Review: XCOM 2

XCOM 2 (1)Kaum ein Strategie-Titel konnte im Jahr 2012 so begeistern wie die Wiedergeburt der Reihe mit XCOM: Enemy Unknown von Entwickler Firaxis Games. Das Remake zu UFO: Enemy Unknown sahnte einige Preise ab und wurde von einigen Medien zum Spiel des Jahres gekürt.

XCOM 2 (2)Auch das Expansions-Pack, welches 2014 erschien, wurde mit viel Lob überschüttet. Zwar gab es keine nennenswerte Änderungen hinsichtlich des Gameplays, jedoch sorgte eine erweiterte Charaktergestaltung für viel Freude bei den Fans. Mit XCOM 2 ist es nun das Ziel, auf alle Spielmechaniken eine große Schippe draufzulegen und ein Spiel zu schaffen, welches nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch einen großen Sprung nach vorne wagt. Vorweg können wir sagen, dass Firaxis Games dies gelungen ist und uns würde es nicht wundern, wenn auch XCOM 2 zum Spiel des Jahres gekürt werden wird. In XCOM 2 ist der Planet Erde von einer Alien-Invasion geplagt. In allen großen Ländern der Erde fällt eine Allianz, bestehend aus verschiedenen Alien-Rassen, ein, welche versuchen, den blauen Planeten zu erobern und die Menschen zu unterwerfen. Da kein Militär der Welt gegen eine solche Invasion vorbereitet war, liegt das Schicksal der Menschen nun in der Hand einer geheimen Organisation – der XCOM. Die Kommandeure, Wissenschaftler und Soldaten dieser Organisation haben sich jahrzehntelang in einer Untergrundanlage auf einen möglichen Erstkontakt vorbereitet und sind somit die letzte Hoffnung der Menschheit. Mit modernster Technologie und Strategie ist es an ihnen, also eher gesagt uns, die Invasion der feindlichen Aliens zu stoppen.

Gewonnener und verlorener Krieg

XCOM 2 (3)XCOM 2 ist im Jahre 2035 angesiedelt und spielt damit zwanzig Jahre nach den Erstkontaktereignissen von XCOM: Enemy Unknown. Während wir im Vorgänger die Invasion erfolgreich abwehren konnten, werden wir mit der Handlung von XCOM 2 ins kalte Wasser geworfen. Anscheinend haben wir die Invasion doch nicht vermeiden können und die Invasoren haben den Planeten erobert und die Menschheit unterjocht. Alle noch lebenden Menschen werden vom ADVENT-Marionettenregime unterdrückt und es wird uns in höchst politischer Manier vorgegaukelt, dass Aliens und Menschen in Frieden zusammen auf der Erde leben. Sicherlich ist dies gewagt, da die vorherigen Ereignisse untergraben wurden. Dennoch sehen wir den Einstieg weniger problematisch, da auch nicht genau erklärt wird, was in den zwanzig Jahren zwischen der Ereignissen passiert ist. Wo jedoch ein Regime ist, findet sich schnell ein Widerstand. Neben vielen aufständischen Gruppierungen überall in der Welt, gibt es auch wieder unsere Organisation, welche mithilfe vieler kleiner Gruppierungen versucht, die Aliens zu bekämpfen. Als Basis dient uns dabei die Avenger, ein Luftschiff, welches Dreh- und Angelpunkt der Kampagne ist. Die Räume in unserer Basis müssen wie schon im Vorgänger stets ausgebaut werden, um neue Forschung und somit Waffen herstellen zu können.

Alles wie im Vorgänger, nur besser

XCOM 2 (4)Die Funktionen sind dabei sehr dem Vorgänger ähnlich, mit dem Unterschied, dass die Inhaltsdichte stark zugenommen hat. Neben den üblichen Raumstrukturen wie Energiekraftwerken, Waffenkammer und Forschungsstation, gibt es nun auch eine Krankenstation welche wir mit Wissenschaftlern besetzen können, damit unsere Soldaten sich schneller nach Einsätzen regenerieren. Apropos Soldaten: Diese werden in vier Klassen eingeteilt, wobei jede Klasse quasi zwei Talentbäume hat. Der Ranger ist eine Klasse, welche besonders gut für den schnellen Nahkampf geeignet ist. Mit dieser Klasse können wir uns etwas weiter bewegen und können mit einem Schwert einen Nahkampfangriff ausführen, mit welchem wir zwar ordentlich Schaden austeilen, doch unseren Soldaten gefährlichen Situationen aussetzen. Eine weitere Klasse ist der Grenadier, welcher Granaten oder Panzerfäuste mitführen kann und zudem als Sanitäter eine gute Figur macht. Altbekannt ist zudem der Scharfschütze, welcher nun durch einen Revolver neue Fernkampfeigenschaften bekommt. Zu guter Letzt gibt es da noch den Spezialisten, eine Klasse, an der wohl am meisten herumgeschraubt wurde. Der Spezialist hat stets eine Drohne bei sich, welche angreifen, heilen oder ein Schild zur Sicherung eines Kameraden aufbauen kann – gerade hier bilden sich unglaublich strategisch wichtige Vorteile.

