Review: The Kingdom of Dreams and Madness

The Kingdom of Dreams and Madness (1)Als Miyazaki Hayao am 1. September 2013 bekanntgegeben hat, dass er in den Ruhestand gehen wird, brach für viele Studio-Ghibli-Fans eine Welt zusammen. Trotz seines hohen Alters war es Miyazaki immer noch möglich, fantastische und tiefsinnige Filme zu kreieren.

The Kingdom of Dreams and Madness (2)Obwohl Miyazaki betont, dass der Firmenname von Studio Ghibli tatsächlich nur ein Name sei und genau wie das Unternehmen eines Tages verschwinden wird, verbinden zahlreiche Anime-Fans auf der ganzen Welt besondere Erlebnisse und vor allem Erinnerungen mit den von Miyazaki und seinem Team geschaffenen Werken. Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland oder Die letzten Glühwürmchen sind nur drei dieser Filme aus einer ganzen Riege von unvergleichlichen Anime, die seit der Firmengründung 1985 veröffentlicht worden sind. Die Dokumentation mit dem hervorragend ausgewählten Titel The Kingdom of Dreams and Madness geht auf die Entwicklungsgeschichte solcher Anime anhand der Filme Wie der Wind sich hebt und Die Legende von Prinzessin Kaguya aus dem Jahr 2013 ein. Von Regisseurin Sunada Mami werden wir in den Jahren 2012 und 2013 zwar nicht durch den Entstehungsprozess der Filme, aber sehr wohl durch die Fertigstellung in Form von Pressekonferenzen, Synchronisationsarbeiten und Ideenfindung geleitet. Besonders letztere ist prägnant für den Titel der Dokumentation, denn während gezeigt wird, wie die Träume von Miyazaki und seinen Mitarbeitern in die Filme einfließen, wird auch schnell klar, dass die Produktion eines Anime dieser Größenkategorie Schwerstarbeit ist und gelegentlich etwas unorganisiert abläuft.

Kinderlieber Miyazaki Hayao

The Kingdom of Dreams and Madness (3)Vordergründig wird zwar die Arbeit des gesamten Teams von Studio Ghibli behandelt, doch Sunada kann nicht leugnen, dass ihr Hauptaugenmerk bei den bewusst amateurhaft und somit besonders natürlich gehaltenen Filmaufnahmen auf der Vorstellung von Miyazaki selbst lag. So erfahren wir einige Details über den Werdegang des Künstlers, der bei Tōei Animation angefangen und unter anderem an der Anime-Serie Heidi mitgearbeitet hat. Dabei lernte er auch Takahata Isao kennen, der ebenfalls an der Gründung von Studio Ghibli beteiligt war. In der Dokumentation wird Takahata zwar ständig erwähnt, tritt tatsächlich selbst aber nur ganz am Rande auf. Wie Sunada in der Dokumentation anmerkt, redet Miyazaki sehr gerne und viel. Ständig bemerken wir, wie er aus dem Nähkästchen plaudert und mit den Zuschauern in Erinnerungen schwelgen will. Wir erfahren höchst interessante Fakten über seinen Vater und seine Kindheit. Letztere scheint ihm besonders wichtig zu sein, da einer seiner vielen Zielgruppen in seinen Werken schließlich Kinder sind. So wird er in der Dokumentation glaubhaft und nachvollziehbar als kinderlieber Mensch dargestellt, welcher jüngeren Generation gerne Sachverhalte erklärt. Kinder würden beispielsweise immer sofort bemängeln, wenn seine Stoffziegen, die einer Heidi-Ausstellung entspringen, nicht am Fenster stehen würden.

Einblicke in den Produktionsalltag

The Kingdom of Dreams and Madness (4)Man hört Miyazaki gerne zu und ist wissbegierig, mehr über ihn zu erfahren und von seinen Weisheiten zu gesellschaftlichen und politischen Themen zu lernen. Neben Miyazaki und Takahata kommt Suzuki Toshio zu Wort, der damals noch als Produzent tätig war und nach Miyazakis Rücktritt Teile der Leitung des sich in der Umstrukturierung befindlichen Unternehmens übernommen hat. Wer nach der 118 Minuten langen Dokumentation weitere Informationen über Studio Ghibli sammeln möchte, wird im Bonusmaterial bei der Kurzdokumentation Ushiko erkundet fündig. Hier sollen wir Ushiko, der Hauskatze von Studio Ghibli, bei einem Tag im Studio aus ihrer Sicht folgen, doch viel mehr gibt uns die halbstündige Kurzdokumentation Einblicke ins (äußere) Studiogeschehen. Einzig und allein der im Bonusmaterial angepriesene Kurzfilm ist uninteressant, da er nur Szenen aus der Dokumentation zeigt und keinen Mehrwert bietet. Die Dokumentation und das Bonusmaterial liegen im 16:9-Format (1,85:1) in einer Auflösung von 1080p bei 24 Bildern pro Sekunden vor. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht, der Film hat nur eine japanische Tonspur im Format DTS-HD Master Audio 5.1 inklusiver (abschaltbarer) deutscher Untertitel. Uns gefällt diese Entscheidung, keinen deutschen Sprecher über die Tonspur zu legen, um Authentizität zu bewahren, sehr.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die Dokumentation The Kingdom of Dreams and Madness aus dem Jahr 2013 stellt wunderbar die letzten (richtigen) Arbeitstage von Miyazaki Hayao und den Produktionsalltag im Studio Ghibli vor. Beim Anschauen sind mir viele interessante Details im Gedächtnis geblieben, über die ich mich stundenlang mit Freunden unterhalten kann. Die Filmaufnahmen wirken durchgehend natürlich und geben somit einen sehr realistischen Einblick in den Alltag des Künstlers und seiner Mitarbeiter. Beim Ansehen habe ich mir vorgestellt, dass ich tatsächlich selbst vor Ort gewesen wäre, um den kreativen Köpfen über die Schulter zu schauen und neben Hauskatze Ushiko ein Mittagsschläfchen einzulegen. Schade nur, dass die 118 Minuten absolut nicht ausreichen, um einen ausreichenden Gesamtüberblick über Studio Ghibli zu liefern. Trotzdem sollte jeder Fan der Werke aus dem Hause Studio Ghibli der Dokumentation eine Chance geben, denn einen weiteren vergleichbaren Einblick, vor allem mit Miyazakis Mitarbeit, wird es in dieser Form bei der aktuellen Lage des Studios so schnell wohl nicht wieder geben.

Vielen Dank an Universum Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Kingdom of Dreams and Madness!

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