Review: The Place promised in our early Days

Im Jahr 2004 wurde der The Place promised in our early Days von Regisseur Shinkai Makoto in Japan unter dem Originaltitel Kumo no Mukō, Yakusoku no Basho veröffentlicht. 2010 folgte die Veröffentlichung in Deutschland. Sieben Jahre später wird er nochmals vermarktet.

The Place promised in our early Days spielt in einer alternativen Realität in Japan. Seit Jahrzehnten ist das Land in eine Nord- und in eine Südhälfte geteilt. Während die nördlichste Hauptinsel Japans, Hokkaidō, von der so genannten Union angeführt wird, wird der Rest des Landes von den Vereinigten Staaten von Amerika unterstützt. Über die politischen Verhältnisse schweigt der Anime-Film zwar weitgehend, doch lässt sich die Union zumindest als nationalistisch identifizieren, da sie Hokkaidō in den ursprünglichen Namen Ezo umbenannt hat. Aufgrund gegensätzlicher Ansichten ist die Lage angespannt; Dialoge und Nachrichten, die gelegentlich nebenher aus Radiolautsprechern dröhnen, intensivieren die schwermütige Stimmung. Inhaltlich erzählt der Film in dieser düsteren Zeit die Geschichte der drei Freunde Fujisawa Hiroki, Sawatari Sayuri und Shirakawa Takuya. Gezeigt wird ihr Leben über mehrere Jahre hinweg, wobei der Verlauf der Zeit durch die Konstruktion eines eigenen Flugzeugs deutlich wird. Der Bau des Fliegers beginnt in ihrer Jugend und begleitet die Hauptfiguren, mit einer langen Unterbrechung, durch den gesamten Film. Durch verschiedene Umstände distanzieren sich die Charaktere zeitweise unfreiwillig voneinander, wodurch die Handlung gespalten und nur durch gemeinsame Elemente, wie durch die Figur Okabe oder ein riesiger und noch von Tōkyō aus sichtbarer Turm an der Küste Hokkaidōs, zusammengehalten wird.

Distanzen als Mittelpunkt

Wie schon in Voices of a Distant Star sind Distanzen das zentrale Handlungsthema des Films. Damit sind zum einen die tatsächlichen Entfernungen gemeint, schließlich lebt Hiroki in der Mitte der Geschichte in Japans Hauptstadt Tōkyō und Takuya verbleibt in der Präfektur Aomori, den am meist genutzten Handlungsort des Films. Zum anderen ist damit auch die Distanz zwischen ihnen und Sayuri gemeint, die plötzlich ohne jede Spur verschwindet und sich an einem Ort befindet, an dem ihre beiden Freunde sie nicht ohne Weiteres erreichen können. Surreale Elemente unterstützen den Aufbau der Story in verschiedenen Szenen und werden schließlich im Finale des circa 91-minütigen Films aufgelöst. Obwohl die Distanzen als zentrales Thema funktionieren, kann sich die Filmhandlung nicht gänzlich darauf stützen. Auch der Science-Fiction-Anteil, der sich um parallele Dimensionen dreht, kann das Szenario nur am Rande bereichern. Die sehr langsam erzählte und charakterbezogene Handlung verlässt sich stark auf die Dialoge, die manchmal sogar poetische Züge annehmen. Shinkai Makoto kopiert abermals seinen eigenen Erzählstil und schlägt damit den Bogen zu einem seiner späteren Werke, 5 Centimeters per Second. Auch in diesem Film ist das Ende der Handlung offen und lässt damit dem Zuschauer die Möglichkeit, sich selbst vorzustellen, wie das Leben der Hauptfiguren – und dieses Mal auch die Zukunft zweier Nationen – weiterverlaufen wird.

Melancholisch-schöne Grundstimmung

Unter optischen Gesichtspunkten gehört The Place promised in our early Days trotz seines Alters zu den eindrucksvollsten Titeln. Landschaften, Objekte, Architektur und Proportionen der Charaktere sind realitätsnah gestaltet, mit viel Farbe überzeichnet und wirken durch das Zusammenspiel aus Licht und Schatten jederzeit glaubhaft. Neben dem scharfen Bild in der Auflösung von 1080p und im bildschirmfüllenden 16:9-Format kann auch der Soundtrack im Tonformat DTS-HD Master Audio 5.1 punkten. Die halb fröhlichen und halb melancholischen Musikstücke von Komponist Shirakawa Atsushi, die sich meist aus Geigen- und Klavierklängen zusammensetzen, sind schnell verinnerlicht und veranlassen den Zuschauer spätestens beim zweiten Hören, die nächste Note zu vervollständigen. Sowohl die deutsche, als auch die japanische Synchronisation sind gelungen. Für beide Versionen hat man sich passende Synchronsprecher ausgesucht, welche die traurig-schöne Grundstimmung mit ruhiger Betonung harmonisch ausdrücken. Lediglich die teilweise falsche Aussprache von japanischen Begriffen wie Hokkaidō ist in der deutschen Fassung gelegentlich störend. Möchte man sich die japanische Sprachfassung ansehen beziehungsweise anhören, sind deutsche Untertitel Pflicht, da sie sich nicht deaktivieren lassen. Digitales Bonusmaterial liegt auf der Blu-ray Disc nicht vor, als physische Dreingabe winkt jedoch ein hochwertiges Booklet mit 48 Seiten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fassung (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Shinkai Makoto gehört in meinen Augen zu den fähigsten Regisseuren Japans; zumindest in puncto tiefgründiger Themen erreicht er mit jedem seiner Filme niveauvolle Zuschauer anzusprechen. Freundschaft, Distanzen und Ungewissheit sind Aspekte, die er in The Place promised in our early Days aufgreift. Allerdings gelingt es ihm auch dieses Mal nicht, einen Handlungsbogen zu schließen. Das absichtlich offen gelassene Ende nutzt er dazu, dass der Zuschauer auch nach dem Ende des Films über dessen Ausgang nachdenkt und wie das Leben der Figuren weiterverlaufen könnte. Sein Stil mag sicherlich nicht den durchschnittlichen Anime-Zuschauer ansprechen, doch die aufwendige Gestaltung wird sicherlich nicht nur bei einem kleinen Kreis Anklang finden. Shinkai-Makoto-Fans haben längst vor dem Lesen dieses Reviews ihre Kopie des Films gekauft und alle, die es noch werden wollen, sollten aufgrund der erwachsenen Erzählung, der interessanten Thematik und der ästhetischen Gestaltung unbedingt zugreifen.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Place promised in our early Days!

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