Review: Far Cry: Primal

Far Cry Primal (1)Selten werfen uns Spiele so weit in die Vergangenheit zurück, wie es Far Cry: Primal macht. Zeitlich spielt die Geschichte im Holozän, einem Zeitabschnitt der Erdgeschichte, der vor 11.700 Jahren mit der Erwärmung der Erde und dem Schmelzen der kontinentalen Eisschilde begann und bis heute anhält.

Far Cry Primal (2)Far Cry: Primal setzt, wie der Name schon erahnen lässt, auf ein Steinzeit-Setting und weicht somit von dem üblichen bekannten Ego-Shooter-Stil ab. Eine florierende Spielwelt mit einem einfachen Crafting-System, urzeitlich eingerichteten Außenposten sowie altertümliche Waffen sollen uns in ein Leben von vor zehntausend Jahren hineinversetzen, denn genau hier spielt der neue Serienableger und behandelt das Überleben gegen die Megafauna sowie einen Streit zwischen zwei Urzeitclans. In der großen, offenen Spielwelt ist das Überleben von elementarer Bedeutung und somit gehen wir dem typischen Jagen-und-Sammeln-Prinzip nach. Ziel ist es, verschiedene Blumen zu sammeln, um Medizin herzustellen, Steine sowie Gräser zum Waffenbau einzusetzen und Tierfell zum Upgraden aller möglichen Ausrüstungsgegenstände zu verwenden. Neben dem Überlebensaspekt haben wir uns jedoch auch um ein eigenes Dorf zu kümmern, welches im Spielverlauf stetig wächst und sich auf eine Auseinandersetzung mit dem gegnerischen Clan vorbereitet. Eine liebevoll gestaltete Spielwelt, interessante Tiere aus der Megafauna sowie willkürlich umherstreifende Urzeitmenschen schaffen eine unglaubliche Atmosphäre, auch wenn es den ein oder anderen Kritikpunkt bezüglich des Erhalten von Tieren und Menschen gibt, sowie nicht ganz getreue Umweltbedingungen, welche Quartärforschern die Haare ausfallen lässt.

Vom Jagdunfall zum Urzeitsoldaten

Far Cry Primal (3)Das Spiel beginnt mit einer Jagd auf einem zu dieser Zeit häufig auftretenden Mammuts, welches unsere Gruppe zu erlegen versucht. Während dieser Jagd wird unsere Gruppe jedoch gespalten, da ein Säbelzahntiger sich in die Jagd einmischt und dafür sorgt, dass unser Protagonist, genannt Hakkar, letzten Endes komplett seine Orientierung verliert und somit auch seine Gruppe. Auf uns alleine gestellt lernen wir im Verlauf des Spiels neue Charaktere kennen und fangen an, unsere eigene Siedlung zu errichten. Während des Baus unserer Siedlung treffen wir auch auf eine andere primitive Lebensform, welche sich an den Neandertaler anzulehnen scheint und uns feindlich gesinnt ist – hier beginnt der erste Kampf der Kulturen und somit ein Aufrüsten der Siedlung gegen feindliche Angreifer. Wie für Far Cry üblich absolvieren wir jede Menge Quests, um neue Personen für unsere Sache zu gewinnen und sammeln Rohstoffe, wo auch immer wir welche finden, denn diese helfen uns beim Ausbau der Siedlung und der Herstellung neuer Waffen. Ein weiteres interessantes Feature ist, dass unser Protagonist in der Lage ist, Tiere zu zähmen und mithilfe dieser zu kämpfen. Im Verlauf des Spieles bekommen wir immer mächtigere Tiere wie Säbelzahntiger, Panther, Eulen und viele mehr zur Verfügung gestellt. Diese Tiere haben alle unterschiedliche Fähigkeiten und können uns im Kampf, aber auch bei der Jagd, unterstützen.

