Review: World to the West

Spiele, die sich am großen Serienklassiker The Legend of Zelda orientieren, scheint es in den letzten Jahren öfters zu geben. Neben Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas oder Blossom Tales: The Sleeping King gesellt sich World to the West mit abweichenden Merkmalen hinzu.

Die Geschichte von World to the West ist von Beginn an verworren und lustig zugleich, denn wir schlüpfen im Verlauf der in Kapitel aufgeteilten Erzählung in die Haut mehrerer illustrer Figuren. Diese finden im Verlauf der Handlung zwar storybedingt zueinander, doch müssen sie mit ihren ganz eigenen und teils sogar eigenartigen Problemen hadern. Während Lumina eigentlich nur auf der Suche nach ihrem Vater war, der zu einem mysteriösen Turm aufbrach, landet sie schließlich in einer ganz anderen Gegend, in der wir auch auf die anderen Figuren des Spiels treffen. Da wäre zum einen Miss Teri, die als Schatzjägerin arbeitet und nur das schnelle Geld im Sinn. Zum anderen gibt es da den kleinen Knaus, der von älteren Kindern in einer Grotte gefangen gehalten wird und für diese das ominöse Mondgestein abbauen muss. Dass das natürlich ebenso großer Humbug ist wie der Inhalt vieler Dialoge, die uns der Reihe nach aufgetischt werden, schadet World to the West mit seinem teils absurden Humor absolut nicht. Es macht stets Spaß, neue Gebiete zu erschließen, um neue Nebenfiguren kennenzulernen, die Atmosphäre der Spielwelt einzutauchen oder auch nur den Monologen der Helden zu lauschen. Schade ist in diesem Zusammenhang nur, dass die deutsche Lokalisation mittelmäßig ausfällt. Übersetzungen kriegen andere Entwickler und Publisher wirklich besser hin.

Abwechslungsreiche Fähigkeiten

Texte sind in World to the West jedoch nebensächlich, denn in erster Line konzentriert sich das Spiel aufs Gameplay. Dazu sei direkt einmal gesagt, dass sich sämtliche Charaktere recht unterschiedlich spielen. Lumina experimentiert beispielsweise mit Elektromagnetismus – kein Wunder, hat Entwicklerstudio Rain Games Ende 2013 mit Teslagrad schon einmal unter Beweis gestellt, dass ihnen das Konzept am Herzen liegt. Knaus hingegen buddelt sich durch den Boden oder flitzt mit magischen Schlittschuhen über Wasseroberflächen und Miss Teri kann sich mit ihrem Schal ähnlich der Peitsche in Secret of Mana über Abgründe ziehen oder gar Gegner manipulieren, um sie für ihre persönlichen Zwecke zu missbrauchen. Mit Muskelprotz Clonington können wir zudem Wände einreißen oder Gegner verdreschen. Gewechselt werden die Charaktere stets an Totempfählen, die in der Spielwelt verteilt sind. Ärgerlich ist dabei, dass jede Figur einen Totempfahl einzeln besucht haben muss, damit wir ihn für Lumina, Knaus und Co als Schnellreisepunkt verwenden dürfen. Daneben dienen diese Punkte zum Ausfüllen der Lebensenergie und zum automatischen Speichern des Spielfortschritts. Sollten wir also von Gegnern besiegt werden oder zu oft in eine Grube fallen, werden wir bedauerlicherweise mit dem Verlust des Spielfortschritts zum letzten Totempfahl katapultiert. Blöd!

Zufriedenstellende Technik

Die Steuerung von World to the West funktioniert meistens gut. Während wir mit dem linken Stick unsere Spielfigur bewegen, können wir mit dem rechten Stick die Kameraperspektive verschieben, um den Überblick zu wahren. Nur in kniffligen Passagen fällt die Steuerung merklich schwammig aus. Die anderen Funktionen, die sich peu á peu von selbst erschließen, gehen über die Aktionsknöpfe auf dem Controller leicht von der Hand. Die PC-Fassung verfügt natürlich auch über eine Steuerung über Tastatur und Maus. Auf der optischen Seite kann das Spiel mit knalligen Farben begeistern. Grüne Wiesen, schneebedeckte Berge und trostlose Wüsten werden selten so bunt dargestellt wie in World to the West. Am ehesten lässt sich der Grafikstil des Spiels aus einer Symbiose von The Legend of Zelda: The Wind Waker und Tearaway vergleichen. Einzigartig ist davon also nur wenig. Vor allem die Charaktere erinnern stark an Figuren aus der The-Legend-of-Zelda-Reihe. Schade ist nur, dass die Animationen ein wenig abgehakt wirken und das sonst zufriedenstellende Gesamtbild in puncto Grafik ein wenig stören. Die Musik des Spiels ist in den meisten Fällen durchweg fröhlich, denn selbst in dunklen Katakomben kann der Soundtrack mit einladenden Klängen unsere Laune erheitern. So kann World to the West gut und gerne einige Stunden lang sehr gut unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Als ich die ersten Screenshots von World to the West gesehen habe, dachte ich tatsächlich, dass hier der nächste The-Legend-of-Zelda-Klon auf mich wartet. Das ist jedoch nur ein kleiner Teil der Wahrheit, denn das Spiel ist so frech wie Darksiders aus dem Jahr 2010 und bedient sich nicht nur am offensichtlichsten Vorbild aus dem Hause Nintendo, sondern auch an einer Vielzahl weiterer Titel. Allen voran sollte hier The Lost Vikings erwähnt werden, das mich in den 1990er Jahren für zahlreiche Stunden an mein Super Nintendo gefesselt hat. So gut wie im Jump ’n’ Run von Silicon & Synapse, dem heutigen Blizzard Entertainment, funktioniert das System durch die Limitierung durch die Totempfähle in World to the West zwar nicht, doch sollte man den Titel deshalb nicht verachten. Die Rätsel machen trotz ihrer Schlichtheit durchweg Spaß, regen stets zum Knobeln an und ergeben gelegentlich durch den Austausch der unterschiedlichen Charaktere sehr viel Sinn. Schade finde ich am Ende nur, dass ein optionaler Mehrspielermodus zu Gunsten der Erzählstruktur fehlt. Wer dennoch einmal ein Action-Adventure mit starken Anleihen von The Lost Vikings, The Legend of Zelda, Secret of Mana und Co ausprobieren will, ist bei World to the West an der richtigen Adresse.

Vielen Dank an Rain Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von World to the West!

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