Review: Assassination Classroom (Vol. 1)

Assassination Classroom Vol. 1 (1)Mit Sicherheit hatte zur Schulzeit jeder einmal einen Lehrer, der so unausstehlich war, dass man ihm am liebsten alles Mögliche antun würde. In Assassination Classroom denken die Schüler an nichts anderes und füllen damit den Inhalt einer ganzen Anime-Serie.

Assassination Classroom Vol. 1 (2)Der Blick auf dieses doch sehr sensible Themengebiet ändert sich spätestens nach einer Folge, wenn klar wird, dass in der Klasse 9-E einer japanischen Eliteschule der absurde Humor über den tatsächlichen Mordgedanken steht. In der Welt von Schüler Nagisa bedroht ein außerirdisches Wesen, das eher an einen verstrahlten Oktopus erinnert, die gesamte Erde und will diese bis zum Ende des Jahres zerstören. Falls es der Menschheit gelingen sollte, ihn rechtzeitig zu Töten, wäre das Unglück zwar abgewandt, doch leider sehen gegen das extrem flinke und robuste Wesen militärische Kräfte sämtlicher Nationen kein Land. Bis zum Ablauf der Frist wird der gelbliche Geselle unter dem Namen Koro-sensei der ganz gewöhnlichen Tätigkeit als Lehrer nachgehen und gibt damit einer Schulklasse die Gelegenheit, sein Verhalten zu studieren und Mordpläne zu schmieden. Um die Absurdität dieses Anime-Settings abzurunden, erklärt sich Assassination Classroom natürlich kaum, allen voran die Motivation hinter dem Alien bleibt ein Geheimnis. Im Mittelpunkt steht gänzlich die Interaktion zwischen Koro-sensei und den Schülern. Als Lehrkraft hat er natürlich auch eine Schutzfunktion inne, sodass er den Kindern natürlich nichts antut, selbst wenn sie ihm gerade wieder mit Schuss- und Stichwaffen attackieren. Durch eine große Portion Humor wird die obszöne Thematik zwar kaschiert, gerät bei uns Zuschauern allerdings nie in Vergessenheit.

Lehrer sind zum Töten da

Assassination Classroom Vol. 1 (3)Die Fernsehserie basiert auf dem gleichnamigen Manga von Matsui Yūsei, der im Frühling 2016 mit 21 Bänden seinen Abschluss fand. Für die Umsetzung verantwortlich ist Studio Lerche, die man hierzulande durch ihre Arbeit an Werken wie der zweiten Staffel von Hamatora kennt. Ansehnliche Animationen wurden sparsam gesät – wenn es Koro-sensei dann allerdings an den Kragen geht, ist die entsprechende Action nett anzusehen und gut in Szenen gesetzt worden. Auch das Design des außerirdischen Lehrers stellt die der Schüler schnell in den Schatten. Das mäßig interessante Charakterdesign sowie die Charakterentwicklungen von Nagisa und Co sind in den ersten sechs Folgen im Vergleich zum Lehrer besonders unspektakulär. Bis jetzt wird die Serie von den episodischen Versuchen, den Lehrer um die Ecke zu bringen, getragen, was unterhaltsamer ausfällt, als wir gedacht hätten. Mit sechs Folgen auf einer Disc bekommen wir eine ordentliche Gesamtlaufzeit von ungefähr 150 Minuten geboten. Der gelbliche Lehrer mit seinem penetranten Dauergrinsen wurde im Deutschen perfekt von Sprecher Claus-Peter Damitz eingefangen, der Koro-sensei einen sofortigen Wiedererkennungswert verpasst. Der restliche Cast ist solide, kann allerdings nicht mit den originalen japanischen Stimmen mithalten. Selbstverständlich liegen auf der Disc die japanischen sowie die deutschen Tonspuren getrennt mit Untertiteln vor.

Krasse Kontraste

Assassination Classroom Vol. 1 (4)Als Bonusmaterial liegt neben der kategorischen Trailer-Werbung von anderen Peppermint-Titeln auch das Opening ohne Untertitel bei. Weitaus interessanter ist dahingegen ein physischer Bonus in Form eines Soundtracks. Mit 16 Tracks und insgesamt einer Laufzeit von über fünfzig Minuten bietet hier Assassination Classroom in Form eines Bonus schon mehr, als viele eigenständige originalen Soundtracks. Die meisten Titel sind Cover-Songs, die die Serie hervorgebracht hat, eingesungen von den japanischen Synchronsprechern. Die Tracks fallen alle sehr bunt und lebendig aus – wie aber bei fast allem aus Japan, wird auch hier nicht jedem jeder Track zusagen. Die Altersfreigabe ab 16 Jahren mag auf den ersten Blick verwundern, denn der niedrige visuelle Gewaltgrad wird hauptsächlich durch Slapstick und Situationskomik dargestellt. Prekärer ist da eher die durchaus kritische Grundprämisse. Waffengewalt an Schulen und Mordgedanken gegenüber Lehrkräften sind Themen, die auch unter der Fassade eines unterhaltsamen Animes bittere Untertöne besitzen. Auch wenn sich die Produzenten mit solchen Inhalten auf sehr dünnem Eis bewegen, wird das Gerüst trotzdem von dem absolut übertriebene Humor stabilisiert, der klar macht, dass in Assassination Classroom besser nichts ernst genommen werden sollte. Das ist schließlich die größte Stärke der Serie: Hemmungsloser Humor.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): In der Anime-Sparte können mich vor allem besonders überdrehte und absurde Geschichten unterhalten, weswegen Assassination Classroom bei mir irgendwo einen Nerv getroffen hat. Das Design von Koro-sensei ist so einzigartig, surreal und albern und trägt damit auch die eher mauen Zeichnungen und Charakterdesigns von Schule und Schülern. Obwohl die Erzählung natürlich einige Fragen bereithält – allen voran Koro-senseis Hintergründen – reichte es mir vollkommen, dem unnatürlichen Wechselspiel aus actiongeladenen Anschlägen und dem eingebundenen Schulunterricht zu folgen. Die Serie ist mit Sicherheit nicht für jedermann gleichermaßen unterhaltsam, wer sich aber drauf einlässt, bekommt eine bodenlose Unterhaltung spendiert.

Vielen Dank an Peppermint Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Assassination Classroom (Vol. 1)!

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