Review: Shadow Tactics: Blades of the Shōgun

shadow-tactics-blades-of-the-shogun-1Im Jahr 1998 hat das PC-Spiel Commandos: Im Auftrag der Ehre das Echtzeit-Strategiespiel-Genre revolutioniert, indem die kontrollierbaren Spielfiguren auf wenige Charaktere reduziert wurden. Shadow Tactics: Blades of the Shōgun von 2015 knüpft an diesem Spielprinzip an.

shadow-tactics-blades-of-the-shogun-2Angesiedelt ist das Spiel in der frühen Edo-Zeit. Das heißt, dass wir die Handlung von Shadow Tactics zu Beginn des 17. Jahrhunderts erleben. Nach zahlreichen Schlachten, welche die Sengoku-Zeit prägten, ist Japan endlich geeint. Zum Auftakt erobern wir für unseren Shōgun, sprich dem Anführer des Militärs, das Schloss Ōsaka. Ob es sich hierbei um Tokugawa Ieyasu und den Angriff auf die Burg im Jahr 1615 handelt, verrät das Spiel nicht. Hier lässt es sich entgegen des Trends bei anderen Spielen viele historische Freiheiten. Historische Tatsachen und Figuren werden also im besten Falle angedeutet. Das ändert aber nichts daran, dass wir uns dennoch gut ins feudale Japan zurückversetzt fühlen. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht verschiedener Charaktere, die im Verlauf der insgesamt dreizehn Missionen zueinander finden und unterschiedlicher nicht sein könnten. Wir starten unseren ersten Auftrag mit dem Shinobi Hayato. Unsere Aufgabe ist es, das Schloss während des Ansturms der Truppen unseres Shōguns unbemerkt zu infiltrieren und aus dem Inneren heraus das Tor für diese zu öffnen. Unterwegs stoßen wir auf den Samurai Mugen, dessen Kameraden kurz vor dem Zusammentreffen vom Gegner getötet worden sind. Damit die Mission gelingen kann, müssen wir hinter den Schlossmauern zusammenarbeiten und die Eigenschaften beider Charaktere kombinieren.

Fünf Freunde

shadow-tactics-blades-of-the-shogun-3So kann Hayato mit einem Shuriken, also einem Wurfstern, Gegner aus der Ferne ausschalten und Mugen mit einem Rundumschlag mehrere Gegner gleichzeitig verwunden. Ebenso kann er ein Fläschchen Sake auf den Boden werfen, um durstige Wachen abzulenken. Hierbei sollte aber beachtet werden, dass nur einfache Fußsoldaten auf diesen Trick hereinfallen und gestandene Samurai das Gebräu mit bloßem Auge als billigen Fusel identifizieren. Neben Hayato und Mugen warten allerdings noch drei weitere Helden auf uns, die sich uns anschließen wollen. Der etwas ältere Schütze Takuma kann beispielsweise von Häuserdächern seine Feinde aus der Ferne ausschalten. Allerdings steht ihm pro Mission nur begrenzte Munition zur Verfügung, sodass wir die Kugeln nicht für Situationen verschwenden sollten, die wir auch ohne seine Hilfe sehr einfach lösen könnten. Mit Yuki können wir Fallen auf dem Boden verteilen und Gegner mit einem Pfiff anlocken. Aiko kann sich hingegen verkleiden, um Feinde von ihren Begleitern im Hintergrund abzulenken. Wir merken durchgehend und mehr als nur deutlich, dass die Charaktere abwechslungsreich gestaltet sind und jede Mission so zu einem wahren Vergnügen wird. Wir werden wirklich in jeder Minute gefordert, da alle Fähigkeiten geschickt miteinander kombiniert werden wollen, um Missionen erfolgreich abzuschließen.

