Special: Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System

nintendo-classic-mini-nintendo-entertainment-system-1Bereits weit im Vorfeld war das Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System bei so gut wie allen Online-Verkaufsplattformen bereits vergriffen. Wir fühlen dem Phänomen auf den Zahn und stellen euch die Mini-Konsole aus dem Hause Nintendo genauer vor.

nintendo-classic-mini-nintendo-entertainment-system-2Am 14. Juli 2016 überraschte Nintendo wenige Wochen nach der Electronic Entertainment Expo mit einer weiteren Ankündigung. Dreißig Jahre nachdem das Nintendo Entertainment System, kurz NES, in Europa erschienen ist, stellte man eine schicke Retro-Konsole im Mini-Format vor, die am 10. November 2016 schließlich ihren Weg in die Händlerregale gefunden hat. Während das Gerät zu dieser Zeit bei den großen Versandhäusern ausverkauft und es im Einzelhandel ein reines Glücksspiel war, noch eine der begehrten Konsolen zu ergattern, stieg der Preis für das Nintendo Classic Mini auf Auktionsplattformen ins Doppelte bis Dreifache. Da muss man sich tatsächlich fragen, warum die Miniaturkonsole plötzlich beliebter als die technisch weitüberlegene Wii U mit ihrer sehr wohl bequemen eShop-Anbindung ist. Ein Grund dafür dürfte wohl das Videospielangebot auf der Wii U sein. Seit Jahren fristet die Konsole ein Nischendasein in den Wohnzimmern und Nintendo selbst kümmert sich mittlerweile stiefmütterlich um die eigene Konsole. Hinzukommt, dass mit der Switch bereits die nächste Heimkonsole des japanischen Konzerns in den Startlöchern steht. Weiterhin darf nicht unerwähnt bleiben, dass zahlreiche Independent-Spiele seit den späten 2000er Jahren mit ihrem verwendeten Pixel-Look den Bedarf an nostalgischen Gefühlen in die Höhe treiben.

Dezente Unterschiede

nintendo-classic-mini-nintendo-entertainment-system-3Es ist daher auch kein Wunder, dass Fernsehserien wie Stranger Things auf der Trendwelle mitreiten wollen. Die Rückbesinnung an vergangene Tage ist intermedial in unserer Populärkultur vertreten und das hat jetzt auch Nintendo erkannt. Besonders Sammler, die seit Jahrzehnten Videospiele und Hardware aus dem Hause Nintendo säuberlich sortiert in ihrem Spielzimmer aufbewahren, freuen sich über das Nintendo Classic Mini: NES und die dreißig vorinstallierten Spiele auf dem Speicher der Konsole. Darunter befinden sich neben bahnbrechenden Klassikern wie Super Mario Bros. 3, Kirby’s Adventure, The Legend of Zelda, Dr. Mario, Metroid, Pac-Man, Mega Man II, Final Fantasy oder Castlevania auch weniger bekannte Spiele wie StarTropics, Kid Icarus, Excitebike, Ninja Gaiden oder Double Dragon II: The Revenge. Die Auswahl der enthaltenen Titel ist durchweg gelungen und man muss als Europäer wirklich nicht neidisch auf die Japaner sein, die sich über eine geringfügig abweichende Sammlung an Klassikern freuen dürfen. Während man in Fernost in Tsuppari Ōzumō dem Sumō frönt, dürfen wir uns beispielsweise im Spiel Tecmo Bowl dem in Deutschland nur wenig prominenteren American Football hingeben. Ulkigerweise fehlt Nintendo World Cup und somit ein populäres Fußballspiel im Umfang der vorinstallierten Spiele auf der Konsole.

Fernsehbräune

nintendo-classic-mini-nintendo-entertainment-system-4Weniger nostalgisch verläuft die Installation des NES im Miniaturformat. Über ein HDMI-Kabel wird das Bild ans HD-Fernsehgerät übertragen und mit einem Micro-USB-Kabel mit Strom versorgt. Besitzer eines alten Röhrenfernsehers schauen sprichwörtlich in die Röhre und wer keinen USB-Anschluss an seinem Fernseher findet, muss zusätzlich einen AC-Adapter erwerben. Hier macht es sich Nintendo ähnlich bequem wie bei der Veröffentlichung von New 3DS und New 3DS XL, zumal das Gerät im deutschsprachigen Raum wieder ein wenig mehr kostet als im Ausland. Im Lieferumfang enthalten ist natürlich auch ein NES-Controller, dessen Kabellänge aber äußerst kurz ist. Wer nicht einen halben Meter vor einer ungefähr doppelt so großen Bildschirmdiagonale sitzen möchte, kommt um den Erwerb von Verlängerungskabeln für den HDMI- und USB-Betrieb nicht herum. Was sich Nintendo bei dieser Entscheidung gedacht hat, wissen wir nicht. Auf den Nostalgiefaktor kann man es in diesem Falle aber nicht schieben: Die originalen NES-Controller hatten längere Kabel. Ist die Konsole jedoch erst einmal im Betrieb, landen wir nach der Wahl einer von mehreren (europäischen) Sprachen im Menü und haben dort direkt Zugriff auf die dreißig Spiele, die der Reihe nach mit europäischem beziehungsweise nordamerikanischem Cover aufgelistet sind.

