Review: Remember Me

Remember Me (1)Einst wurde Remember Me von Sony Computer Entertainment und Dontnod exklusiv für die PlayStation 3 entwickelt, doch wenn sich zwei Firmen streiten, freut sich bekanntlich die dritte und so erschien das Spiel plattformübergreifend jetzt aus dem Hause Capcom.

Remember Me (2)Remember Me ist in einer fiktiven Zukunft, genauer gesagt im Jahre 2084, in der Stadt Neo-Paris angesiedelt. Obwohl Frankreich und Paris immer nachgesagt wird, dass hier die Kultur pulsiert, ist davon nichts mehr zu sehen. Die Zukunft im Jahr 2084 ist düster – sehr düster! Nach dem europäischen Bürgerkrieg verdient der globale Konzern Memorize sein Geld mit Erinnerungen. Diese werden Menschen entnommen, verkauft oder sogar verändert. Jeder soll sich nur noch an die schönsten Momente im Leben erinnern. Menschen, meist Verbrecher, denen jedwede Erinnerung entnommen wurde, werden ausgelagert und fristen danach ihr Dasein in der Kanalisation der französischen Metropole oder zumindest dem, was davon übrig ist. Gegen den Konzern Memorize hat sich bereits eine Widerstandsbewegung organisiert, die jedoch mit ihrer Revolution bereits gescheitert ist. In der Haut einer Erroristen, wie sich diese Widerstandsgruppe nennt, wachen wir in der Bastille, die nun als Hightech-Gefängnis und Laboratorium genutzt wird, auf. Wir erinnern uns nur noch an unseren Namen, Nilin, doch der Wissenschaftler will uns auch die letzte Erinnerung nehmen. Plötzlich meldet sich eine Stimme in unserem Kopf, welche über Sensen, einer Art mobiles Erinnerungsempfangsgerät, zu uns spricht. Diese Stimme hilft uns, aus der Bastille zu fliehen. Remember Me beginnt.

Das Jahr 2084

Remember Me (3)Das Szenario von Remember Me erinnert an Filme wie Blade Runner oder Das Imperium der Wölfe und an Spiele wie Deus Ex: Human Revolution. Science-Fiction-Elemente sind überall zu sehen und zu spüren. Die Inneneinrichtungen von Gebäuden wirken hochmodern, in jedem Haus arbeitet mindestens ein Haushaltsroboter, der direkt dem Film I, Robot entsprungen sein könnte. Die Bevölkerung trägt futuristische Kleidung und die Architektur wirkt so, als ob sie von einer einst utopischen Zukunftsvision berührt sei, doch von einer Dystopie umwuchert wird. Mittendrin in dieser Zukunftsvision stehen nun wir mit der entflohenen Erroristen, die von dem Unbekannten Edge (die Stimme, die wir in der Bastille gehört haben), zurück zu den Überbleibsel der Widerstandsbewegung gelotst wird. Unterwegs werden wir jedoch immer wieder von Leapern (verwahrloste Menschen ohne Erinnerungsgefühl), Polizisten und sogar eigenständig arbeitenden Maschinen angegriffen. Je länger wir spielen und je mehr Gegner wir besiegen, desto eher erinnert sich Nilin an ihren Kampfstil. Mit nur zwei Buttons, aber vier verschiedenen Wirkungen, bekämpfen wir wie in Batman: Arkham City mit geschickten Kombinationsangriffen unsere Feinde. Dabei teilen wir Schaden aus, heilen uns selbst, verstärken die Kombination und reduzieren die Abklingzeit von unseren Spezialtechniken.

