Review: Tōkiden 2

Vor einigen Jahren versuchte Publisher Koei Tecmo mit Tōkiden: The Age of Demons und Tōkiden Kiwami an den Erfolg von Capcoms Monster-Hunter-Reihe anzuknüpfen. Im Test beeindruckte uns der erste Teil mit seinem Gameplay und Tōkiden 2 macht es sogar besser.

Genauso wie im ersten Serienteil beginnt Tōkiden 2 mit der Erstellung unseres Helden. Hier können wir neben Geschlecht, Größe oder Dicke auch die Haar- und Augenfarbe bestimmen. Zwar ähneln sich viele Frisuren und Augenformen, doch sorgen die vielen Auswahlmöglichkeiten dafür, dass kein Held dem anderen gleicht. Haben wir unseren Recken erstellt, können wir auch schon die Handlung des Spiels eintauchen. Die Geschichte von Tōkiden 2 ist zeitlich in der frühen Meiji-Zeit angesiedelt und beginnt mit dem Erwachen der Oni im Hafen von Yokohama. Ein Prequel zum Erstlingswerk dürfen wir hier aber nicht erwarten, denn obwohl wir an dieser Schlacht beteiligt sind, spielt die eigentliche Story zehn Jahre in der Zukunft, in die wir durch die angreifenden Oni katapultiert werden. Kaum haben wir die Zeitreise wohl oder übel überstanden, wachen wir im westjapanischen Dorf Mahoroba auf. Die Wortherkunft des Ortes geht vermutlich auf die Konzeption eines japanischen Mythos zurück und beschreibt ein entferntes Land (ähnlich dem europäischen Arkadien), in dem Frieden herrscht. Frieden herrscht im Mahoroba in Tōkiden 2 jedoch bei Weitem nicht. Die Oni machen Wälder, Täler, Höhlen und Ruinen unsicher, sodass wir mit den Dorfbewohnern in die Schlacht ziehen, um die (bösen) Wesen der japanischen Mythologie der Reihe nach auszuradieren.

Funktionen eines Dorfes

Als Ausgangspunkt jedweder Mission dient das Dorf Mahoroba, welches sehr viel weitläufiger, größer und belebter ausfällt, als noch Utakata im ersten Serienteil. Hier leben auch die meisten Charaktere, die wir im Verlauf der Handlung kennenlernen. Das gute daran ist, dass die Charaktere wesentlich abwechslungsreicher ausfallen. Da gibt es den übervorsichtigen Tokitsugu, den (neu)gierigen Homura oder die edle Kaguya, die stets alles über die Außenwelt erfahren möchte. Durch die facettenreichen Persönlichkeiten kann sich die Geschichte im zweiten Serienteil wesentlich besser entfalten und dadurch, dass uns in den Dialogen auch verschiedene Antwortmöglichkeiten zur Verfügung stehen, können wir auch selbst entscheiden, mit welchen Figuren wir uns in Tōkiden 2 anfreunden wollen. Ansonsten bleiben die Funktionen des Dorfes gleich. Wir können uns bei einem heißen Bad entspannen, an der Feuerstelle in unserem Haus die Zeit verstreichen lassen, Nahrung zu uns nehmen, im Laden einkaufen oder unsere Ausrüstung beim Schmied aufwerten lassen. Letzteres funktioniert über das Sammeln von Materialien von abgeschlachteten Oni außerhalb des Dorfes. Ihr habt richtig gelesen: Haben wir früher noch über den Auftragsschalter teils sehr stark abgegrenzte Bereiche in der Außenwelt besucht, ist die Welt von Tōkiden 2 im Verhältnis sehr viel offener.