Großartige Emulation

nintendo-classic-mini-nintendo-entertainment-system-5Die Spiele aus den 1980er beziehungsweise 1990er Jahren sehen auf HD-Fernsehern dank der Emulation wesentlich besser aus, als bei ihrer Erstveröffentlichung. Selbst die Virtual-Console-Fassungen für Wii, Wii U und 3DS können nicht mit der Emulation des Nintendo Classic Mini: NES mithalten. Wer es nostalgisch mag, kann die Spiele auch in ihrer quadratischen Originalauflösung spielen oder einen speziellen Filter aktivieren, damit die Titel so wirken, als würden wir sie gerade auf einem Röhrenfernseher spielen. Hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet, sodass jeder die Spiele so genießen kann, wie er es möchte. Einzig und allein, dass auch Framerate-Einbrüche und teils fragmentierte Bildschirmränder immer noch nicht der Vergangenheit angehören, dürfte Fans von Restaurationen teils stören. Trotzdem haben die Köpfe hinter dem Projekt sich eine nette Idee einfallen lassen. Inspiriert von der Speicherfunktion von Virtual-Console-Spielen, gibt es solche eine Option auch beim Miniatur-NES. Betätigen wir den Reset-Knopf der Konsole, landen wir wieder im Systemmenü. Dort haben wir dann die Möglichkeit, das aktuelle Geschehen des jeweiligen Spiels abzuspeichern. Für jedes Spiel stehen uns vier Spielstände zur Verfügung. So können wir auch Spiele unterbrechen, die im Original über gar keine Speicherfunktion verfügten. Klasse!

Anleitung zur Anleitung

nintendo-classic-mini-nintendo-entertainment-system-6Ähnlich ärgerlich dürfte der Verzicht auf Bedienungsanleitungen sein. Zwar gibt es im Menü einen einzulesenden QR-Code beziehungsweise Link zu den elektronischen Anleitungen und sogar zu den (leider nur englischsprachigen) Originalanleitungen im PDF-Format, doch wieso Nintendo diese Dateien nicht mit auf dem Speicher der Konsole, die nicht einmal über eine Online-Anbindung verfügt, untergebracht hat, ist uns schleierhaft. Um mehr zu einem Spiel zu erfahren, haben Smartphone-Nutzer zwar leichtes Spiel, doch PC-Besitzer müssen für eine Datei umständlich ihren Computer einschalten und notfalls die gewünschte Anleitung sogar ausdrucken. Eine beiliegende Übersicht zu den wichtigsten Befehlen und Informationen zu den enthaltenen Titeln wäre also ebenfalls eine Alternative und kein Papiermüll gewesen, wie es mit den ständigen Sicherheitshinweisen bei fast jedem Nintendo-Produkt wäre. Ebenfalls störend dürfte die Hardware-Architektur des Geräts für den einen oder anderen Nintendo-Fan sein. Durch das kompakte Design war es von Vornherein klar, dass die Mini-Konsole keine originalen NES-Module schluckt. Wäre Nintendo diesen Schritt gegangen und hätte das Nintendo Classic Mini: NES mit einem Modulschacht ausgerüstet, hätte man alle Fans der ersten Stunde an Bord geholt, die auf einen großen Fundus an älteren Spielen zurückgreifen können.

Nintendo-Kulturgut

nintendo-classic-mini-nintendo-entertainment-system-7Wer noch originale NES-Controller besitzt, hat das Nachsehen. Die Miniaturkonsole lässt sich nur mit dem Controller-Anschluss-Standard verwenden, der seit Nunchuck und Classic Controller für die Wii von Nintendo bei Controllern zum Einsatz kommt. Das finden wir im Übrigen nicht schlimm, da wir den beiliegenden NES-Controller somit auch für NES-Spiele auf Wii und Wii U verwenden können. Auch eine Anbindung zu einem NES-Bereich im eShop wäre nett gewesen, um die Videospielsammlung auch digital erweitern zu können. All dies hat Nintendo nicht genutzt und die Retro-Erfahrung aufs Nötigste reduziert. Grundsätzlich muss man sagen, dass Nintendo mit der leicht zu Konsole eine kleine, aber feine Alternative zum Erwerb der originalen Module oder dem digitalen Einkauf im eShop ein kleines Kunststück geglückt ist. Trotz der fantastischen Momente, die uns die Konsole jedes Mal im Betrieb beschert und stets Hoffnung auf eine Miniaturfassung von Super Nintendo und Nintendo 64 macht, gehen wir davon aus, dass die Konsole nur von den wenigsten Fans über einen längeren Zeitraum tatsächlich genutzt und eher in die Vitrine als Sammlerstück gestellt wird. Wer aber genau dann hin und wieder mal eine Zeitreise in die 1980er Jahre unternehmen will, wird mit dem Nintendo Classic Mini die wohl praktischste kleinste Konsole der Welt haben.

Geschrieben von Eric Ebelt

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