Review: Toukiden Kiwami

Toukiden Kiwami (1)Mit dem Monster-Hunter-Franchise hat Capcom eine Videospielserie geschaffen, welche vor allem im Land der aufgehenden Sonne sich vieler Fans erfreut. Trotzdem ist die Reihe alles andere als zugänglich. Toukiden Kiwami schafft es, dieses Manko gekonnt zu umgehen.

Toukiden Kiwami (2)Zu Beginn des Spiels erstellen wir in einem leicht verständlichen Editor unseren Charakter, der fortan sein Dasein als Dämonenjäger im Dorf Utakata fristen darf. Hier schließen wir uns den örtlichen Dämonenjägern an, mit denen wir gemeinsam außerhalb des Dorfes die bösen Oni vertreiben. In der japanischen Mythologie tauchen Oni seit Jahrhunderten auf und werden übersetzt oft als Dämonen, Teufel oder Oger übersetzt. Dämonen passt unserer Meinung bei der Darstellung von Oni in Toukiden Kiwami allerdings am besten. Utakata ist zwar mit einer magischen Barriere umgeben, welche die Oni nicht durchdringen können, doch planen unsere Feinde die Menschheit zu vernichten. Ergo müssen wir verhindern, dass die Oni die Barriere durchbrechen. Je mehr Missionen wir für den Schutz Utakatas absolvieren, desto eher machen Gerüchte die Runde, dass die Oni ebenso daran arbeiten, eine uralte Macht zu erwecken, die vor acht Jahren bereits von den Dämonenjägern abgewehrt wurde. Diese zeitliche Differenz ist im Verlauf der Handlung sehr wichtig, da wir öfters mit den Dorfbewohnern und vor allem sehr häufig mit unseren Mitstreitern Gespräche zwischen den Missionen führen, in denen wir erfahren, wie sie persönlich von der Geschichte betroffen sind. Die Story ist zwar spannend, wird aber durch das Aufleben des Heldenkomplex bei sämtlichen Gruppenmitglieder gestört.

Pure Waffengewalt

Toukiden Kiwami (3)Nach einer Mission heißt vor einer Mission. Das bedeutet, dass wir uns in Utakata nicht auf die faule Haut legen dürfen. In den Missionen erbeuten wir von vernichteten Oni Materialien oder finden diese blinkend am Wegesrand. Haben wir bestimmte Objekte in einer gewissen Anzahl gesammelt, können wir diese beim Schmied einschmelzen und daraus neue Waffen und Rüstungsteile formen. Man kann zwar lange Vertrauen in seine alte Rüstung setzen, doch besonders die Waffen sollte man sobald wie nur möglich verbessern, denn einige Kämpfe in Toukiden Kiwami ziehen sich mit veralteten Schwertern oder Gewehren ohne ausreichend Schusskraft zu sehr in die Länge. Wer gut vorbereitet in die Schlacht zieht, wird selten auf nennenswerte Probleme stoßen. Durch das breitgefächerte Waffensortiment kann man zudem mit oder ohne Experimentieren schnell einen Spielstil verinnerlichen, mit dem man den Rest des Spiels verbringen möchte. Neben Schwertern und Gewehren, gibt es beispielsweise auch Lanzen oder stählerne Handschuhe. Außerdem ist man selten alleine unterwegs. In der Regel unterstützen uns bei der Suche nach bestimmten Oni unsere virtuellen Freunde, die ordentlich austeilen und verschiedene Spezialfähigkeiten haben. Besonders bei den Bosskämpfen ist ein gutes Team hilfreich, denn mit der Zeit treten uns immer stärkere Oni im Kampf gegenüber.

Leben nach dem Tod

Toukiden Kiwami (4)Neben Missionen dürfen wir ebenfalls Quests erfüllen, von denen wir maximal fünf Stück auf einmal aktivieren können. Allerdings ist das Quest-System von Koei Tecmo fehlerhaft. Wenn wir zum Beispiel eine bestimmte Anzahl eines Oni-Typs ins Nirwana schicken sollen, müssen wir den Quest unbedingt aktivieren. Sonst werden die Tode nicht gezählt. Sollen wir aber nur eine gewisse Anzahl Objekte wie Lotusblüten sammeln, ist es unsinnig, einen sehr wertvollen Platz in der Quest-Liste dafür zu vergeuden. Selbst wenn wir fünf Quests aktiviert haben, so können wir einen sechsten Quest trotzdem annehmen und abschließen, wenn wir die Items in unserem Beutel bereits verstaut haben. Sowohl für Missionen als auch für Quests erhalten wir Haku, die Währung des Spiels. Diese geben wir beim Schmied, beim eher unwichtigen Item-Händler oder bei einer Geistlichen aus. Bei dieser verbessern wir unsere gefundenen Mitama, Seelen von göttlichen Wesen, Geistern oder gestorbenen Menschen. Hier nutzt Koei Tecmo wieder sämtliches Wissen aus ihren Historienspielen wie Samurai Warriors 4, denn vor allem Personen der japanischen Geschichte wie die erste Königin Japans Himiko oder Reichseiniger Tokugawa Ieyasu und Oda Nobunaga werden in den Mitama verewigt. Die Mitama lassen sich in den Waffensockeln einfügen. Je mächtiger sie sind, desto mehr Fähigkeiten haben wir.

