Review: Mighty No. 9

Mighty No. 9 (1)Im Rahmen der Gamescom 2015 konnten wir erstmals Hand anlegen an Mighty No. 9. Die Entwicklung des Spiels schien gut zu verlaufen, doch dann wurde das Spiel mehrere Male verschoben. Schlussendlich merkt man das auch an der Qualität des fertigen Produkts.

Mighty No. 9 (2)Mit einer Kickstarter-Kampagne wurde das Spiel von Entwicklerlegende Inafune Keiji in nur wenigen Wochen im Jahr 2013 finanziert, sodass auch eine Wii-U-Version von Anfang im Gespräch war. Uns hat diese Entwicklung gefallen, da Nintendos Heimkonsole von viel zu wenigen Drittherstellern noch unterstützt wird. Die Vorfreude war entsprechend groß, da Inafunes ehemaliger Arbeitgeber Capcom kein Interesse daran hat, die Mega-Man-Reihe fortzusetzen. Stattdessen speist Capcom die Fans des Androiden mit Virtual-Console-Fassungen ab. Wer damals Spaß mit der Mega-Man-Reihe hatte, wird ihn auch mit Mighty No. 9 haben – und wer einen hohen Schwierigkeitsgrad mit einigen unfairen Stellen scheucht, möge gar nicht erst weiterlesen und das Weite suchen, denn diese Spieler werden mit Mighty No. 9 aufgrund einiger Design-Entscheidungen wohl nichts anfangen können. Die Parallelen zum Mega-Man-Franchise sind spürbar; sogar bei der Story bedient man sich frech am Original. Im Jahr 20XX ist die Arbeit weitgehend mechanisiert und die neosozialistische Regierung sorgt dafür, dass es den Menschen an nichts mangelt. Um sie bei Laune zu halten, wird eine Arena für Schaukämpfe mit Robotern errichtet. Durch das staatlich organisierte Glücksspiel sollen die leeren Haushaltskassen gefüllt werden, doch dann wird der Ausnahmezustand verhängt.

Bekannte Gameplay-Mechaniken

Mighty No. 9 (3)Alle Roboter werden plötzlich von einer mysteriösen Krankheit befallen! Sogar die ersten acht Roboter vom brillanten Dr. White drehen durch. Seine neunte Schöpfung, der Roboter Beck, der zugleich und wenig überraschend die titelgebende Mighty No. 9 ist, soll es wieder richten. Mit Beck erkunden wir ein Dutzend Levels, die abwechslungsreich gestaltet sind. So sehen wir uns in einer Fabrik um und müssen aufpassen, dass die im Hintergrund einstürzenden Schornsteine nicht auf unserem Kopf landen. Außerdem klettern wir einen Sendeturm hinauf und nutzen aufkommende Stürme, um von einer Plattform zur nächsten zu gelangen. In einer Mine müssen wir uns hingegen mit riesigen Bohrern auseinandersetzen und im Wasserwerk dürfen wir uns über dreckiges Abwasser ärgern. Eine gut gesicherte Militärbasis mit omnipräsenten Wachen ist ebenfalls dabei. Während jedem Level-Ausflug markieren wir Gegner und erledigen sie mit unserem Spezialangriff. Das funktioniert und ist den Entwicklern genauso gut gelungen, wie die am Ende eines jeden Levels auf uns wartenden Bossgegner, die unser ganzes Können abverlangen. Selbst an dieser Stelle merken wir Mighty No. 9 sein geistiges Vorbild an. Jeder besiegte Bossgegner hinterlässt eine Waffe, die wiederum effektiv gegen einen anderen Bösewicht ist. So kann man sich sein Leben leicht machen!

Harte Schale, weicher Kern

MIghty No. 9 (4)Haben wir einen Widersacher nach mehrmaligen Anläufen und unzähligen Bildschirmtoden erst einmal besiegt, freuen wir uns über die neue Waffe und entwickeln eine eigene Route durchs Spiel, da wir frei wählen dürfen, welche Stage wir als nächstes angehen wollen. Trotzdem müssen wir durchweg frustresistent sein, da das Spiel äußerlich zwar wie ein halbwegs aktueller Titel wirkt, doch im Kern die Tugenden der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre aufgreift. Das heißt, dass wir einige Spielstellen und vor allem die Bossgegnertaktiken mehrmals probieren und tatsächlich auswendig lernen müssen. Nostalgikern wird das Spiel gerade deshalb gefallen, doch der Versuch, das Gameplay in ein modernes Gewand zu packen, ist gescheitert. Die Story ist belanglos, das Design der Levels oft uninteressant und der Soundtrack ermüdet, anstatt uns zu motivieren. Die Wii-U-Hardware dürfte mit dem Titel im Übrigen nicht überfordert sein. Trotzdem fallen mittellange Ladezeiten und nervige Framerate-Einbrüche stets negativ auf. Wer sich auch davon nicht den Spaß nehmen lässt, ein Faible für Speedruns hat und daher gerne durch Levels saust und sich auch an Challenges versuchen möchte, wird mit Mighty No. 9 immer noch einige Stunden lang ganz passabel, aber eben nicht sehr gut, unterhalten werden. Von Inafune Keiji hätten wir mehr erwartet!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Wii-U-Fassung): Seit der persönlichen Ankündigung des Spiels im Jahr 2013 von Inafune Keiji habe ich mich sehr auf das Spiel gefreut. Da Capcom keinerlei Interesse mehr daran zeigt, die Mega-Man-Reihe fortzusetzen, habe ich im Vornherein erwartet, dass mit Mighty No. 9 ein äquivalenter Ersatz auf mich zukommt – zumal mit Inafune einer der Mega-Man-Entwickler am Werk war, der die Serie maßgeblich geprägt hat. Das Gameplay orientiert sich auch gnadenlos an seinem geistigen Vorbild und funktioniert durchgehend sehr gut, doch leider sind es Äußerlichkeiten, die stark am Gesamtbild kratzen. Man wollte das klassische Gameplay in ein modernes Gewand zwängen und ist damit gehörig gescheitert. Die Story ist für ein Spiel der frühen Neunziger Jahre vielleicht noch in Ordnung, doch im Jahr 2016 hätten wir hier mehr erwartet, denn die Handlung wirkt durchweg sehr lahm. Dazu kommt die maue Optik und der ermüdende Soundtrack. Ganz schlimm ist jedoch die technische Umsetzung. Auf der Wii U stören mich stets nervige Framerate-Einbrüche und sogar die Ladezeiten hätten bei einer besseren Anpassung gänzlich entfallen können. Ich verstehe nicht, wie oft man ein Spiel verschieben kann und es dann dennoch mit solchen Makeln ausliefert. Wer die Defizite völlig ausblenden kann, wird aber trotzdem Spaß mit den wenigen guten Ideen des Spiels haben, denn die inneren Werte zählen ja immer noch am meisten. Wem das nicht möglich ist, der sollte dann lieber wieder die Klassiker spielen, denn Alternativen wird es abseits von Mighty No. 9 in absehbarer Zeit so schnell wohl nicht geben.

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