Review: Mirror’s Edge: Catalyst

Mirror's Edge - Catalyst (1)Im Jahr 2008 veröffentlichte Publisher Electronic Arts das Action-Adventure Mirror’s Edge von Entwickler Digital Illusions Creative Entertainment. Das Spiel bot zwar kein perfektes, doch dafür sehr wohl ein unverkennbares Gameplay. Dies ist auch beim Nachfolger der Fall.

Mirror's Edge - Catalyst (2)Mirror’s Edge orientierte sich 2008 an der so genannten und zu diesem Zeitpunkt immer beliebter werdenden Sportart Parkour. Bei dieser Sportart gilt es, nur durch den Einsatz der Fähigkeiten des eigenen Körpers von einem Punkt zum anderen zu gelangen. Eingebettet haben die Entwickler dieses System in eine eigentlich spannende Handlung, die jedoch schnell zur Hintergrundgeschichte verkam. Wer den ersten Teil damals nicht gespielt hat, muss jedoch nicht verzagen. Obwohl Electronic Arts den zweiten Ableger des Franchises bereits 2009 angekündigt hat, zeigte man ihn 2013 erstmals auf der Electronic Entertainment Expo und gab an, dass es sich dabei um ein Prequel handele. Als man dem Titel ein Jahr später den Untertitel Catalyst verpasste, fügte man jedoch hinzu, dass man das Spiel weder als Prequel, noch als Reboot bezeichnen dürfe. Der Begriff ist zwar nie seitens Electronic Arts verwendet worden, doch Reimagines scheinen nach der Trendwelle dutzender Neustarts beliebter Serien der nächste Marketing-Gag zu werden. Entsprechend benötigt man bei Mirror’s Edge keine Vorkenntnisse; die Geschichte beginnt von einem neuen Standpunkt und entwickelt sich im Verlauf der Story komplett anders. Möchte man wissen, warum Protagonisten Faith Connors zu Beginn des Spiels im Gefängnis sitzt, muss man zum Comic Mirror’s Edge: Exordium greifen.

Big Brother is watching you

Mirror's Edge - Catalyst (3)Die Handlung des Titels beginnt damit, dass Faith aus dem Gefängnis entlassen wird und sich in der dystopischen Nation Cascadia, genauer gesagt in der Stadt Glass, innerhalb von zwei Wochen einen neuen Job suchen muss. Andernfalls würde sie auch hier mit Konsequenzen rechnen müssen. Wirklich entlassen werden kann sie jedoch nicht, da ihr kurz vor der Freilassung bei der Flucht assistiert wird. An eine neue Arbeitsstelle ist nun nicht mehr zu denken. Stattdessen schlüpft Faith in ihre alte Rolle als Runner zurück. Als Runner ist es ihre Aufgabe, Botschaften und Kleinode vom Sender zum Empfänger zu übermitteln – per pedes wohlgemerkt, da digitale Übertragungen vom Konglomerat überwacht werden. Dieses entwickelt sich im Verlauf der Story zum übermächtigen Feind, der dem freien Willen der Menschen endgültig einen Riegel vorschieben will. Wie so oft in populärkulturellen Medien, wird auch Faith nur durch einen Zufall in die ganze Angelegenheit verwickelt. Als sie bei einem Einbruch in ein Gebäude von Kruger Security an geheime Dokumente gelangt, interessieren sich plötzlich mehrere Fraktionen für sie. Das klingt zwar alles recht spannend, doch dreht sich die Story ständig im Kreis und selbst der Plottwist in der Mitte des Spiels kann uns nicht überraschen. Es geht zwar stringent aufs Finale zu, doch nutzt der Titel sein Potenzial hier nicht aus.

Das Dach der Welt

Mirror's Edge - Catalyst (4)Das liegt jedoch auch an den Charakteren. Äußerlich unterscheiden sie sich zwar stark voneinander, doch innerlich sind sie Stereotypen, deren Aktionen und Reaktionen wir weit im Voraus kommen sehen. Immerhin setzen die Entwickler auf richtige Zwischensequenzen, wodurch das Gesamtbild stimmig wirkt. Ebenfalls neu im zweiten Serienteil ist die offene Oberwelt, in der wir an Wänden entlang laufen, über kleine Abgründe springen, uns an Häuserwänden hochziehen, über Zäune klettern und uns mit dem Sicherheitspersonal prügeln dürfen. Von Beginn an können wir quasi auf allen Dächern der Stadt unterwegs sein, solange der Weg aufgrund noch nicht erlernter Fähigkeiten für uns gesperrt ist. Beispielsweise erlernen wir relativ früh im Spiel den Umgang mit einem Enterhaken nicht unähnlichen Gerät, mit dem wir uns über Abgründe schwingen können. Ferner dürfen wir etwas später auch an Wänden im 180-Grad-Winkel abspringen, um zuvor unerreichbare Plattformen zu erklimmen. Die Moves sind diesmal selbst für Einsteiger wesentlich schneller zu erlernen, als noch im Erstlingswerk von 2008. Unfaire Stellen, bei denen ein Sprung millimetergenau sitzen muss, gibt es aber dennoch hin und wieder. Dank mittellanger Ladezeiten auf der PlayStation 4 stören unzählige Neustarts an vermeintlich simplen Stellen auch acht Jahre später noch. Ärgerlich!

