Review: The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel

The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel (1)Zwar dürfen seit 1989 Rollenspieler Abenteuer im heutzutage umfangreichen The-Legend-of-Heroes-Franchise erleben, doch erst mit The Legend of Heroes: Trails in the Sky scheint die Reihe für Fans des fernöstlichen Rollenspiels wirklich im Westen angekommen zu sein.

The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel (2)Die Geschichte von The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel ist im Erebonian Empire der Spielwelt angesiedelt und spielt fünfzig Jahre nach einer industriellen Revolution, die unter anderem Züge, Automobile und mobile Endgeräte hervorgebracht hat. Trotzdem hält sich die Monarchie an der Macht und kulturelle Veränderungen in puncto Architektur und Co nehmen die Bewohner der Spielwelt nur sehr langsam wahr. Die Geschichte von Trails of Cold Steel beginnt mit einem Angriff, den wir noch nicht so ganz einordnen können. Während der feindlichen Attacke werden wir nämlich einfach ins kalte Wasser geworden, kennen unsere Mitstreiter noch nicht beim Namen und wissen eigentlich gar nicht, für was oder wen wir überhaupt die Waffe in die Hand nehmen. Nach dem furiosen Auftakt, der mit dem Abfeuern einer gigantischen Kanone beginnt, spult die Zeit ein halbes Jahr zurück. Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns gerade in einem Eisenbahnwaggon auf dem Weg ins kleine Städtchen Trista, in dem wir die nächsten zwei Jahre verbringen sollen. Protagonist des Spiels, Rean Schwarzer, ist wie acht andere Nachwuchskadetten auf dem Weg zur Thors Military Academy, um in der frisch gegründeten Class VII etwa in Landesgeschichte oder Kampfkunst unterrichtet zu werden. Schon während der Eröffnungszeremonie werden wir jedoch mit Problemen konfrontiert.

Charakterbasierende Handlung

The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel (3)An der Thors Military Academy herrschen normalerweise strikte Regeln. Das heißt, dass der Adel in zwei separaten Schulklassen unterrichtet wird und ebenso über ein eigenes Wohnheim verfügt. Ähnlich verhält es sich mit den Bürgern, die in drei Schulklassen mit Unterrichtsstoff konfrontiert werden. Class VII (die sechste Klasse existiert nicht) wiederum setzt sich aus ein paar adligen Schülern, als auch bürgerlichen Nachwuchshelden zusammen. Dieser Aspekt ist nicht nur für die sozialwissenschaftlichen Hintergründe interessant, sondern führt auch dazu, dass die Charaktere in ihrer Ausgestaltung wesentlich unterschiedlich ausfallen. Die Entwickler haben jedem Charakter eine einzigartige Persönlichkeit gegeben. Während die Geschichte des Spiels nämlich wirklich sehr lange braucht, um sich überhaupt erst einmal zu entfalten, bis dahin eher im Hintergrund verbleibt und dort manchmal sogar fast schon in Vergessenheit gerät, sind die Persönlichkeiten der neun Kadetten der siebten Klasse jederzeit spürbar. In den zahlreichen Dialogen von Trails of Cold Steel merken wir richtig, wie unglaublich unterschiedlich sich die Charaktere verhalten und wie facettenreich sie sich benehmen können. Von schüchternen Mädchen, adligen Besserwissern und klugen wie ruhigen Köpfen ist alles dabei, was man sich von einem japanisches Rollenspiel nur wünschen kann. Klasse!

Zwischenmenschliche Beziehungen

The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel (4)Einen Großteil des Spiels erkunden wir das Schulgelände oder die Stadt und unterhalten uns dabei sowohl mit den Bewohnern, als auch mit unseren neuen Freunden. Ähnlich wie die Persona-Reihe folgt das Spiel dem Kalender. Jedes Mal, wenn wir an freien Tagen die Gegend erkunden, stehen uns eine gewisse Anzahl an Interaktionsmöglichkeiten mit unseren Freunden zur Verfügung. Helfen wir ihnen, verbessert sich die jeweilige zwischenmenschliche Beziehungen, die in den Kämpfen von besonderer Bedeutung ist. Außerdem erfahren wir so natürlich noch mehr Hintergründe über die anderen Helden, wie etwa die familiären Verhältnisse zuhause. Damit wir den Überblick nicht verlieren, werden auf der Karte die Positionen der Freunde jeweils angegeben. Dort erfahren wir auch, ob wir in Form von Aufgaben zum Fördern der zwischenmenschlichen Beziehung auch aktiv werden können. Da Trails of Cold Steel mit den Dialogen sehr viel Zeit einnimmt, können wir uns so sehr viel besser auf das Wesentliche konzentrieren, denn tagtäglich mit allen Personen auf dem Schulgelände zu sprechen, dürfte für den einen oder anderen Rollenspieler dann doch zur fast unmöglichen Mammutaufgabe verkommen. Wer es trotzdem wagen will, kommt schon früh im Spiel in den Genuss der Schnellreisefunktion, um zu bestimmten Punkten der Akademie springen zu können.

