Review: Pumpkin Scissors

Pumpkin Scissors entführt uns in eine fiktive Welt, die strukturell und optisch dem Deutschen Kaiserreich nachempfunden ist und mischt das Spektakel mit vielen sozialen Konflikten, die im Lauf der Handlung Überhand gewinnen und zu wenig Platz für eine stringente Story lassen.

Die Geschichte von der Anime-Serie Pumpkin Scissors aus dem Jahr 2006 beginnt am Ende eines Kriegs, der viele Jahre lang zwischen dem Kaiserreich und der Republik Frost wütete. Obwohl der Waffenstillstand anhält, leidet das Volk immer noch unter Hunter und Armut. Solche sozialen Konflikte ermöglichen es uns, tief in das Universum von Pumpkin Scissors einzutauchen. Die eigentliche Handlung, die sich um Lieutenant Alice Malvin dreht, kommt dabei in unseren Augen jedoch zu kurz. Zwar sind zunächst einzelne Geschichten, die sich um die Ehre und Würde ihrer Familie dreht, wunderbar in das Gesamtkonzept eingewoben, doch stringent erzählt wird die Story nicht. Viel mehr konzentriert sich diese darauf, das eine oder andere einzelne Schicksal vorzustellen. Während Plünderer, Verbrecher und Mörder durch die Lande streifen, muss sich beispielsweise Corporal Randel Oland von Kriegswunden erholen und sich mit den Alpträumen, die ihn seither plagen, auseinandersetzen. An anderer Stelle wird an panzerbrechenden Waffen getüftelt, um bei möglichen Kämpfen auch Chancen gegen die Kriegsmaschinen zu haben. Immerhin schafft es die Anime-Serie, in einem großen Finale, in dem der Konflikt zwischen Adel und Bürgertum einmal mehr thematisiert wird, zu gipfeln. Eines der wenigen Highlights der Serie, die uns nach dem Anschauen in Erinnerung bleiben.

Das lange 19. Jahrhundert

Besonders erwähnt werden sollte aber die Präsentation von Pumpkin Scissors. Das Setting der Anime-Serie orientiert sich an Architektur, Mode und Technologie, die im ausgehenden 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa aufkam. Beispielsweise wirken Zivilkleidung des Bürgertums und des Adels wie im späten 19. und militärische Uniformen eher wie im frühen 20. Jahrhundert. Die Panzer sind hingegen ansatzweise den realen Vorbildern der 1930er und 1940er Jahre nachempfunden. Es ist zudem nicht von der Hand zu weisen, dass das Kaiserreich, in dem Pumpkin Scissors hauptsächlich spielt, die Strukturen des Deutschen Kaiserreichs und die Republik Frost Merkmale der 1940 aufgelösten Französischen Republik aufweist. Die Orientierung an Deutschland ist anhand deutscher Nachnamen wie Müller und Schulz, sowie durch die Bezeichnung diverser Orte wie die Stadt Neu-Görlitz oder der Mainzer Brücke zu erkennen. Obskur wird es in dem Punkt, dass vor allem die wichtigen Hauptfiguren in erster Linie englische Vor- und Nachnamen tragen. Außerdem sind die militärischen Ränge dem englischen beziehungsweise amerikanischen Vorbild nachempfunden. Dadurch ergibt sich zwar kein glaubhaftes, doch zumindest ein nachvollziehbares und vor allem stimmiges Gesamtbild, das Kenner des langen 19. Jahrhunderts begeistern wird.

Defizite und Lobpreisungen

Eine Blu-ray-Fassung von Pumpkin Scissors gibt es nicht. Selbst in Japan kam die Serie bis 2017 nicht über eine DVD-Veröffentlichung hinaus. Vor allem auf Fernsehgeräten mit einer großen Bildschirmdiagonale wirken Konturen und Farben selbst aus einer gesunden Entfernung von zwei Metern etwas verwaschen. Immerhin hat man auf das zukunftssichere 16:9-Format gesetzt. Zudem ist es interessant, dass hingegen des Trends von Anime-Serien aus dieser Zeit, wenig bis gar nicht mit diffusem Licht gearbeitet wird. So werden die Geschichten unkaschiert erzählt, zumal Krieg als eines der Themen oft nur als Hintergrund genutzt wird. Die Animationen fallen meist positiv auf. Die Schwere der Lippenbewegung passt zu den Emotionen der Charaktere; nur selten stören uns Defizite wie Soldaten, die auf Snowboards einen Abhang hinuntersausen und dabei keine Spuren im Schnee hinterlassen. Das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau, denn in anderen Punkten wie der Synchronisation kann uns die Serie begeistern. Beispielsweise wird in der deutschen Version Lieutenant Malvin von Katja Liebing gesprochen, die man auch aus Dragon Ball kennt. In der japanischen Fassung gibt es stattdessen die Stimme von Itō Shizuka zu hören. Digitales Bonusmaterial gibt es leider nicht; typisch für Publisher Nipponart müssen wir uns mit Poster und Sticker begnügen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Die Gesamtausgabe von Pumpkin Scissors kombiniert erstmals alle Folgen der Serie in einer handlichen Box zu einem humanen Preis. Wer sich auf die Anime-Serie einlassen will, darf aber nicht auf eine stringente Erzählung hoffen und sollte sich stattdessen darauf freuen, viele soziale Konflikte und Themen zu erleben, die vor dem Hintergrund des langen 19. Jahrhunderts in einer fiktiven Welt spielen. Zwar sind alle Geschichten mit der Haupthandlung um die titelgebenden Pumpkin Scissors verwoben, doch ergibt sich daher eher ein Mosaik, das sich aus vielen Teilen zusammensetzt. So eignet sich das Werk eher als Manga und weniger als Anime, da offensichtlich auf eine längere Handlung gesetzt wird. Wer also wirklich in Pumpkin Scissors eintauchen will, sollte zum japanischen oder englischen Manga-Import greifen. Persönlich hat mir Pumpkin Scissors in puncto Story nämlich nicht sonderlich gut gefallen, doch macht es der Anime mit seinem Universum und vielen kleinen Details wie feindliche Propaganda wieder wett.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pumpkin Scissors!

© 2006 RYOTARO IWANAGA•KODANSHA/ GONZO (Abbildungen)

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