Alle Wege führen nach Rom

shadow-tactics-blades-of-the-shogun-4Dennoch gibt es in Shadow Tactics trotz des nötigen Kombinierens der Fähigkeiten reichlich Spielraum, viele der Aufgaben auf unterschiedliche Art und Weise zu absolvieren. So müssen wir in der dritten Mission im verschneiten Imai mit Mugen und Yuki wertvolle Dokumente stehlen. Da diese gut bewacht werden, haben wir mit Yuki alleine keine Chance, die Papiere in die Hände zu bekommen. Also schleichen wir mit Yuki über die Häuserdächer, um hinter verschlossenen Toren einen Schlüssel zu stehlen, der wiederum dazu benötigt wird, um Mugen eines oder mehrere der Tore zu öffnen. Durch welches Tor wir gehen möchten, bleibt uns überlassen. Allerdings wird jedes Tor unterschiedlich stark bewacht und je nachdem welchen Weg wir vorher schon eingeschlagen haben, muss auch hier Vorarbeit geleistet werden. Wir können auch mit einem Pferdewagen Teile der Strecke überwinden, ohne einen Gegner dabei ausschalten zu müssen. Shadow Tactics bietet wirklich zahlreiche Aktionsmöglichkeiten, wie wir vorgehen möchten. Trotzdem sei an dieser Stelle gesagt, dass der Titel selbst im mittleren von drei Schwierigkeitsgraden knüppelschwer ist. Wenn wir in den Wachsamkeitsradius von Wachen, Samurai und Co gelangen, haben wir nur zwei bis maximal drei Sekunden Zeit, aus dem Radius zu verschwinden. Ansonsten werden wir aufgespürt und meistens auch erledigt.

Spiel der alten Schule

shadow-tactics-blades-of-the-shogun-5Es heißt also fleißig experimentieren und weise mit Maus und Tastatur umzugehen. Damit in brenzligen Situationen das Spektakel nicht in heilloses Herumgeklicke ausartet, dürfen wir im so genannten Schattenmodus auch Aktionen vorprogrammieren, die dann gleichzeitig von den Charakteren ausgeführt werden. Nicht nur deshalb gehört Shadow Tactics wahrhaftig zu den Spielen der alten Schule, wie wir sie schon lange nicht mehr erlebt haben. Seit Jahren haben wir Funktionen wie Schnellspeichern und Schnellladen in einem PC-Spiel nicht mehr wirklich genutzt. Der Titel macht auch keinen Hehl daraus, denn wenn wir schon eine Minute nicht mehr zwischengespeichert haben, wird das am oberen Bildschirmrand angemerkt. Weitgehend will oder kann Shadow Tactics aufgrund Komplexität, Spieltiefe und nicht zuletzt Schwierigkeitsgrad auch nur so funktionieren. Wer also eine Mission in ein paar Minuten durchspielen will, wird mit dem Spiel sicherlich keine Freude haben. Möchte man aber die bestmögliche Route durch eine Mission finden und sich dabei dank der hübschen Levels in Comic-Grafik und dem schönen Soundtrack mehrere Stunden im Tüfteln verlieren, kann Shadow Tactics sehr viele Stunden unterhalten. Am Ende finden wir es jedoch reichlich schade, dass die Entwickler nicht in einen Mehrspielermodus investiert haben. Zusammen mit einem anderen Mitspieler würden die Missionen sicher noch einmal sehr viel mehr Spaß machen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Obwohl ich mehr ein Fan von rundenbasierten Strategie-Spielen bin, konnte mich auch Shadow Tactics: Blades of the Shōgun ansprechen. Das liegt nicht unbedingt nur am japanischen Setting, sondern auch am komplexen Stil. Ich muss bedacht vorgehen, um unentdeckt zu bleiben und keinen Alarm auszulösen. Durch die vielseitigen Charaktere fallen die einzelnen Missionen mit unterschiedlichen Wegen zum Ziel sehr abwechslungsreich aus. Dabei kann ich mich an der hübschen Comic-Grafik und dem passenden Soundtrack nicht satt sehen beziehungsweise hören. Zudem untermalen die sehr guten japanischen Synchronsprecher das Setting hervorragend (die englischen Sprecher wirken auf mich aufgrund gelegentlicher falscher Aussprachen bei japanischen Begriffen und Namen eher deplatziert). Ich fühle mich trotz der historischen Freiheiten, die sich Shadow Tactics nimmt, ins Japan des 17. Jahrhunderts versetzt. Schade finde ich dabei jedoch, dass ich den Titel nur alleine spielen kann. Gerne hätte ich mich auch mit einem Freund an die Missionen gesetzt und mich beim gemeinsamen Vorgehen beraten. Trotzdem kann Shadow Tactics auch alleine dutzende Stunden lang unterhalten. Strategie-Spieler, die kein Problem damit haben, sich jeden Schritt zwei- oder dreimal zu überlegen und zudem auch ein Faible für das wundervoll inszenierte japanische Setting haben, werden den Titel wirklich lieben!

Vielen Dank an Daedalic Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shadow Tactics: Blades of the Shōgun!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s