Tierisch gut drauf

Far Cry Primal (4)Jede Kreatur bietet eigene Vorteile im Kampf und somit können wir zum Beispiel mithilfe der Eule durch die Lüfte fliegen, um Gegner zu markieren und einen Todesstoß zu versetzen, welcher sich danach aber eine gewisse Zeit wieder aufladen muss. Natürlich sind wir in diesem Zeitraum selbst angreifbar, weswegen wir uns auch in Acht nehmen müssen und nicht wahllos auf ein offenes Feld stellen, auf dem wir selbst eine leichte Beute abgeben können. Andere Tiere wie Bären, dienen im Kampf als eine Art Tank und sorgen dafür, dass unsere Feinde primär das Tier angreifen, während kleine und schnellere Tiere wie Dachse eher zum Jagen benutzt werden, da diese flink sind und kleinen Tieren schnell hinterher sprinten können. Jedoch sollten wir stets auf unsere Tiere achtgeben, denn diese können im Kampf auch sterben und müssen mit viel Fleisch wiederbelebt werden. Mit Ausnahme einiger Tiere wie den Mammuts ist es möglich, fast alle Tiere zu domestizieren und für sich zu verwenden. Aber neben den Tieren sind wir ebenfalls eine gefährliche Waffe und verfügen über ein großes Waffenarsenal von Speeren über Bögen bis hin zu Steinkeulen und Schleudern. Jedoch nutzen sich auch unsere Waffen ab und müssen mithilfe unterschiedlichster Rohstoffe auch neu hergestellt oder repariert werden. Schlüsselfiguren im Spiel ermöglichen uns auch neue Waffen zu bekommen, bis wir schließlich Bienenhandgranaten bauen können, um unsere Feinde zu vertreiben – klingt komisch, ist auch so.

Trostloses Schweigen

Far Cry Primal (5)Die extrem wunderbar gestaltete offene Spielwelt bringt jedoch auch einige Schwächen mit sich. Somit wirken die Charaktere teilweise sehr leblos und die Konversationen sind zu einfach gehalten. Extra für das Spiel wurde eine Proto-Indogermanische Sprache entwickelt, welche sehr glaubhaft wirkt, jedoch zu wenig zum Einsatz kommt. Die Dialoge halten sich oft sehr kurz und sind auf rudimentäre Sätze beschränkt. Ebenso wird der Clankrieg viel zu grob behandelt und kaum vertieft, so dass wir stets das Gefühl hatten, dass es sich nur um ein Ausrotten einer anderen Spezies ohne großen Grund handelt – mit Ausnahme des eigenen Überlebens. Dabei würde die Spielwelt so viel mehr hergeben und auch mit diversen anderen Gründen auftischen können, wie etwa das Aussterben der Megafauna und dem damit verbundenen Nahrungsmangel oder eben die sich verändernden klimatischen Bedingungen zu jener Zeit. Auch die Tiere offenbaren teilweise starke Schwächen und haben katastrophale Aussetzer, die dem Spielgeschehen schaden. Während das Jagen der verschiedenen Tiere jedoch viel Spaß macht, verfällt die Story zunehmest in ein tiefes Loch und gerade die üppigen Dialoge sorgen dafür, dass wir immer mehr das Interesse an der Handlung verlieren und uns eher wichtig wird, große Tiere zu zähmen und unser Dorf wachsen zu sehen. Seltsamerweise ist im Dorfleben dann der abendliche Aufenthalt sehr unterhaltsam, wenn wir sehen können, wie sich die Urzeitmenschen paaren, singend um Feuer tanzen und allerlei unterhaltsame Faxen machen.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der Xbox-One-Fassung): Far Cry: Primal schafft es die Spielerseele zu spalten: Auf der einen Seite ist die Steinzeit ein unglaublich faszinierendes Setting und kann mit einer wunderbaren Umgebung in der Megafauna brillieren, Menschen darstellen wie man sie außerhalb der Wissenschaft kaum zu kennen vermag und verdeutlichen, wie schwer ein Leben zu jener Zeit gewesen sein mag und welchen Gefahren man in der Natur ausgesetzt war – geschweige wie der Naturraum damals überhaupt aussah im Vergleich zu unserem heutigen Kulturraum. Auf der anderen Seite hat Far Cry: Primal einen ersten und guten Schritt in die Richtung gemacht, jedoch viel zu wenig präsentiert und das in einer zu flachen Art. Es wurde somit viel Potenzial verschenkt, welches unmittelbar vor den Augen der Spieler liegt. Gerade in puncto Story wird einfach zu wenig geliefert und die ganze Geschichte zu trivial gehalten. Positiv ergänzend muss aber gesagt werden, dass sich das Waffenhandling stets gut angefühlt hat, obwohl ich anfangs voreingenommen war mit Keulen aus der First-Person-Perspektive zu spielen. Das Spiel hat mir somit viele spaßige Spielstunden beschert, jedoch nie aufgrund der Story, sondern mehr der Welt wegen und dank der Erkundungsmöglichkeiten – und genau das ist auch der Grund, warum Far Cry Primal spielen sollte.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Far Cry: Primal!

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