Kampf der Giganten

Toukiden Kiwami (5)Man kann nicht leugnen, dass sich Toukiden Kiwami sehr an Capcoms Monster-Hunter-Serie orientiert. Allerdings verschlimmbessern die Entwickler von Koei Tecmo das Vorbild. Bisher hat es uns sehr gestört, dass man sehr viel Zeit in ein Spiel stecken musste, um es ansatzweise zu beherrschen. Selbst nachdem die Grundlagen in Monster Hunter 3: Ultimate erlernt waren, war es schwierig, sich in der prähistorischen Welt zurecht zu finden. In Toukiden Kiwami ist die Spielwelt wesentlich moderner und nachdem wir hier die Grundkenntnisse erlangt haben, können wir problemlos ins Geschehen eintauchen. Bereits nach ein bis zwei Stunden können wir schon große Erfolge feiern. In einem Teil der Monster-Hunter-Reihe säßen wir hier noch daran, eine angemessene Ausrüstung für die Monsterjagd zusammen zu stellen. Dafür bietet Toukiden Kiwami den ganzen Simulationsansatz nicht, der Capcoms Werk einzigartig macht. Toukiden Kiwami fühlt sich eher wie Phantasy Star Online: Episode I & II an. Anstatt überall langatmige Animationen abzuspielen, wird hier ein Item einfach vom Boden aufgehoben. So müssen wir auch nicht ständig irgendwelche Tränke benutzen, um unsere Ausdaueranzeige im grünen Bereich zu halten und unsere Waffen werden auch nicht stumpf. Es ist alles sehr viel klarer definiert und formuliert. Die Bedienung wird gestärkt, die Atmosphäre abgeschwächt.

Gemeinsame Oni-Jagd

Toukiden Kiwami (6)Wer sämtliche Herausforderungen des Einzelspielermodus bestehen will, wird sicherlich bis zu vierzig oder fünfzig Stunden beschäftigt sein. Dass dieser jedoch alleine ganz schnell öde wird, weiß man spätestens nach den ersten fünf Kapiteln. Also verbinden wir die PlayStation 4 mit dem Internet und gehen mit unseren Freunden auf die Oni los. Koei Tecmo vergisst hier die Spieler, die lieber offline gemeinsam vor dem Fernseher die riesigen Oni zu Fall bringen wollen. Unverständlich, denn bei Hyrule Warriors und Konsorten klappt das doch auch ohne Probleme. Trotzdem macht der Titel online sicher genauso viel Spaß. Mit echten Menschen ist der Erfolg noch viel süßer, als es mit den intelligenten virtuellen Mitstreitern der Fall ist. So bietet Toukiden Kiwami noch eine deutlich längere Spielzeit, wenn man denn Willens ist, sich so lange mit dem Titel zu beschäftigen. Man muss sich nämlich im Klaren darüber sein, dass Toukiden Kiwami das Rad nicht neu erfindet und wie ein Monster-Hunter-Ableger sehr schnell sehr repetitiv wird. Wer monatelang nicht spielt, wird sich in Toukiden Kiwami dank der übersichtlichen Gestaltung aber schneller wieder einfinden können. Optisch merkt man dem Titel an, dass er zunächst für die PlayStation Vita entwickelt worden ist. Trotzdem sieht die PlayStation-4-Fassung alles andere als schlecht aus und touchiert so keine Defizite weg.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Grundsätzlich mag ich das Konzept von Capcoms Monster-Hunter-Reihe sehr, doch hat es Capcom bisher versäumt, sämtlichen Ablegern eine vernünftige Einleitung zu spendieren. Fast alles muss ich mir dort selbstständig beibringen; Erklärungen sind Mangelware. Da bin ich froh, dass Koei Tecmo einen Klon ins Rennen schickt, der für mich alles gleich viel besser macht. Man zeigt mir an jeder Stelle des Spiels meine Möglichkeiten auf. Ich muss nicht stundenlang durch die Gegend laufen, um die Schwachstellen von Gegnern herauszufinden. Außerdem sagt man mir klipp und klar, welche Ausrüstung ich mir zusammenstellen kann und erfahre auch relativ schnell, was ich dafür tun muss. Ich kann Monster-Hunter-Fans verstehen, die lieber alles selbst herausfinden wollen und vor allem den zeitintensiven Simulationsansatz mögen, doch für die Spieler, die zu wenig Geduld oder einfach nicht die Zeit haben, sich fünfzig Stunden in ein eigentlich tolles Spiel einzuarbeiten, bis es richtig losgeht, ist Toukiden Kiwami eine sehr gute Alternative. Allerdings muss ich sagen, dass ich mir persönlich noch mehr erhofft hatte. Obwohl ich die ersten Stunden wirklich genossen habe, lässt nach 25 Stunden Spielzeit die Konzentration oder eher gesagt der Wille nach, mich weiterhin mit dem Spiel zu beschäftigen. Auch hier sind die Aufgaben zu repetitiv und selbst der Kampf gegen die Oni gegen abwechslungsreicher sein. Beispielsweise wird die Umgebung der Spielwelt nicht mit einbezogen. Die optimale Lösung, das Spielprinzip zu perfektionieren, bietet demnach weder die Monster-Hunter- oder die Toukiden-Reihe. Ich hoffe jedoch sehr, dass Koei Tecmo weiterhin am Franchise arbeiten wird und mit dem nächsten Serienteil deutlich mehr Abwechslung ins Spiel bringt.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Toukiden Kiwami!

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