Ein Tod kommt selten allein

XCOM 2 (5)Sehr gelungen finden wir auch die Individualisierungsmöglichkeiten unserer Soldaten. Neben Namens- und Aussehensveränderung können wir auch eine eigene Biografie zu jedem Soldaten schreiben und die Rüstung optisch anpassen. Hier können wir zwischen einigen Outfits sowie deren Farbe auswählen, aber auch unsere Waffen mit Tarnfarbe bemalen. Dabei sollte jeder Spieler selber wissen, wie viel Zeit ihm das wert ist – denn eines ist sicher: Die Soldaten fallen in einigen Missionen wie die Fliegen. Wir geben zu, sehr viel Spaß daran gehabt zu haben, unsere Redaktion zu erstellen und gegen die Aliens zu schicken. Aber wenn der Chefredakteur schon nach dem ersten Einsatz das Zeitliche segnet, ist der Spaß vorbei. Der härtere Schwierigkeitsgrad (im Gegensatz zum Vorgänger) lässt uns das ein oder andere Mal frustriert zurück, insbesondere wenn ein Soldat gefallen ist, den wir vorher mit viel Mühe gestaltet haben. Die einfache Lösung ist es, regelmäßig vor und während jedem Einsatz das Spiel zu speichern um möglichst auf falsche Züge reagieren zu können und uns eine bessere Strategie zu überlegen. Auf der anderen Seite kann man sich dies sparen, indem man einfach einen Soldaten nach dem anderen in den Tod schickt und erst keine Verbindung zu den virtuellen Kollegen aufbaut – aber sind wir ehrlich: Dann geht doch auch ein bisschen Spielspaß verloren.

Strategie auf Zeit

XCOM 2 (6)Die Serie ist seit jeher ein rundenbasiert aufgebaut und genau diese Eigenschaft macht das Spiel zum Meister seiner Klasse. Wenn wir unsere Soldaten durch das Schlachtfeld dirigieren, müssen wir uns gut überlegen, ob wir viele Meter durch einen Sprint machen wollen und der Charakter alle Aktionen für die Runde verliert, oder ob wir langsam vorgehen und uns von Deckung zu Deckung in Feldposten schwingen, damit unsere Soldaten automatisch bei Feindkontakt außerhalb unserer Runde schießen. Manche Missionen machen uns in diesem Punkt einen Strich durch die Rechnung, indem Rundenanzahlen vorgegeben werden. Somit gibt es Aufträge, in denen wir in acht bis zehn Runden Objekte bergen, Geiseln befreien oder ein Ziel ausschalten müssen. Die Missionen sind zwar absolut machbar, können den einen oder anderen Perfektionisten sicherlich ärgern. Dies ist eigentlich auch unser größter Kritikpunkt, obwohl es auf dem PC noch einige Performance-Probleme gibt, die aber mit zeitnahen Updates verschwinden könnten. Für Freunde des gepflegten Gegeneinanders ist der Mehrspielermodus von großem Wert. Hier können wir in der Rolle von Soldaten oder Aliens stundenlang gegeneinander auf vielen verschiedenen Karten antreten – denn nichts ist fordernder, als reale Kontrahenten und es ist auch immer witzig anzusehen, wie oft man aneinander vorbeilaufen kann.

Die richtige Mischung

XCOM 2 (7)Übermäßige Innovationen gibt es diesmal nicht. Jedoch wurde jedes Detail in sich verbessert und ausgearbeitet. Die Grafik wurde verschönert, die Spielmechanik ist nun viel umfangreicher und lässt neue Strategien zu und vor allem bei der Individualisierung unseres Charakters haben die Entwickler alles richtig gemacht. Das Spiel wirkt zu keiner Zeit wie ein Aufguss des großartigen Vorgängers und ebenso wenig können wir behaupten, dass es an Fortschritt fehlt. Es wurde jedes Detail neu bearbeitet, eine sehr spannende Geschichte geschrieben, bessere Synchronsprecher engagiert (Commander Shepard aus der Mass-Effect-Trilogie lässt grüßen) und gleichzeitig blieb man dem Grundkonzept treu. Die Neuerungen, wie das Erbauen von Funkstationen auf der Weltkarte, um mit dem Widerstand im Kontakt zu bleiben oder das Fliegen zu Alien-Angriffen oder Rohstoffen hinterlassen den Eindruck, dass sie sich nahtlos in das Spielgefüge einfügen und immer selbstverständlich gewesen zu sein. Somit hat sich vier Jahre nach dem letzten großen Wurf mit XCOM: Enemy Unknown auf dem Papier vielleicht nicht viel geändert, aber spielerisch können wir durchaus festhalten, dass sich sehr wohl einiges verändert hat und das Spiel durchaus frischer wirkt, als es auf Screenshots vermuten lässt. Wir sind uns jetzt schon sicher, dass das Spiel sehr in der Beliebtheitsskala steigen wird.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit: Es ist heutzutage selten, dass mich Videospielserien noch begeistern können. Diverse Entwickler bestätigen Jahr für Jahr, dass Serien scheinbar mehr mit Zwang, als mit neuen Innovationen oder großen Verbesserungen auf den Markt geworfen werden müssen. Umso mehr freue ich mich auf das Jahr 2016, in welchem schon viele Titel angekündigt wurden, welche keinen Vorgänger besitzen und somit Spielraum für viele neue Ideen haben. Entsprechend bin ich auch umso mehr bin begeistert, wenn ein Entwickler wie Firaxis Games ein Spiel auf die Beine stellt, welches zwar in einem bekannten Universum spielt und die gleichen spielerischen Grundelemente mitbringt, jedoch im Gegenzug so erfrischend wirkt. Außerdem ist die Liebe zum Detail unverkennbar. Ich muss auch gestehen, dass ich lange Zeit kein Spiel mehr so lange am Stück gespielt habe wie XCOM 2 und sogar noch nach Beenden aller Missionen die Kampagne von vorne begonnen habe. Das Strategieherz in mir ist befriedigt, Kritik gibt es so wenig, dass ich sie an einer Hand abzählen könnte. Außerdem wirkt das Setting trotz des erfolgreichen Vorgängers keineswegs verbraucht, weshalb XCOM 2 für mich eine sehr frische Videospiel-Erfahrung darstellt, mit dieser das Jahr 2016 gut begonnen hat.

Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars vom XCOM 2!

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