Review: Antihero

PC-Spiele, die sich um Diebe drehen, sind eher selten. Prominentestes Beispiel wäre wohl die Thief-Reihe aus dem Hause Square Enix. Antihero von Publisher Versus Evil schlägt jedoch einen ganz anderen Weg ein und verpackt das Setting kurzerhand in ein virtuelles Brettspiel.

In Antihero schlüpfen wir in die Rolle eines der titelgebenden Antihelden, die sich in der viktorianischen Unterwelt einen Namen machen möchten. Während der auf elf Kapitel aufgeteilten Kampagne schlüpfen wir alternierend in die Rolle von Lightfinger oder Emma. In jedem Level ist es unsere Aufgabe, unseren Konkurrenten zu übertrumpfen. Um siegreich aus dem Diebeszweitkampf hervorzugehen, müssen wir eine bestimmte Anzahl von Siegespunkten sammeln. Diese erhalten wir beispielsweise, wenn wir den Klerus erpressen, eine Zielperson exekutieren oder Bestechungsgelder ausgeben. Manchmal ist es auch notwendig, Wachtürme mit Schlägern zu besetzen, um unbeobachtet in den Palast eindringen zu können, den feindlichen Unterschlupf mit Burschen zu infiltrieren oder sich unbemerkt unter die Gäste der aristokratischen Gesellschaft zu schummeln, um wertvolle Gegenstände von der Party zu stehlen. Die Siegesbedingungen sind zwar durchaus abwechslungsreich, doch die Wege dorthin verlaufen – sobald man sich erst einmal eine funktionierende Taktik überlegt hat – in der Regel ähnlich. Um Aktionen in Antihero durchführen zu können, sind zwei Ressourcen vonnöten: Münzen und Öllampen. Während wir Geld benötigen, um Einheiten zu rekrutieren, sind Öllampen wichtig, um in einem Fähigkeitsbaum neue Talente und Möglichkeiten freizuschalten.

Arbeit einer Meisterdiebs

Zu Beginn einer Partie sollten wir deshalb möglichst schnell Fabriken, Kirchen und Banken erobern und mit Burschen besetzen, damit diese den Lagerbestand, die Kollekte oder den Tresor für uns Runde für Runde leeren. Besetzen wir Waisenhäuser oder Clubs, können wir Burschen oder Schläger vergünstigt anheuern. Schläger sind alleine jedoch relativ hilflos, weshalb sie sich nur dazu eignen, die Straßen der schachbrettartig angeordneten Spielwelt für unsere Feinde zu blockieren. Erst im Zusammenschluss mit einer Gang können die Schläger richtig austeilen beziehungsweise der Gang als Einheit einen weiteren Lebenspunkt spendieren. Jedes Mal wenn eine Gang einen Gegner eliminiert hat, verbessert sie sich wahlweise in ihrer Fähigkeit mehr Schaden zuzufügen, mehr Münzen nach einem Kampf einzukassieren oder mehr Burschen aus einem feindlich besetzten Gebäude zu vertreiben. Unsere Hauptspielfigur verbessert sich jedoch ausnahmslos nur über den Fähigkeitsbaum. So können wir irgendwann bis zu fünf Aktionen statt den üblichen zwei mit unserem Meisterdieb ausführen, bis zu drei Schadenspunkte bei einem Angriff erzielen oder bei einem Einbruch in den Häusern mehr Münzen und Öllampen einkassieren. Obwohl das Spielprinzip sehr simpel ausfällt und sich der Spielverlauf selbst in der Kampagne schnell wiederholt, macht es sehr viel Spaß.

Langzeitspaß dank Mehrspielermodus

Neben der Einzelspielerkampagne bietet Antihero auch einen Zweispielermodus. Wir können online gegen unbekannte Spieler antreten oder unser Glück gegen einen unserer Freunde versuchen. Treten wir gegen Unbekannte an, stehen uns zwei verschiedene Spielmöglichkeiten zur Verfügung. Entweder wir bestreiten in einem rasch gefundenen Duo ein Live Match, sprich wir spielen unverzüglich rundenweise das Duell, oder wir entscheiden uns für ein Casual Match. Dann erledigen wir zunächst unseren Zug und dann wird automatisch eine E-Mail an den Gegner versendet und umgekehrt. Wer hier an die eine oder andere Schachpartie-Brieffreundschaft aus dem letzten Jahrhundert denkt, darf nun genüsslich schweigen. Ein gern gesehenes Relikt aus der Vergangenheit ist der Hot-Seat-Modus. Hier teilen wir – sogar mit eigens personalisierten Regeln – mit einem Freund den Bildschirm und dürfen wie schon in der Heroes-of-Might-and-Magic-Reihe abwechselnd einen Zug vollziehen – mit der Tatsache, dass der andere Spieler jeden unserer Schritte (und wir natürlich seine) verfolgen können. Zusammen mit dem charmanten Grafikstil, der nur bei genauerem Hinsehen seine nicht sehr hochauflösenden Grafiken offenbart, und der atmosphärischen, aber auf Dauer schnell wiederholenden Musik, erfüllt Antihero auch auf der technischen Seite all unsere Bedürfnisse.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Antihero ist eines der Spiele, die mich aufgrund veröffentlichter Screenshots neugierig machen. Kaum habe ich das Spiel auf meinem PC installiert, bin ich kaum mehr davon wegzubekommen. Die Kampagne ist mit circa fünf bis sechs Stunden zwar recht kurz geraten und bietet auch nicht sehr viel Abwechslung, doch eignet sie sich hervorragend dazu, die Spielregeln zu verinnerlichen und seine Diebstahltaktik Schritt für Schritt zu verbessern. Dadurch, dass alle Gebäude auf der Karte zufällig verteilt werden und auch neutrale Schläger und Zielpersonen wahllos erscheinen, fühlt sich jede Partie immerhin frisch an. Neben der Einzelspielerkampagne kann vor allem der Mehrspielermodus mit antiquierten und zeitgenössischen Spielmodi überzeugen. Da kann ich mir aussuchen, ob ich mich live mit einem anderen Spieler messen will, darauf warte, dass sein Zug gemacht wird und ich per E-Mail informiert werde oder mich mit einem Freund per Hot-Seat-Modus vor einen Bildschirm setze. Antihero ist im Kern ein wirklich schönes Taktik-Strategiespiel, von dem ich in Zukunft sehr gerne einen Nachfolger mit noch mehr Möglichkeiten wünsche.

Vielen Dank an Versus Evil für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Antihero!

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