Review: Maria the Virgin Witch (Vol. 1)

Der Hundertjährige Krieg wird nicht oft von Medien aller Art als Kulisse genutzt, um eine Handlung zu erzählen. Während im Videospielbereich gut und gerne Bladestorm: Nightmare zitiert wird, möchte diese freie Lücke Maria the Virgin Witch im Anime-Sektor füllen.

In Maria the Virgin Witch geht es jedoch nicht in erster Linie um den Hundertjährigen Krieg, sondern viel mehr um die titelgebende jungfräuliche Hexe. Diese lebt zusammen mit ihrem Sukkubus Artemis zurückgezogen im Wald in der Nähe eines kleinen Dorfes. Nur selten verirrt sich einer der Dorfbewohner zu ihr, um sie um Medizin oder einen Gefallen zu bitten. So auch die kleine Anne, die mit ihrer Mutter zu Beginn der Serienhandlung Maria besucht, um Heilmittel für ihre erkrankte Großmutter abzuholen und darum zu bitten, dass Maria ihren Vater beschützt. Dieser muss am nächsten Tag nämlich in den Krieg zwischen England und Frankreich ziehen, der auch vor den Bauern keinen Halt nimmt. Genau diese Schlacht nutzt die Anime-Serie als Aufhänger und bringt die Geschehnisse ins Rollen. Maria beschwört einen feuerspeienden Drachen, der den Kampf unterbricht und dafür sorgt, dass beide Kriegsparteien heimwärts ziehen. Als daraufhin Söldner, die für ihren Einsatz nicht entlohnt werden können, das Dorf in Marias Heimat überfallen, schreitet sie abermals ein und wird daraufhin von Erzengel Michael angegriffen. Von der Himmlischen Kirche soll sie für ihr Einmischen in das irdische Schicksal zwar bestraft werden, doch als ihr Freund Joseph im Unwissen einen Pfeil auf Michael schießt, wird Maria am Leben gelassen und vor eine Entscheidung gestellt.

Kunterbunte Wohngemeinschaft

Genaue jene Wahl ist Dreh- und Angelpunkt von Maria the Virgin Witch. Ihr werden nämlich nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Hexenkräfte gelassen. Allerdings darf sie diese nicht mehr vor den Augen der Menschen betreiben – andernfalls würde sie den Zorn des Himmels zu spüren bekommen. Außerdem wird ihr von Michael auferlegt, dass sie ihre Jungfräulichkeit behalten muss. Sollte sie den Versuchungen nicht widerstehen können, so würde sie ihre Hexenkräfte verlieren und müsse fortan als Mensch auf der Erde leben. Das ist insbesondere deshalb sehr ärgerlich, da sich Joseph in Maria längst verliebt hat und sie von allen Seiten hört, wie toll es doch sei, mit einem Mann zusammen zu liegen. Da Michael natürlich rund um die Uhr auf der ganzen Welt beschäftigt ist, stellt er Maria Ezekiel zur Seite, die sie überwachen soll. Während Maria die Hexerei vor Ezekiel noch halbwegs verheimlichen kann, fällt es ihr sichtlich schwer, ihren Gefühlen für Joseph freien Lauf zu lassen. So ist es nicht überraschend, dass das Thema Sexualität in jeder der ersten vier Episoden ein wiederkehrendes Motiv ist. Das liegt nicht nur an der handlungsbedingten Jungfräulichkeit der Protagonisten, sondern auch an ihrem Sukkubus und ihrem Inkubus, die beide mit Maria unter einem Dach leben und dafür sorgen, dass jeden Tag über Geschlechtsverkehr, Entjungferung und Co geplaudert wird.

Satire und Kritik

Entsprechend sorgt dieses Thema für den Humor in der Anime-Serie, die im düsteren Mittelalter eigentlich kaum Platz für Witze lassen dürfte. Wir begrüßen die Einbindung, da es die Geschichte wunderbar auflockert. Weitere Themen wie der Glauben innerhalb der Katholischen Kirche oder die gesellschaftlichen Auswirkungen des Krieges werden ebenfalls in Maria the Virgin Witch behandelt. Die Absurdität von Hexenverbrennungen oder Hinrichtungen, die von Funktionären innerhalb der Kirche angeordnet werden, wird beispielsweise in der Exekution eines Wildschweins durch den Strang dargestellt. Selbst Homosexualität zwischen zwei Priestern ist eines der kritisierenden Themen, da gleichgeschlechtliche Liebe von der Katholischen Kirche selbst heute weitgehend nicht akzeptiert wird und diese Liebesbeziehungen für Priester allgemein verbietet. Die Inhalte von Maria the Virgin Witch werden nicht nur erwachsen erzählt, sondern sind zu alledem auch mutig inszeniert. Weitere Informationen zum Anime verspricht das 48-seitige Booklet, das uns für unser Review leider nicht vorlag. Wir gehen jedoch von einer ähnlich guten Qualität aus, die bei anderen Kazé-Anime-Titeln vorherrscht. Wer die limitierte Erstauflage der ersten Volume erwirbt, erhält neben der Blu-ray Disc auch noch die erste Manga-Ausgabe obendrauf. Ein wirklich toller Bonus!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Anfangs habe ich von Maria the Virgin Witch ein Historiendrama erwacht, dass das Wirken von Jeanne d’Arc auf die titelgebende jungfräuliche Hexe überträgt – weit gefehlt! Weitestgehend steht tatsächlich Sexualität im Rampenlicht, die in der Anime-Serie vor dem Hintergrund des Hundertjährigen Krieges erzählt wird. Das macht aber nichts, da genau dieses Thema für die nötige Portion Humor sorgt, um die Handlung aufzulockern. Diese ist über das Thema Sexualität auch mit reichlich Satire und Kritik übersäht, sodass vor allem das erwachsene Publikum seinen Spaß mit Maria the Virgin Witch haben wird. Mir haben die ersten vier Episoden wirklich sehr gut gefallen und ich bin gespannt, wie oft Maria ihren Versuchungen in den künftigen Folgen nicht nachgeben wird, um ihre Hexenkräfte zu behalten und für welche Probleme ihr Zwist mit der Katholischen Kirche noch sorgen wird. Wer Anime in einem historischen Setting mag, sich sowohl gerne mit Satire und Kritik, als auch mit dem Thema Sexualität auseinandersetzt, wird mit der ersten Volume von Maria the Virgin Witch wirklich sehr viel Freude haben!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Maria the Virgin Witch (Vol. 1)!

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