Review: Life is strange

Life is strange (1)Nachdem das Entwicklerstudio Dontnod Entertainment 2013 Remember Me beenden konnte, hat man sich an die Entwicklung des Adventures Life is strange, damals noch unter dem Projektnamen What if? bekannt, gesetzt. 2014 wäre die Entwicklung beinahe eingestellt worden.

Life is strange (2)Während für den Action-Adventure-Titel Remember Me noch Capcom als Publisher fungierte, dieser jedoch von den Verkaufszahlen sehr enttäuscht gewesen sein dürfte und Dontnod Entertainment selbst mit der Unterstützung der französischen Filmförderungsbehörde Centre national du cinéma et de l’image animée die Arbeiten an Life is strange nicht alleine abschließen konnte, sprang Square Enix als Publisher des Spiels ein und ermöglichte somit, dass ein fast rein auf seine Handlung reduziertes Spiel das Licht der Welt erblicken konnte. In Life is strange schlüpfen wir in die Rolle der achtzehn Jahre alten Schülerin Maxine Caulfield, die nach fünf Jahren der Abwesenheit in ihre alte Heimatstadt Arcadia Bay im US-Bundesstaat Oregon zurückgekehrt ist, um an der Blackwell-Akademie Fotografie zu studieren. Während einer montagmorgendlichen Unterrichtsstunde bei ihrem Lehrer Mark Jefferson wird Maxines Leben auf den Kopf gestellt. Sie hat eine Vision von einem Tornado, der Arcadia Bay treffen wird. Nachdem sie sich beruhigt, etwas im Unterricht herumblödelt und schließlich das stille Örtchen aufsuchen will, wird sie dort Zeugin eines Mordes. Der Schüler Nathan Prescott erschießt vor ihren Augen eine junge Frau. Durch den Schock stoppt urplötzlich die Zeit und läuft dann rückwärts. Maxine oder Max, wie sie genannt werden will, wird zur Zeitreisende.

Schmetterlingseffekt

Life is strange (3)Mehr möchten wir an dieser Stelle nicht über Life is strange verraten, denn die Handlung des Spiels ist das elementare Gameplay-Element beziehungsweise dessen Auswirkung. Wir bewegen uns in der Third-Person-Perspektive mit Max durch die Spielwelt, unterhalten uns mit den Charakteren und sammeln nebenher Informationen, indem wir Gegenstände oder bestimmte Situationen betrachten. Mit diesen Hinweisen erhalten wir in den Gesprächen mit den Charakteren neue Dialogoptionen, die uns wiederum neue Anhaltspunkte liefern, was in Arcadia Bay vor sich geht – so und nicht anders wird die Geschichte von Life is strange in fünf Episoden, die sich zusammen quasi wie eine typische Fernsehserie anfühlen, vorangetrieben. Ursprünglich erschienen die Episoden im Verlauf des Jahres 2015 einzeln. Da sie aufeinander aufbauen und ungeduldige Spieler wohl nicht auf die Fortsetzungsfolge warten wollen oder können, hat man sich bei Square Enix dazu entschieden, die ganze Staffel auch im Komplettpaket im Januar 2016 zu veröffentlichen. Interessant ist dabei, dass die einzelnen Folgen nicht in sich abgeschlossen sind und die Entscheidungen, die wir in den Gesprächen treffen, entweder beiläufige Veränderungen bewirken oder ziemlich große Auswirkungen auf die Zukunft, die Gegenwart und sogar die Vergangenheit haben. Der Schmetterlingseffekt lässt grüßen!

Realitätsnahe Spielwelt

Life is strange (4)Je nachdem welche Entscheidungen wir also treffen, verläuft die Story für jeden Spieler anders. Das beginnt mit kleinen Nuancen in der Umgebung und kann im Spielverlauf sogar auch dazu führen, dass bestimmte Charaktere sterben und entsprechend nicht mehr auftauchen. Oft steht und fällt mit den Charakteren in einem Adventure die Qualität der Handlung. Bei Life is strange muss man dergleichen nichts befürchten, denn die Charaktere haben allesamt ausgearbeitete und vor allem realistische Persönlichkeiten. Es sind Menschen, denen wir so auch im realen Leben begegnen können. Nur sehr selten haben wir das Gefühl, dass ein Charakter eine Entscheidung trifft, die wiederum von den Entwicklern selbst nur zum Zweck der Dramaturgie gefällt wurde. Interessant sind dabei auch die Schauplätze, die immer eine bestimmte Bedeutung für die jeweiligen Personen haben. Neben dem Schulgelände erkunden wir unter anderem auch einen Schrottplatz, das Haus unserer besten Freundin und das Diner, in welchem ihre Mutter arbeitet. Während Maxines wissenschaftlich-metaphysischen Reise füllen wir ihr Tagebuch mit den jüngsten Ereignissen, Eckdaten zu den Charakteren und schießen nebenher in jeder Episode optionale Fotos in der Spielwelt. Das eigenständige Fotografieren hat für uns leider keine tiefere Bedeutung. In Anbetracht von Maxines Hauptfach ist dies sehr schade.

