Review: Yakuza Zero

Als Fan der Yakuza-Reihe im Westen hatte man es eine lange Zeit sehr schwer. Inzwischen zeigt Entwickler Sega allerdings wieder ein gewisses Interesse daran, die durchaus speziellen Titel außerhalb Japans zu lokalisieren.

Passend bevor im Sommer 2017 das Remake des ersten Yakuza-Teils bei uns erscheinen wird, können Nichtkenner sich rechtzeitig mit Yakuza Zero an die abgedrehte Videospielreihe heranwagen. Der Name ist Programm, also Prequel zu den restlichen Hauptteilen, welches in den 1980er Jahren Japans angesiedelt ist. Für die Reihe bekannt, hält als Schauplatz der Geschehnisse das fiktive Tōkyōer Stadtviertel Kamurocho her, in dem die Yakuza ihr Unwesen treibt und das wir nach bekannter Open-World-Manier frei erkunden dürfen. Daneben können wir später auch ein Gebiet in Ōsaka besuchen, denn in Yakuza Zero übernehmen wir die Kontrolle von zwei Spielfiguren:  Kiryū Kazuma und Majima Gorō. Beide stehen auf unterschiedliche Weisen mit dem japanischen Untergrund in Verbindung und besitzen ihre eigene Geschichte, die wir Kapitel für Kapitel freilegen. Das umfangreiche Spiel baut Stück für Stück eine Handlung voller Verrat, Intrigen und komplizierten Irrungen und Wirrungen auf und wird damit seinem Namen mehr als gerecht. Kamurocho ist ein hartes Pflaster auf dem die gesamte Bandbreite an Emotionen bei den Spielfiguren wie dem Spieler angesprochen wird.

Japan – ein Land voller Kontraste

Die Spielwelt kann zwar durchaus als Open World bezeichnet werden, hat aber nicht den Anspruch ebenso große Stadtregionen zu besitzen, wie beispielsweise Grand Theft Auto IV oder Sleeping Dogs. Yakuza setzte seit jeher seinen Fokus auf ein vertrautes Viertel, das durch einen hohen Detailgrad und Unmengen an Nebenbeschäftigungen zu begeistern wusste. Nicht anders ist es in Yakuza Zero: Die Straßenzüge sprühen regelrecht vor Leben und an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Sei es ein ominöser Verkaufsautomat, der für Geld angeblich jeden Wunsch erfüllen kann, irgendwelche Draufgänger, die eine Abreibung einfordern oder echte Nebenmissionen, in denen die Vielschichtigkeit Japans meist überspitzt und humorvoll präsentiert wird. Das Highlight der Erzählung findet nämlich nicht nur in den Hauptmissionen statt. Damals brandheiße Themen wie ein frisch erschienenes NES-Spiel oder das erste mobile Rucksack-Telefon werden ebenfalls angesprochen und ziehen uns regelrecht in die Spielwelt von damals hinein. Der Kompromiss ist allerdings, dass der Spieler sich auch die Zeit für die teils sehr langen Textpassagen nimmt, die mit den Quests einhergehen. Yakuza Zero besitzt zwar einen sehr großen Anteil an auf Englisch vertonten Spielpassagen, doch sollten sich Spieler trotzdem auf minutenlange Leseeinlagen gefasst machen.

Plakative Prügelei

Das Gameplay des Spiels besitzt dabei zwei Grundpfeiler: Reden und Prügeln – meistens auch in dieser Reihenfolge angewandt. Das reicht aber vollkommen, denn beide Elemente besitzen genug Tiefgang und wurden sehr unterhaltsam umgesetzt. Die Dialoge punkten mit viel Humor und kreativem Inhalt und halten nicht selten mehrere Antwortmöglichkeiten für Kiryū und Majima bereit, bei denen überprüft wird, ob wir auch schön aufgepasst haben. Als Yakuza lassen sie aber nicht selten die Fäuste sprechen und nehmen es mit ganzen Banden von Gegnern auf. Jede Figur besitzt dabei spezielle Kampftechniken, die sich völlig unterschiedlich spielen. Kiryū kann entweder schnell und flink eine Menge Hiebe austeilen oder im Brawler-Modus besonders brachiale Angriffe entfesseln. Majima dagegen nutzt die neumodischen Breakdance-Bewegungen dazu, um Gegnern besonders stilvoll das Fressbrett zu polieren. Herumstehende Gegenstände wie einen Prügel oder auch mal ein Motorrad binden beide gerne in Kämpfe ein. Was durch seine comichaften Elemente lustig anmuten mag, wurde trotzdem sehr brutal in Szene gesetzt. Ein richtig gutes Treffer-Feedback verpasst den Schlägen noch mehr Härte. Finishing Moves werden mit besonderen Kameraperspektiven eingefangen, die durch ihre effektive Wuchtigkeit die Freigabe ab 18 Jahren auf jeden Fall rechtfertigen.

Bis die Knochen knacken

Belohnt werden die Yakuza natürlich mit Barem, das den Gegnern bei Prügeleien wortwörtlich aus den Taschen geschlagen wird. Mit Yen können wir in Kamurocho so einiges anstellen. Entweder investieren wir es in uns selbst und schalten neue Fähigkeiten frei, die unsere Kombinationsangriffe verfeinern, oder wir besuchen einen der unzähligen Läden und Establishments. Daneben gibt es zahlreiche Freizeitaktivitäten vom klassischen Baseball- und Automaten-Minispiel bis zur Karaoke-Bar – all das lässt die Spielwelt mehr als nur sehr lebendig wirken. Brüche in der Immersion verursachen allerdings ab und an die Technik und Steuerung. Die Kontrolle über Charakter und Kamera fällt recht ungelenk aus, besonders in den verwinkelten Gassen Japans kann das zu Koordinationsschwierigkeiten führen. In Kämpfen hatten wir mit der Steuerung zum Glück nur selten Probleme und nach einer Gewöhnungsphase haben wir uns auch nicht mehr so schwergetan. Trotzdem sieht das Spiel an einigen Ecken noch älter aus, als es eigentlich schon ist. Immerhin erschien es schon 2015 in Japan sowohl für die PlayStation 3, als auch für die PlayStation 4. Dennoch bietet Yakuza Zero auch heute noch den genauso umfangreichen wie gnadenlos durchgedrehten Gangster-Epos, den sich jeder einmal zu Gemüte führen sollte.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Für mich stellt Yakuza Zero den Einstieg in diese verrückte Videospielreihe dar. Zuvor habe ich von Yakuza immer nur am Rande mitbekommen und hauptsächlich hat mich die Geschichte gereizt. Dahingehend wurde ich nicht enttäuscht: Die charaktergetriebene Story rund um Majima Gorō und vielen anderen Figuren wird unglaublich spannend und hautnah erzählt – dafür muss man als Spieler allerdings einiges an Zeit mitbringen. Auch von der japanischen Verdrehtheit im generellen sollte man keine Abneigung haben – immerhin gehen rührende Momenten mit Slapstick-Humor Hand in Hand. Das gesamte Spiel punktet eben durch seine Kontraste. Auch mit dem Kampfsystem hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten, doch nach ein paar Prügeleinen haben die Combos aber gesessen. Wer mal etwas anderes während der ewigen Flut an Open-World-Spielen erleben will, wird bei Yakuza Zero bestens bedient!

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Yakuza Zero!

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