Review: Heat Guy J

Obwohl Heat Guy J bereits im Jahr 2002 über die japanischen Fernsehbildschirme flimmerte und die Anime-Serie hierzulande schon vor ein paar Jahren veröffentlicht wurde, folgt mit der Gesamtausgabe eine Neuveröffentlichung des hochqualitativen Werks von Studio Satelight.

Heat Guy J erzählt die Geschichte des Polizisten Daisuke Aurōra und seines titelgebenden Partners Jei, kurz J. Bei J handelt es sich um den einzigen Androiden, dem es erlaubt ist, in der Stadt Judo zu leben. Zusammen mit ihrer Kollegin Kyōko Milchan bilden sie die Spezialeinheit der riesigen Stadt, die Züge von New York City und Tōkyō aufweist und mit verwinkelten Seitengassen auch ein wenig italienisches Flair versprüht. Tatsächlich handelt es sich bei Judo jedoch um eine Stadt, in der viele Ethnien Platz haben, sodass die verschiedenen Figuren sowohl japanische, als auch englische, deutsche und italienische Namen tragen. Dennoch ist die Welt, die aus sieben Megastädten und einem nur wenig beleuchteten Umland besteht, rein fiktiv. Hauptsächlich erzählt die Anime-Serie mehrere kleine Fälle, die Daisuke und J zu bearbeiten haben. Durch das beiläufige Einwerfen von vielen kleinen Informationshäppchen und durch das regelmäßige Einführen von weiteren Charakteren ergibt sich mit der Zeit ein roter Faden, der auf das Lösen des Mordfalls von Daisukes Vater hinzielt. Nebenher wird die Geschichte von Clair Leonelli erzählt, der nach dem Tod seines Vaters zum neuen Oberhaupt der Mafia gewählt wird. Die Anime-Serie steckt so voller liebevoller Details und Ideen, die sich mit jeder weiteren Folge zu einem stimmungsvollen Mosaik zusammensetzen.

Blick aufs US-amerikanische Kino

Unter optischen Gesichtspunkten kann man der Anime-Serie anmerken, dass sich das Produktionsteam an US-amerikanischen Science-Fiction-Werken orientiert hat. So glüht in einer Szene beispielsweise das Auge eines Androiden rot auf, was direkt an den Terminator aus dem gleichnamigen Film von Regisseur James Cameron erinnert. Fahrstühle und das Büro von Shun Aurōra ähneln, wenn auch nicht in ihrer Farbgebung, dem Film Blade Runner. Selbst das Androidengesetz, das besagt, dass Androiden keinen Fuß in die Stadt Judo setzen dürfen, scheint vom Replikantengesetz aus Ridley Scotts Film inspiriert worden zu sein. Durch die mafiösen Strukturen, die in Judo herrschen, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich das Produktionsteam ebenfalls am Stil von Gangsterfilmen bedient hat. Das Geschäftszimmer von Clair Leonelli kommt, ähnlich wie Don Corleones Büro aus Der Pate, ebenfalls nicht ohne erinnerungswürdige Jalousien aus, die die gesamten Szenen im Raum verdunkeln. Dennoch wird die Serie deshalb nicht gänzlich in dunkle Farben getränkt; viele Szenen spielen tagsüber in Judo und zeigen die Stadt trotz spürbarer Gegensätze als fröhlichen Ort. Da der Anime aus dem Jahr 2002 stammt und selbst in Japan bis heute keine Blu-ray-Veröffentlichung stattfand, ist die Bildqualität leider erst ab einem gesunden Abstand zum Fernseher als gut einzustufen.

Prominente Synchronsprecher

Um das mittelprächtige Bild im 16:9-Bildverhältnis auszugleichen, kann Heat Guy J mit einer angenehmen Tonqualität im Format Dolby Digital 2.0 punkten. Dies gilt sowohl für die deutsche, als auch für die japanische Tonspur. Beide Synchronisationen kommen nicht ohne prominente Sprecher aus. Im japanischen Original wird Daisuke Aurōra beispielsweise von Matsukaze Masaya gesprochen, den Videospieler beispielsweise als Stimme von Hazuki Ryō aus Shenmue kennen. Für Android J zeigt sich hingegen Sugō Takayuki verantwortlich, der zuvor schon in vielen Anime-Serien und Videospielen Charakteren seine Stimme lieh. Bei der deutschen Synchronisation sind sogar einige Sprecher zu vernehmen, deren Stimmen selten in Anime zu hören sind. Hans-Georg Panczak, den die meisten sicherlich als Synchronsprecher von Luke Skywalker aus dem Star-Wars-Franchise kennen, spricht Boma. Mit dem bereits verstorbenen Norbert Gastell und Christoph Jablonka sind hingegen beide deutsche Stimmen von Homer Simpson aus Die Simpsons zu hören. Des Weiteren stammt die Stimme von Hauptdarsteller Daisuke von Dirk Meyer, der in One Piece den Charakter Lysop spricht. Beide Versionen gefallen uns zwar sehr gut, doch bei der deutschen Fassung ist anzumerken, dass der Ton der 25. Episode leicht zeitverzögert aus den Lautsprechern trällert – da es sich hierbei um die Neuveröffentlichung handelt, ist die fehlende Nachbearbeitung etwas ärgerlich.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Heat Guy J ist wirklich ein fantastischer Anime, den vermutlich viel zu wenige Anime-Liebhaber kennen, aber unbedingt noch kennenlernen sollten! Obwohl sich in den Jahren nach dem Fernsehserienboom viele an abgeschlossenen Episoden stören dürften, fällt das meiner Meinung nach bei Heat Guy J nicht ins Gewicht. Es werden genau richtig viele Episoden abgeschlossen und wichtige Folgen mit einem Cliffhanger versehen. Viel wichtiger ist jedoch, dass in so gut wie jeder Episode Informationen eingeschmissen werden, die entweder die Geschichte von Daisuke Aurōra vorantreiben oder das Universum mit Leben füllen. Heat Guy J packt ein gesundes Maß an Inhalte in nur 26 Folgen beziehungsweise 650 Minuten Laufzeit – und dennoch habe ich Lust, noch mehr Abenteuer in dieser fantastischen Welt zu erleben. Aktuell habe ich sogar den Wunsch, nachdem ich die Serie in nur zwei Tagen komplett gesehen habe, sie noch einmal anzuschauen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich die Serie jedem, der ein wenig mit dem Science-Fiction-Genre á la Blade Runner oder Psycho-Pass anfangen kann, ans Herz legen möchte. Heat Guy J hat es einfach verdient, von einem viel größeren Publikum genossen zu werden!

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Heat Guy J!

© 2002 SATELIGHT/HEATGUY-J PROJRCT (Abbildungen)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s