Make Your Own Kind of Music

Life is strange (5)Weniger schade ist die Wahl des Comic-Stils. Dieser wirkt zwar befremdlich, doch gewöhnt man sich schnell an ihn. Ein Vorteil dabei ist, dass das Spiel auf älteren Mittelklasserechnern in Full-HD flüssig läuft. Der Grafikstil spiegelt sich ebenso in den Spielmarkierungen wieder, denn wichtige Objekte und Personen sind mit kreidefarbenen Pfeilen markiert. Der Nachteil des Stils ist, dass einige Texturen verwaschen wirken und Gestik und Mimik der Charaktere detailarm ausfallen. Besonders die Lippenbewegungen hätten größere Beachtung verdient gehabt. Dafür entschädigen beruhigende und beängstigende Hintergrundmelodien, ergänzt von einer gelungenen Geräuschkulisse. Wirklich herausstechend sind aber die hervorragend eingearbeiteten Songs. Diesen lauschen wir, wenn Maxine etwa ihre HiFi-Anlage anschmeißt oder die Jukebox im Diner bedient. Diese Einbindung der Songs, die eine tiefsinnige Bedeutung für die Story haben, ist einzigartig in der Videospiellandschaft! Fantastisch ist auch die englische Synchronisation, doch eine deutsche Synchronisation hat das Spiel selbst in der Endfassung nicht spendiert bekommen. Schade, denn beim Lesen der Untertitel wird man nicht ganz so von der Dramatik des zwanzigstündigen Spiels gefangen. Adventure-Liebhaber, die zugleich ruhige und aufregende Abenteuer mögen, werden Life is strange verschlingen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Als Life is strange im letzten Jahr in Episodenformat erschienen ist, hat es mich nicht wirklich interessiert. Ich hätte es vermutlich aber auch nicht ausgehalten, monatelang auf die Fortsetzung der Handlung zu warten. Trotzdem bin ich froh darüber, dass das Episodenformat selbst in der finalen Fassung erhalten geblieben ist und trotzdem jede Entscheidung spürbare Auswirkungen auf die Handlung und sogar mein Spielverhalten hat. Die seltsame Woche, die ich mit Max in Life is strange verbringen konnte, war für mich ein sehr spannendes Erlebnis. Die Geschichte ist wirklich großartig geschrieben und ich ertappte mich nicht selten dabei, wie ich die Zeit trotz einer gut überlegter Entscheidung in einem Dialog zurückgespult habe, nur um alternative Auswirkungen kennenzulernen beziehungsweise zu spüren. Nach dem ersten Durchspielen habe ich zudem das Gefühl, dass ich den Titel gerne noch einmal erleben möchte und die Auswirkungen anderer Entscheidungen spüren will. Dazu kommt, dass jede Episode mit einem spannenden und überraschenden Cliffhanger endet – da kann selbst so manche Fernsehserie noch eine Scheibe von abschneiden! So sehr ich Maxines Geschichte auch mag, bin ich vom Ende doch etwas enttäuscht. Das Spiel arbeitet die ganze Zeit auf eine tiefgehende Botschaft hin, erfüllt diese aber nicht ganz. Selbst wenn das Ende (meiner getroffenen Entscheidungen) nur eine Metapher darstellen oder zumindest eine metaphorische Bedeutung haben mag, ist mir das echt zu wenig. Hier hoffe ich wirklich, dass auf die erste Staffel eine zweite folgen wird. Da muss Dontnod Entertainment dann aber auch unbedingt etwas am Gameplay verändern. Es gibt zwar ein paar interessante Rätsel und Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielwelt, doch wäre da für ein Adventure sicherlich noch mehr möglich, um das Gameplay aus der Durchschnittlichkeit herauszuholen. Wer eine aufregende Geschichte erleben will und sich auf langatmige und ruhige Stellen einlassen will, wird Life is strange definitiv nicht so schnell vergessen!

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Life is strange!

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