Nilins Kampfstil

Remember Me (4)Wir dürfen dabei selbst bestimmen, wie unsere Kombinationsangriffe aufgebaut sind. Dabei gibt es jeweils eine Kombination mit drei, fünf, sechs und acht Slots, die wir mit den Buttons belegen dürfen. Die einzige Bedingung ist, dass wir schon genügend Gegner ins Nirwana geschickt haben, um neue Buttons in den verschiedenen Kategorien freizuschalten. Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit meistern wir kinderleicht die schwierigsten Kämpfe, wenn wir denn jederzeit wachsam sind und auf die Angriffe der Gegner achten. Diese werden mit einem roten Ausrufezeichen kurz angedeutet und spätestens dann sollten wir dem Angriff ausweichen. Befinden wir uns gerade dabei einen Angriff vorzubreiten, dann sollten wir keine Zeit verlieren und diesen unverzüglich fortsetzen, um nicht die gesamte Button-Kombination zu wiederholen. Gut finden wir, dass die Kombinationen genügend Spielraum für Experten lassen und für Anfänger schnell zu verstehen sind. Button Mashing hat hier keine Chance! Mit zunehmender Spieldauer erinnert sich Nilin auch wieder an Spezialtechniken, mit denen wir dann zum Beispiel blitzschnell von einem Gegner zum nächsten rasen, dreißig Sekunden lang unsichtbar sind, um die Erinnerung eines Feindes zu überladen (und ihn zu besiegen) oder um eine Maschineneinheit für eine kurze Zeitspanne zu einem Verbündeten zu machen.

Lineare Spielwelt

Remember Me (5)Damit wir in späteren Kämpfen auch genügend Energiereserven und Fokuseinheiten besitzen, sollten wir die schmalspurigen Levels gründlich abzusuchen. In den ersten Spielstunden fallen die sammelbaren Items eher auf, als im restlichen Teil des Spiels. Dort müssen wir schon sehr sorgfältig vorgehen, um auch keine Ecke des Spielgebiets zu übersehen. Um entlegene Stellen zu erreichen, klettern wir an Häuserfassaden, Regenrinnen und sonstigen Vorsprüngen hoch. Wer jetzt jedoch freie Kletterpassagen im Stile eins Assassin’s Creed III erwartet, der wird von Remember Me enttäuscht sein. Man kann tatsächlich nur dort in die Höhe oder die Tiefe klettern, wo es das Entwicklerstudio Dontnod vorgesehen hat. Entsprechend gibt es auch nur abgeschlossene Spielgebiete, die wir nicht verlassen können. Man muss dem Entwickler aber zugutehalten, dass dieser im Vorfeld verkündet hat, dass die angestrebte Spielerfahrung nur so gewährleistet werden kann. Selbst wenn das die Intention des Teams war, hätten dieses aber daran denken können, dass man im aktuellen Level vielleicht vor- und zurückgehen möchte. Haben wir beispielsweise eine Abzweigung (von wenigen) nicht genommen und wollen diese noch erkunden, können wir das oft einfach nicht, da sich Türen und Durchgänge hinter uns ständig automatisch verschließen. Das Spiel sieht nicht vor, dass wir diese wieder öffnen.

Gedankenmanipulation

Remember Me (6)Das kennen wir so zwar schon aus Spielen wie Der Herr der Ringe: Die Zwei Türme, doch ist der Gamecube-Klassiker bereits gute zehn Jahre alt und bietet bestenfalls Missionen, die in zwanzig Minuten gemeistert sind. Wer jede Gesundheitserweiterung finden möchte, der muss ein Kapitel zunächst beenden, um nach mehr als einer Stunde Spielzeit erneut festzustellen, dass ihm hier und da ein Detail entgangen ist. Insbesondere schade finden wir dass bei den Informationen über die Spielwelt, die wir überall finden und in Textform im Menü nachlesen dürfen. Diese beinhalten viele interessante Hintergründe über die Spielwelt, denn ansonsten wird darüber nichts erzählt – Nilin will schließlich mehr als alles andere ihre Identität lüften und ihre Erinnerung zurückerlangen. Um das zu erreichen, müssen wir selbst die Erinnerung von so mancher Spielfigur, über die wir hier aus Spoiler-Gründen jedoch kein Wort verlieren, manipulieren. Während der Manipulation läuft für uns ein Filmchen ab, wie eine Situation tatsächlich stattgefunden hat. Anschließend dürfen wir den Film wie eine Videokassette bis zum Anfang zurückspulen. Beim erneuten Abspielen fallen uns jedoch Anomalien auf, bei denen wir eingreifen und Details verändern können. Beispielsweise das Öffnen einer Tasche oder das Verschieben eines Hockers, was gravierende Folgen für den Ablauf haben kann.