Offene Spielwelt

Das heißt aber noch lange nicht, dass wir von Beginn an überall hingehen dürfen. Mit dem Voranschreiten der Haupthandlung öffnet sich die Welt jedoch zunehmend und auch neue Charaktere aus anderen Zeitepochen werden eingeführt. Trotzdem gibt es die bekannten Aufträge immer noch und sind deshalb sehr nützlich, wenn wir nicht stundenlang in der Wildnis nach einem Oni suchen möchten, dem wir Bein oder Arm abschlagen müssen, um beim Schmied neue Schwerter, Dolche, Gewehre und Co anfertigen zu lassen. Damit wir auch in der offenen Spielwelt die Augen offenhalten, sammeln wir für die Dorfbewohner verschiedene Pflanzen oder bekämpfen bestimmte Oni, die für sie persönlich eine Bedrohung darstellen. Das ist zwar nicht sonderlich abwechslungsreich, gibt uns aber in jeder Minute etwas zu tun. Es sei jedoch gesagt, dass wir uns nicht ewig in der Welt außerhalb des Dorfes bewegen können. Giftiges Miasma sorgt dafür, dass wir nur zu einem bestimmten Zeitpunkt schnell halbwegs sichere Orte finden müssen, an denen wir frische Luft tanken dürfen. Oft kommen wir im Verlauf der Hauptmission an derlei Orten vorbei, doch auch auf der Suche nach Kleinoden oder Überlieferungstafeln stoßen wir auf sie. Damit wir uns später nicht gehetzt durch das Miasma bewegen müssen, aktivieren wir Teleportsteine, um Wege abkürzen zu können. Toll!

Dämonische Hände

Im Kern wird das Gameplay der Reihe jedoch nicht gestört. Nach wie vor kämpfen wir in Tōkiden 2 gegen zahlreiche Oni, diesmal sogar in drei verschiedenen Größenkategorien. Wir achten auf ihren Kampfstil, weichen den Angriffen geschickt aus und erkennen mit dem Auge der Wahrheit die Körperstellen, die wir abtrennen können. Neu im Repertoire ist die Dämonenhand. Hierbei handelt es sich um eine Fähigkeit, mit der wir Abgründe überwinden oder die Oni aufs Korn nehmen können, um ihnen beispielsweise Extreme abzureißen. Obwohl das Feature im ersten Moment gut klingt und das Gameplay durchaus bereichert, fühlt sich die Bedienung der Dämonenhand auch nach mehreren Spielstunden zu ungelenk an. Während das System auf der PlayStation Vita über den Touchscreen sicherlich etwas besser als auf der PlayStation 3 oder PlayStation 4 fungiert, muss hier ärgerlicherweise mit dem Analog-Stick justiert werden und das kostet oftmals wertvolle Zeit. Hinzu kommt, dass die PlayStation-4-Fassung auf veraltete Technik setzt. Zwar ist die Grafik alles andere als unansehnlich und die Bildwiederholungsrate stets stabil, doch wäre auf dem aktuellen Sony-Flagschiff mehr drin gewesen. Wer Tōkiden Kiwami bereits mochte oder abseits vom Monster-Hunter-Franchise nach neuer Action sucht, wird mit Tōkiden 2 durchaus dutzende Stunden seinen Spaß haben.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Als ich 2015 zum ersten Mal mit der Reihe, die 2013 ihren Anfang in Japan nahm, konfrontiert wurde, hatte ich gleich sehr viel Spaß. Das hat sich auch bei Tōkiden 2 nicht geändert, denn das Gameplay funktioniert in meinen Augen wesentlich einsteigerfreundlicher als bei Capcoms Monster-Hunter-Reihe und kann mich gleich von Anfang an in den Bann ziehen, ohne dass ich erst fünfzig Stunden an einem Punkt, an dem Spiel anfängt Spaß zu machen, angelangt bin. Im zweiten Teil hat man – natürlich passend zum Trend in vielen Videospielen – auf eine offene Spielwelt gesetzt, die stetig erweitert wird, aber nicht den Kern des Spiels vergessen. Die Kämpfe funktionieren in der Regel flott und es bereitet mir stets Freude, die Taktiken der Monster herauszufinden. Schade finde ich dabei lediglich, dass die neue Dämonenhand (zumindest in der PlayStation-4-Fassung) alles andere gut funktioniert. Sie ist mir im Gegensatz zur restlichen Steuerung einfach viel zu fummelig und das verpasst dem Schnetzeln einen Dämpfer. Trotzdem darf man das Spiel deshalb nicht verteufeln. Es macht Spaß und jeder der gerne Tōkiden Kiwami gespielt hat oder einen einsteigerfreundlichen Monster-Hunter-Klon sucht, sollte zuschlagen!

Vielen Dank an Koei Tecmo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkiden 2!

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