Taktische Kampftiefe

The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel (5)Wem der Schulalltag zu langweilig wird, kann zwischen den primären Aufgaben auch sekundären Aktivitäten nachgehen. Dazu zählt beispielsweise das Angeln an bestimmten Orten wie dem Fluss in Trista, das Kochen von leckeren Mahlzeiten oder Kartenspiele. Das lockert den Alltag wunderbar auf, auch wenn man sich bei diesen Minispielen etwas mehr Mühe hätte geben können. Geht es dann doch einmal auf das Schlachtfeld, werden wir dort natürlich auch mit Monstern konfrontiert, die ins virtuelle Nirwana geschickt werden wollen. Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab und weisen eine gewisse Ähnlichkeit zu Final Fantasy X auf, da die Kampfreihenfolge angeben wird und sich je nach getätigter Aktion verändert. Zaubersprüche verzögern sich gelegentlich, was dem Spiel genauso wie das Positionieren der Charaktere eine taktische Note verleiht. Viele Aktionen beziehen sich nämlich nicht nur auf ein Ziel, sondern können gleich mehrere Gegner treffen. Daher ist es wichtig, die Zugreihenfolge und ebenso die Position des Charakters zu studieren und die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Besonders hilfreich ist es in den Kämpfen, wenn wir uns mit unseren Gefährten hervorragend verstehen. Dann können wir oftmals noch einen weiteren Angriff ohne Zusatzkosten starten oder investieren unsere Spezialleiste mit einem Kollegen in eine besonders starke Attacke.

Lebenszeitfressendes Rollenspiel

The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel (6)Leider bemerken wir an vielen Stellen trotz hoher Auflösung die teils verwaschenen Texturen. Diese wirken stellenweise wie ein Relikt der PlayStation-2-Ära. Dafür bietet der Titel, zumindest auf der PlayStation 3, ein ruckelfreies und flüssiges Spielvergnügen. Die PlayStation-Vita-Fassung dürfte die technisch schwächere Version sein. Das Geschehen wird jedenfalls mit schönen Melodien unterlegt, denen wir während des Schulalltags gerne lauschen. In den Kämpfen summen wir hingegen die Kampfmusik mit, die uns dazu auch noch motiviert, möglichst gute Ergebnisse zu erzielen. Einzig die Soundeffekte erinnern dann doch etwas an betagte Zeiten. Entschädigen kann wiederum die sehr gute englische Synchronisation, welche den Charakteren reichlich Leben einhaucht. Allerdings ist diese nur in wichtigen Szenen zu hören; eine optionale japanische Tonfassung gibt es in der europäischen Fassung nicht. Außerdem müssen bei diesem Nischentitel die Erwartungen an eine deutsche Lokalisierung heruntergeschraubt werden. Das Spiel liegt komplett auf Englisch vor und da die Dialoge das essentielle Gameplay-Element sind, richtet sich der Titel somit vor allem an ältere Semester, die im besten Falle nicht nur sehr viel Lebenszeit mitbringen, sondern gleiche beide Spielversionen erwerben. Dank Cross-Save-Funktion kann man nämlich auch unterwegs weiterspielen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel verfügt zwar über ein sehr interessantes Universum, in dem hintergründig zwar eine tolle Geschichte erzählt wird, doch bekommt man diese im Verlauf des Abenteuers nur sehr selten mit. Bis diese vereinzelten Momente herausstechen, wissen die unterschiedlichen und facettenreichen Charaktere jedoch zu begeistern. Man muss sich jedoch auf sehr viele textlastige und ausschließlich englische Dialoge einlassen, wenn man Freude am wohl wichtigsten Gameplay-Element haben will. Wer sich jedoch darauf einlässt, bekommt eine Story zu Gesicht, die mit ernsten, witzigen und spannenden Momenten zu begeistern weiß. Nebenher lockern diverse Freizeitbeschäftigungen die Atmosphäre wieder auf, doch auch dies könnte zusammen mit den Dialogen für den einen oder anderen Spieler sehr ermüdend werden. Ein weiterer schöner Aspekt stellen die Kämpfe des Spiels dar. Beim Aufbau des Kampfsystems haben sich die Entwickler einige Ideen einfallen lassen, in denen taktische Überlegungen der Schlüssel zum Sieg sind. Hier hoffe ich sehr, dass die Entwickler bei künftigen Spielen an diese wunderbaren Aspekte anknüpfen! Trails of Cold Steel ist beileibe kein Spiel, das man einfach mal zwischendurch einlegen kann. Man muss sich auf eine lange Reise gefasst machen, bis man schließlich den Abspann zu Gesicht bekommt. Unterm Strich eignet sich der Titel in meinen Augen ausschließlich nur für Hardcore-Rollenspieler, die der englischen Sprache mächtig sind und sich gut und gerne auf dutzende Stunden Unterhaltung einlassen möchten.

Vielen Dank an NIS America für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel!

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