Im Flow durch Glass

Mirror's Edge - Catalyst (5)Die offene Spielwelt ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite fühlen wir uns vor allem in den ersten Spielstunden, in denen wir noch nicht so viele Aktionsmöglichkeiten haben, genervt von immer gleichen Wegen durch den Großstadtdschungel. Auf der anderen Seite mögen wir es, entlegene Winkel aufzusuchen, um sammelbare Objekte einzusammeln, für die wir Erfahrungspunkte bekommen, die wir wiederum in neue Fähigkeiten investieren dürfen. Diese Fähigkeiten betreffen unsere Ausrüstung, unsere Runner-Fähigkeiten und unsere Kampfkünste. Während die Kämpfe in Mirror’s Edge damals nicht immer eine Bereicherung waren, sind sie es in Catalyst zwar immer noch nicht, doch wesentlich angenehmer ins Konzept integriert. Allerdings nur, wenn wir möglichst schnell unsere verdienten Fähigkeitspunkte auf die Kampfkünste verteilen. Irgendwie ist es schade, dass wir die Runner-Fähigkeiten erst sehr viel später im Spiel ausbauen, doch wer gegen die zwar wenig intelligenten, aber dennoch starken Gegner eine Chance haben will, sollte sich wappnen. Mit Tritten und Schlägen, die mit dem linken Analog-Stick sogar noch variiert werden dürfen, können wir ordentlich austeilen. Wir merken mit jeder Spielminute, wie das Gameplay uns ins Spiel hineinziehen will. Jede Aktion verbessert den Umgang mit dem Spiel, es entsteht ein regelrechter Flow.

Sterilisierter Look

Mirrors Edge Catalyst (6)Irgendwann möchte man den Controller gar nicht mehr aus den Händen legen, so viel Spaß macht der Titel trotz des immer gleichen und eingeschränkten Gameplays. Gerne hätten wir uns über weitere Ausrüstung gefreut, welche die Spielwelt ähnlich wie in Nintendos Metroid-Franchise stetig erweitert hätte. Trotzdem motiviert uns die ausgeklügelte Architektur der Stadt, den schnellsten Weg zum Ziel zu finden und die korrekten Moves im richtigen Augenblick einzusetzen. Zudem bekommen wir durch den stark sterilisierten Look, den wir so auch schon aus dem Vorgänger kennen, ständig etwas fürs Auge geboten. Dem menschlichen Architekturverständnis zum Trotze machen die meist rechtwinkligen Objekte an jeder Stelle Sinn und der Soundtrack unterlegt das Geschehen dazu passend mit ruhigen Klängen. Bei Verfolgungsjagden mit den Sicherheitskräften gibt es aber auch ein paar temporeiche Töne zu vernehmen. Wer sich nur auf die Haupthandlung konzentriert, wird in Catalyst nach zehn Stunden den Abspann über den Bildschirm laufen sehen. Möchte man aber jede Fähigkeit von Faith freischalten und die zugegebenermaßen langweiligen und oft zu schwierigen Nebenmissionen absolvieren, darf ruhig mit der doppelten Spielzeit rechnen. Wer dann immer noch nicht genug hat, erstellt eigene Parkour-Strecken oder absolviert jene von anderen Spielern.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Mirror’s Edge war Ende 2008 und Anfang 2009 mit Erscheinen der PC-Fassung ein sehr großes Thema im Internet. Angesteckt durch den Hype habe ich dem Titel natürlich eine Chance gegeben und wurde leider an vielen Stellen enttäuscht. Die Steuerung hat nicht immer mit den Situationen im Spiel harmoniert und es kam relativ oft vor, dass ich an einer scheinbar einfachen Stelle verzweifelt bin. Das ist in Mirror’s Edge: Catalyst nicht anders, aber bei Weitem nicht mehr so schlimm. Das Spiel macht einiges besser und bleibt dennoch seiner Linie treu. Die offene Spielwelt, welche die einzelnen Missionen miteinander verbindet, entwickelt sich mit der Zeit zu einer wahren Faszination. Nicht selten habe ich mich dabei ertappt, wie ich fernab der Wege nach sammelbaren Objekten Ausschau gehalten habe. Schade finde ich jedoch, dass das Gameplay immer noch so eingeschränkt ist. Der Enterhaken erweitert die Möglichkeiten zwar, doch kann man ihn auch nur ab festgelegten Stellen einsetzen. Hier wäre sicherlich mehr möglich gewesen, auch ohne den sonst nahezu beispiellosen Flow zu unterbrechen! Selbiges betrifft auch die Handlung. Das Mirror’s-Edge-Universum bietet so viel ungenutztes Potenzial, welches die Entwickler einfach nicht ausschöpfen wollen. Die Entscheidungen der Charaktere sind vorhersehbar, der Bösewicht bleibt im Schatten des Konglomerats und der für Faith sehr wichtige Plottwist in der Mitte des Spiels kommt wenig überraschend. Am Ende kann mich auch Catalyst, genau wie sein Vorgänger Jahre zuvor, nicht gänzlich zufriedenstellen. Wer den ersten Teil jedoch bereits liebte, darf bei Catalyst bedenkenlos zuschlagen. Alle anderen warten lieber, bis es den Titel aufgrund der kurzen Einmalspielzeit, zum Budget-Preis gibt. 

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mirror’s Edge: Catalyst!

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