfahrener Kämpfer beschützen und an ihre Pflichten erinnern soll, aber Tsukumo wird den Verdacht nicht los, diesen Jungen schon irgendwoher zu kennen. Mangaka Suzuki Sanami inszenierte auf 192 Seiten ein unterhaltsames Action-Drama, das sich aus sehr vielen unterschiedlichen Genres die besten Elemente herauspickt.

Tragischer Zwiespalt

Suzuki Sanami zeigte sich schon für die Illustrationen zur zwölfteilige Manga-Reihe zu Black Rock Shooter verantwortlich, die ebenfalls bei Egmont Manga erscheint. Obwohl sie erst seit Ende der letzten Dekade Manga veröffentlicht, hat sie inzwischen schon ein vielseitiges Spektrum an Werken zu verbuchen, die sich durch die unterschiedlichsten Genres ziehen. Auch Yaotsukumo streift fast alle großen Genres auf einmal ab. Suzuki teilt ihre Seiten hier gerne in schmale Abschnitte ein, die als horizontale oder vertikale Streifen viele szenenhafte Eindrücke auf wenigen Seiten vermitteln. Dieses Bilderformat gibt dem Leser auch einen guten Eindruck von schnellen und scharfen Hieben eines Katanas, das Tsukumo ihr Eigen nennt. Auffallend ist auch die zeichnerische Gestaltung der Augen, denen Suzukis ringhafter Aufbau eine unverwechselbare Note verpassen. Tsukumos leichtlebige Einstellung sorgt besonders in der ersten Hälfte des Bands immer wieder für Schmunzeln, schnell gewinnen aber Drama- und Horror-Elemente die Überhand und ringen um die Aufmerksamkeit der Leser. Tsukumo als Figur ist mit ihrer Fähigkeit rundum interessant. Nicht nur einmal stellt sie sich die Frage, ob mit dem Verlust der Schmerzen auch ein Teil der Menschlichkeit verloren ging. Insgesamt bleibt sie eine der einzigen aufblühenden Figuren.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Die Grundthematik allein, die Yaotsukumo beschreitet, ist nur der Aufhänger für weitaus mehr, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Die Achterbahnfahrt durch die unterschiedlichsten Genres endet nicht zuletzt im Gefilde des Horrors. Herausheben will ich hier die coolen Gegner-Designs, die nicht zur Standard-Riege der Bösewichte gezählt werden dürfen. Da kann ich auch über die eher standardmäßige Verwertung von Action-Szenen hinweg sehen. Wer mit vielen fantastischen und mythologischen Begriffen etwas anfangen kann, mit denen Yaotsukumo nach kurzer Zeit stilsicher hantiert, bietet Yaotsukumo ein unterhaltsames Action-Drama im Fantasy-Setting mit ansehnlichen Illustrationen.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Yaotsukumo (Band 1)!

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