Review: Romance of the Three Kingdoms XIII

Romance of the three Kingdoms XIII (1)Manche Videospielserien kennt man hierzulande seit mehreren Jahrzehnten in- und auswendig. Andere wiederum bleiben europäischen Spielern entweder völlig verwehrt oder sie werden allerhöchstens nur alle paar Jahre auf eine sehr überschaubare Zielgruppe losgelassen.

Romance of the three Kingdoms XIII (2)Die Romance-of-the-Three-Kingdoms-Reihe ist leider solch ein Beispiel. In Europa feierte sie zwar mit dem achten Teil im Jahr 2004 für die PlayStation 2 ihr Debüt, doch im deutschsprachigen Raum war dies erst mit dem elften Serienteil im Jahr 2008 der Fall. Damit ist sie ähnlich unbekannt wie die Nobunaga’s-Ambition-Serie, die wohl am ehesten durch Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence von 2013 (in Deutschland erst 2015 erschienen) dem einen oder anderen unserer Leser etwas sagen wird. In Romance of the Three Kingdoms XIII verlassen wir jedoch Japan und schauen uns die politischen Verhältnisse Chinas im dritten Jahrhundert unseres Zeit an. Fast das gesamte Jahrhundert wird als die so genannte Zeit der Drei Reiche bezeichnet. Das hat einen ganz einfachen und plausiblen Hintergrund. Nach vierhundert Jahren zerfiel das Kaiserreich China nach seiner Gründung in die drei Königreiche Wèi, Dōng Wú und Shǔ Hàn. Keines dieser Königreiche hatte jedoch so viel Macht, um seine eigenen Interessen durchzusetzen. Tatsächlich waren sie teilweise innenpolitisch stark geschwächt. Der historische Hintergrund wird sowohl mit dem Werk Sānguó Zhì, den offiziellen Chroniken der Drei Reiche, als auch mit dem Roman Sānguó Yǎnyì, also Die Geschichte der Drei Reiche, ergänzt. Auch der dreizehnte Serienteil möchte so Drama und Geschichte verbinden.

Klassischer Roman in Videospielform

Romance of the three Kingdoms XIII (3)Zu Beginn des Spiels haben wir die Auswahl zwischen dem Heldenmodus und dem Hauptspiel. Während der Heldenmodus die Kampagne des Spiels darstellt, die in mehrere Szenarien unterteilt ist, dürfen wir im Hauptspiel weitgehend unabhängig agieren. Uns wird allerdings eindringlich geraten, zunächst den Heldenmodus zu spielen. Mit dieser Vorwarnung hat der Titel nicht unrecht, denn schon nach wenigen Minuten zeigt sich, dass wir aufgrund der komplexen Menüstrukturen im Hauptspiel schnell verloren wären. Also schlüpfen wir zunächst in die Rollen von mehreren historischen Persönlichkeiten, um die Grundlagen des Spiels in den Szenarien zu erlernen, auszuführen und zu verfeinern. Zum Beispiel dürfen wir im Auftakt des Spiels Liú Bèi, dem Gründer des Königreichs Shǔ Hàn verkörpern. Ebenfalls spielen lässt sich einer der wichtigsten politischen und militärischen Funktionäre. Die Rede ist von Cáo Cāo, der sich unter anderem mit Yuán Shào gegen Dǒng Zhuō verschworen hat. Tatsächlich ist es direkt im zweiten Szenario der Kampagne unsere Aufgabe, genau diese Allianz zu bilden. Wer sich mit chinesischer Geschichte oder gar der grundlegenden Erzählung, die gar zu den vier klassischen Romanen gezählt wird, auskennt, wird sich schnell heimisch fühlen. Alle anderen werden in die Geschehnisse über wenig ausschweifende Dialoge schnell eingeführt.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Romance of the three Kingdoms XIII (4)Direkt im ersten Szenario erfahren wir eine der wichtigsten Grundlagen des Spielsystems, das sich vor allem auf eines stützt: Politik. Jedweder politischer Einfluss beginnt mit Freundschaften und wie jeder weiß, wollen Freundschaften gehegt und gepflegt werden. So können wir in den zahlreichen Städten des Landes Menschen kennenlernen und uns mit ihnen unterhalten. Manchmal möchten sie auch gerne einen Gefallen von uns erwidert haben, sodass wir ihnen Geschenke unterbreiten müssen. All das vertieft die zwischenmenschlichen Beziehungen, worüber wir wiederum neue Persönlichkeiten kennenlernen können, die dann vielleicht wiederum Kontakt in die höchsten Verwaltungsebenen haben und uns die Tür zu neuen Möglichkeiten öffnen. Das System ist schnell erlernt, artet aber durch die komplexen Menüstrukturen teilweise in Fummelei aus. Besonders wenn wir einen Charakter von einer Stadt in die andere bewegen müssen, ist es vor allem in der Konsolenfassung mehr als nervig, die Figur einzeln auszuwählen, den Ort zu suchen und dort hinzuschicken. Endlich am Zielort angekommen, beginnt die eigentliche Arbeit allerdings erst. Oft müssen wir mehrere Monate ausharren, um das Vertrauen unseres Gegenübers zu gewinnen. Gerne wird von uns auch erwartet, dass wir dessen Militär mit Gold aus unserer Schatzkammer unterstützen. Ganz schön anstrengend!

