Review: Fifa 18

Das Spielfeld wird beleuchtet, Zuschauer strömen in das Stadion und wenn alle 22 Feldspieler auf dem Platz stehen, beginnt der Schiedsrichter das Spiel unter tosendem Applaus der Fans beider Klubs bei Regenwetter.

Anders als in einem realen Fußballspiel haben wir in der jährlichen Fußballsimulation Fifa das Glück, dass wir bequem von der Couch aus spielen können und nicht auf die Witterung im kalten Winter angewiesen sind. Zudem haben wir auch noch die Möglichkeit, mehrere Partien hintereinander austragen zu können – ein Erlebnis ohne Aufwand. Auch dieses Jahr erschien mit Fifa 18 die gewohnte Fortsetzung der wohl beliebtesten und meistverkauften Sportspielreihe der Videospielgeschichte. Nachdem uns letztes Jahr viele Neuerungen in Form einer neuen Engine und einem Storymodus erwartet haben, soll dieses Jahr die Geschichte rund um den Protagonisten Alex Hunter weiter ausgebaut, sozusagen fortgesetzt werden. Anbei wird, wie jedes Jahr, versprochen, das Spielerlebnis weiter authentischer zu gestalten als in den vorherigen Ablegern. Für die Entwicklerstube Electronic Arts wird sich erneut ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Haus Konami aus Japan anbahnen, welches ebenfalls jährlich mit der Pro-Evolution-Soccer-Reihe eine Fußballsimulation auf den Markt bringt und für viele ein steter Konkurrent ist, auch wenn die Fifa-Reihe die letzten drei Jahre maßgeblich dominierte und vor allem mit den Lizenzen der meisten Klubs und Ligen werben kann – dieses Jahr neu dabei: Die japanische Fußball-Liga und das Nationalteam von Island.

Mehr Realismus

Wie schon im letzten Jahr wurde an der Spielgeschwindigkeit herumgeschraubt und das Spieltempo weiter verlangsamt. Das bedeutet nicht nur, dass unsere Spieler langsamer sind, sondern auch die Passspielzüge mehr Zeit brauchen und Flankenwechsel langsamer vonstatten gehen. Auffällig ist vor allem, dass unsere Spieler schwerfälliger in ihrer Akrobatik wirken und wesentlich mehr Zeit benötigen, um sich zum Beispiel um die eigene Achse zu drehen. So negativ dies alles auch klingen mag, umso mehr haben wir das Gefühl, mehr Kontrolle über unsere Spieler zu haben. Gerade Superstars wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi haben durch mehr Akrobatik und wesentlich stärkere Sprintkraft einen sichtbaren Vorteil gegenüber weniger talentierten Spielern. Dies macht es jedoch umso schwerer zu verteidigen. Da die meisten Verteidiger eher hoch gewachsen und nicht so flink auf den Beinen sind, ist das Verteidigen in Fifa 18 um einiges schwerer geworden als in der Vergangenheit. Ein bisschen wird dies durch eine verbesserte künstliche Intelligenz ausgeglichen, die die Verteidiger in ihrem Stellungsspiel schlauere Laufwege gehen lässt. Schwerer bleibt das Verteidigen dennoch, da wir massive Probleme hingegen im manuellen Spielerwechsel sehen, da die Laufwege des Computers gerne mal mit dem Spielerwechsel abgebrochen werden und dadurch wichtige Sekunden verloren gehen und der Gegner uns in diesen überläuft.

Starke Verbesserung des Karrieremodus

Positiv aufgefallen sind uns die diversen Änderungen im Karrieremodus. Haben wir letztes Jahr noch das Transfersystem kritisiert, sind gerade dort Verbesserungen in Fifa 18 angefallen. Wir können nun in einer Videosequenz mit Spielern und Managern live verhandeln und ausloten, was gefordert wird. Leider gibt es doch auch hier eine Schwäche: Ohne ein vernünftiges Scouting wissen wir den Wert vieler Spieler nicht, so dass wir blind verhandeln müssen und bei utopischen Angeboten nach Hause geschickt werden und der Spieler dann temporär nicht für Verhandlungen zur Verfügung steht, währenddessen aber von anderen Vereinen gekauft werden kann. Hier ist es unserer Meinung nach extrem nervig, dass einige Verhandlungen auf diesen Weg scheitern, da ein Scouting auch Zeit kostet, in der andere Vereine zuvor kommen können – zumal die Marktwerte ja eigentlich immer transparent gestaltet sind. Auch können wir innerhalb der Verhandlungen nicht abbrechen um zu schauen, ob wir das nötige Budget noch haben, sondern müssen den Angeboten absagen, so dass der Spieler danach wieder für einen längeren Zeitraum zur Verfügung steht. Nichtsdestotrotz sind die Verhandlungen sehr gut umgesetzt, brauchen jedoch nur eine wesentlich bessere Vorbereitung um einen Spieler, den wir uns in unseren Reihen wünschen, zu bekommen.

Die zweite Saison von The Journey

Wie bereits angedeutet geht auch die Kampagne im Spiel in die zweite Saison, in der wir erneut in die Rolle des Protagonisten Alex Hunter schlüpfen. Ziel ist diesmal nicht der Superstar der Premier League zu werden, sondern direkt der ganzen Welt. Wie im Vorgänger gewohnt, können wir unseren Charakter eher cool oder aggressiv auf verschiedene Ereignisse handeln lassen, was sich jedoch kaum auf den Verlauf der Geschichte auswirkt. Nett ist das Gimmick, dass wir die Frisur und Tätowierungen von unseren Protagonisten auswählen dürfen und auch eine Runde Straßenfußball ab und an spielen können, was Erinnerungen an Fifa Street wieder erweckt. Wirklich umhauend ist die erzählte Geschichte allerdings nicht, so dass schnell Langeweile eintritt und die Dialoge oftmals überzogen wirken. Auch der Online-Modus, Fifa Ultimate Team, hat sich kaum verändert, so dass noch das größte Manko vorhanden bleibt: Spieler können sich Dank des Pay-to-win-System unverhältnismäßige Vorteile gegenüber anderen Spielern kaufen, die ungern Echtgeld für einen Online-Modus ausgeben möchten. Grafisch hat sich allgemein wenig getan. Viele bekannte Größen des Fußballs werden in ihrer Gesichtsmimik, als auch in den Bewegungen, verbessert dargestellt, wohingegen eher unbekannte Spieler in der zum Beispiel neu eingeführten dritten Bundesliga, eher unerkennbar aussehen.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der Xbox-One-Fassung): Fifa geht, wie gewohnt, immer weiter kleinere Schritte in Richtung Perfektion. Dabei wird mal in einer Mechanik ein Schritt zurück gegangen, in anderen Elementen dann wieder zwei Schritte vorwärts. Der Online-Modus Fifa Ultimate Team hat in diesem Jahr wenige Änderungen erfahren und die Kampagne The Journey wirkt schon nach dem zweiten Jahr ein wenig ausgelutscht. Begeistert haben uns hingegen das neue Transfersystem, auch wenn da die Zwischensequenzen schnell bekannt sind und nur noch zum Überspringen dienen. Hier erwarten wir im nächsten Jahr einfach einen größeren Sprung, aber der erste Schritt war ein durchaus wichtiger. Meiner Meinung nach bekommt der Gelegenheitsspieler, der sich jedes Jahr die aktuelle Episode kauft, genau das geliefert, was er erwartet – ein konstant gutes Spiel mit dem man viel Spaß hat und Zeit verbringen kann.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fifa 18!

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