Licht- und Schattenseiten

Remember Me (7)Im ganzen Spiel sind solche Momente jedoch rar gesät. Hauptsächlich laufen wir durch die Levels, kämpfen in Gängen und großen Schauplätzen gegen Gegnerhorden, klauben überall Informationen auf und verbessern durch gefundene Items Gesundheits- und Fokusanzeige. Höhepunkte sind dabei rar gesät. Später kommen zwar noch Schießübungen und kleinere Rätseleinlagen dazu, doch bis auf ein einziges Rätsel warten keine Kopfnüsse auf uns. So setzt sich auch die relativ kurze Spielzeit von nur zwölf Stunden zusammen. Durchgehend begleitet uns ein Soundtrack, der sich eher im Hintergrund versteckt, aber besonders in den brenzligen, gefährlichen und ruhigen Momenten durchaus mit starken und ruhigen Klängen zu begeistern weiß. Ebenfalls begeistert sind wir von der optischen Gestaltung. Das schöne Gesicht der Hauptdarstellerin, das Zusammenspiel von Licht und Schatten und die wenigen Momente, wo wir bei prasselnden Regen einen Blick auf das nächtliche Neo-Paris werfen, ziehen uns in ihren Bann. Schade nur, dass in einigen Fällen der Schatten der Spielfiguren ganz vergessen wurde und die deutsche Synchronisation zwar mit guten Sprechern aufwarten kann, aber keinesfalls lippensynchron ist. Unterm Strich bleibt eine gesunde Mischung für Genre-Fans, aber der erhoffte Action-Kracher ist Remember Me nicht geworden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Als ich im letzten Jahr den Capcom-Termin auf der Gamescom wahrgenommen habe, hatte ich mit Remember Me nicht gerechnet. Das gezeigte Material hat mich positiv gestimmt und ebenso positiv hat sich die Manipulation der Erinnerung einer anderen Spielfigur auch angefühlt. Dabei handelt es sich wohl um eines der innovationsreichsten Spielelemente der letzten Jahre, doch das alleine kann Remember Me nicht retten. Selbiges gilt für die gut inszenierten Kämpfe, die kinderleicht aus der Hand gehen und auch nach zehn Stunden Spielzeit noch jede Menge Spaß machen. Zuletzt wäre noch die Spielwelt zu nennen, die so viel Potential bietet, welches aber aufgrund der von den Entwicklern gewollten Struktur nicht entfaltet werden kann. Mir wäre ein Open-World-Spiel im fiktiven Neo-Paris zwar recht gewesen, doch begnüge ich mich noch lieber mit Spielen, die vom Entwickler auch so ausgelegt sind, wie man es sich von Anfang an vorgestellt hat. Dann möchte ich aber zumindest hier Bewegungsfreiheit genießen, doch diese lässt mir Remember Me nicht. Ständig schließen sich hinter mir Türen, die nicht mehr aufgehen wollen und viel zu oft renne ich für meinen Geschmack durch abgeschlossene Gänge, nur um im nächsten Raum gegen eine Gegnerhorde zu kämpfen, mit denen ich schon felsenfest gerechnet habe. So kann ich Remember Me zwar jedem Action-Fan empfehlen, der gerne solche linearen Spiele mag, aber ein aus der Menge herausragendes Spiel ist Remember Me für mich nicht geworden.

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Remember Me!

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