Kein Blatt vor den Mund nehmen

Romance of the three Kingdoms XIII (5)Damit unsere Überzeugungskraft wirkt, ist es oftmals auch notwendig, den Stab des Stadtverwalters zu überzeugen. Das funktioniert in der Regel über hitzige Debatten. Wie in einem Beat ’em up stehen sich beide Politiker dann gegenüber, doch anstatt die Fäuste zu erheben, schmeißen sie sich gegenseitig Argumente an den Kopf. Wie gut das funktioniert, hängt oftmals vom Intelligenzwert ab. Je besser dieser ist, desto eher können wir unseren Gegner mit Worten einschüchtern. Taktik ist dabei dennoch gefragt, denn die Debatte dauert maximal nur fünf Runden. Eine Eingabehilfe an der rechten Bildschirmecke hilft, die richtige Entscheidung zu treffen beziehungsweise ein wenig vorauszuplanen. Wenn man, besonders bei seinen Gegnern, mit Worten nichts erreichen kann, dann ist der Griff zur Waffe die letzte Option. Umso wichtiger erscheint es uns, möglichst schnell Bündnisse mit anderen Anführern zu schließen und die militärischen Kräfte zu bündeln. Mit der Zeit erlernen die Charaktere neue Fähigkeiten, mit denen wir die feindlichen Armeen schwächen oder unsere Streitkräfte stärken dürfen. Die Kämpfe laufen jedoch weitgehend unspektakulär ab. Auf dem großen Bildschirm erkennen wir ein paar kleine Truppen, die sich mit Lanzen oder Bögen bekriegen. Hieran merkt wohl jeder deutlich, dass das Militär eine meist unterpräsente und eher endgültige Rolle spielt.

Minimalistische Politik

Romance of the three Kingdoms XIII (6)Während die Städte nett modelliert sind und auch Innenbereiche entweder schön gezeichnet oder gestaltet sind, kann die Landkarte diese Faszination nicht einfangen. Die Oberweltkarte ist nämlich weitgehend minimalistisch gestaltet. Steppen existieren soweit das Auge reicht; hin und wieder überqueren wir einen Fluss, stoßen an Berge oder gelangen ans Meer – das war es aber auch schon. Nur ein paar alternierende Texturen, vor allem beim Wechsel der vier Jahreszeiten, sorgen hier für Abwechslung. Trotzdem ist diese Entscheidung nachvollziehbar, da sie so mehr einer politischen Karte ähnelt und die Übersicht deutlich besser gewahrt bleibt, da es sehr viele Städte gibt, zu denen wir reisen können. Musikalisch ist der Titel dafür umso anspruchsvoller, da die Musik und sogar die Soundeffekte stets zum Geschehen passen und teilweise sogar zum Mitsummen einladen – da macht Politik gleich doppelt so viel Spaß. Wer Wert auf Authentizität legt, kann von der japanischen Synchronisation auch zur chinesischen Ausgabe wechseln. Die Bildschirmtexte bleiben dabei jedoch stets Englisch. Schade, denn so minimiert der Titel seine kleine Zielgruppe um ein Vielfaches. Besonders Einsteiger werden sich an Fachbegriffen die Zähne ausbeißen. Wer sich nicht entmutigen lässt und einen PC sein Eigen nennt, sollte definitiv zu dieser weitaus angenehmer zu bedienenden Version greifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Nachdem ich letztes Jahr Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence kennengelernt habe, habe ich zugleich auch ein Interesse an der Romance-of-the-Three-Kingdoms-Reihe entwickelt. Beide Serien machen mir, auch hier wieder nach einer überdurchschnittlichen Einarbeitungszeit, sehr viel Spaß. Interessant ist der Aspekt, dass Romance of the Three Kingdoms XIII sich mehr auf Politik, Dialoge und Debatten konzentriert, als auf den historisch ebenfalls wichtigen Krieg. Durch die schöne Soundkulisse mit beruhigenden Klängen macht das aber nur wenig, denn es ist auch mal ganz interessant und angenehm, abends einmal abzuschalten und die politischen Probleme mit Worten anstatt mit den Waffen zu lösen. Schade finde ich jedoch, dass die Entwickler es nicht schaffen, im nunmehr dreizehnten Serienteil eine vernünftige Menüstruktur zu entwerfen, die auf den ersten und nicht erst auf den verflixten dreizehnten Blick verständlich ist. Auch nach mehreren Stunden muss ich immer noch nach verschiedenen Punkten suchen – und das liegt nicht daran, dass der Titel nur mit englischen Bildschirmtexten ausgestattet ist. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es sich wohl kaum lohnen wird, solch ein textlastiges Spiel zu übersetzen. Auf der anderen Seite vergrault der Publisher so interessierte Kunden. Das ist genauso unschön wie das schmerzliche Fehlen eines Mehrspielermodus, denn egal ob lokal oder online – besonders in Strategie-Spielen möchte man seine Freunde herausfordern. Wer das verschmerzen kann und sich für die chinesische Geschichte oder auch nur ansatzweise für die Zeit der drei Reiche interessiert, wird nach einer mittellangen Einarbeitungszeit dennoch sehr viel Spaß mit dem Titel haben. Hoffen wir schlussendlich nur, dass die nächsten Ableger des Franchises für jeden Hobby-Historiker wieder ihren Weg nach Europa finden werden.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Romance of the Three Kingdoms XIII!

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