Review: Attack on Titan

Jeder beliebte Manga beziehungsweise Anime wird früher oder später in Form einer Realverfilmung auf die Menschheit losgelassen. Solch ein Unterfangen kann wie im Falle von Death Note recht erfolgreich sein oder am Beispiel Dragon Ball auch mächtig in die Hose gehen.

Mit dem Manga Attack on Titan verzaubert Manga-Zeichner Isayama Hajime seit 2009 seine Fans – seit 2013 existiert auch eine Anime-Adaption, die die Titanen in animierter Form auf den Fernsehbildschirm hievt. 2015 hat man sich gedacht, am Erfolg von Manga und Anime anzuknüpfen und den Charakteren auch im Rahmen einer Realverfilmung Leben einzuhauchen. Vorweg sei gesagt, dass die Interpretation der Vorlage sehr lose ausfällt. Im Kern wird zwar nach wie vor die von Isayama ausgedachte Geschichte erzählt, doch in sämtlichen anderen Belangen hat man sich sehr viele künstlerische Freiheiten genommen. Das beginnt mit der zeitlichen Einordnung des Szenarios. Während das Geschehen in der Vorlage in einer mittelalterlichen Welt angesiedelt ist, verlegt man die Story im ersten von zwei Filmen in die Zukunft. Durch die technologische Entwicklung hat sich die Menschheit selbst zugrunde gerichtet. Irgendwann sind die titelgebenden Titanen aufgetaucht und haben einen Großteil der restlichen Erdbevölkerung verspeist. Die letzten verbliebenen Menschen haben sich hinter einer fünfzig Meter großen Mauer verschanzt. Seit einhundert Jahren wehrt das Gemäuer die Titanenangriffe erfolgreich ab und lässt die Menschheit glauben, in Ruhe und Frieden leben zu können. Diese Idylle wird durch das Erscheinen eines übergroßen Titanen jäh unterbrochen.

Künstlerische Freiheiten

Im Mittelpunkt der Handlung stehen wie schon in der Vorlage die drei Charaktere Armin, Eren und Mikasa. Während sie die Mauern untersuchen, was von der Regierung strengstens untersagt wird, geschieht der besagte Titanenangriff, der ein Loch in die Verteidigungslinie hämmert und es so den gewöhnlichen beziehungsweise wesentlich kleineren Titanen ermöglicht, in die letzte Bastion der Menschheit eindringen zu können. Zahllose Menschen sterben beim Angriff der Titanen – und vermeintlich lässt sogar eine Figur ihr Leben, die uns in der ersten Staffel der Anime-Serie beispielsweise bis zum Ende begleitet. Die künstlerischen Freiheiten sind an allen Ecken und Enden zu spüren, denn so tauchen neben völlig neuen Figuren auch Charaktere wie die überengagierte Hanji auf, die eigentlich erst in der zweiten Hälfte der ersten Anime-Staffel und in einem ganz anderen Kontext eingeführt wird. Im Film gehört sie zu den Lehrern, bei denen die Hauptcharaktere ihre militärische Ausbildung durchlaufen. Ulkigerweise werden die 3D-Manöver-Apparate im Film erst während ihrer Ausbildung erfunden – und noch dazu werden die jungen Rekruten in ein Gefecht geschickt, ohne wirklich zu wissen, wie man sie verwendet. Kenner der Vorlage dürften sich durchaus daran stören, alle anderen werden es mit einem leichten Schulterzucken notgedrungen akzeptieren.

Hürden bei einer Verfilmung

Während Kreativität bei Manga und Anime leicht umzusetzen ist, benötigt es bei Realfilmen durchaus ein geschicktes Händchen, um Fantasiefiguren wie die Titanen lebendig wirken zu lassen. Leider gelingt dem Film dieses Kunststück kaum, denn die Titanen bewegen sich oft zu langsam oder zu schnell, sodass ihre Bewegungen wenig glaubhaft erscheinen. Während nähere Umgebungen durchaus plastisch wirken, ist es bei entfernten Landschaften wie den verfallenen und verlassenen Gebäuden in den zerstörten Gebieten durchweg auffällig, dass man hier mit Bluescreen-Technologie gearbeitet hat. Vor allem in der Auflösung von 1080p ist dies deutlich zu merken. In puncto Akustik kann der Film jedoch überzeugen, denn sowohl im japanischen Originalton, als auch in der Tonspur der deutschen Synchronisation überzeugt der Film im Tonformat DTS-HD Master Audio 5.1 mit sauberen Klängen und klaren Stimmen. Einzig und allein die musikalische Untermalung kann nicht mit der Anime-Vorlage mithalten, da viele Stücke zu gewollt auf die Szenen einwirken. Bei den Schauspielern gelingt es zudem nur Ishihara Satomi (Hanji) und Sakuraba Nanami (Sasha) ihre überzogen dargestellten Vorbilder ähnlich überdreht zu interpretieren. Wer auf Bonusmaterial gehofft hat, wird wohl enttäuscht sein – der Blu-ray Disc im Steelbook liegt nur ein kleines Filmposter bei.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Attack on Titan gehört für mich zu den besten Anime-Serien, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. So spannend und so intelligent inszeniert ist nur selten eine Serie. Entsprechend habe ich mich sehr darüber gefreut, dass es zu diesem Werk auch eine Realverfilmung gibt. Allerdings hat man sich für diese sehr viele – und in meinen Augen viel zu viele – künstlerische Freiheiten gelassen. Im Grunde sind nur die Ausgangslage, das Handlungsziel und eine Auswahl der Hauptcharaktere identisch mit der Vorlage. Ansonsten fühlt sich der Film für mich aufgrund seiner freien Interpretation eher fremd an. Wer die Vorlage nicht kennt, dem wird dieser Umstand hingegen völlig egal sein und einen unterhaltsamen Film genießen können. Diesen Zuschauern sollte allerdings bewusst sein, dass die Vorlage wesentlich ausgearbeiteter ist und wichtige Informationen im Film nur beiläufig erwähnt werden. Zum Teil muss wirklich darauf geachtet werden. In meinen Augen hätte Regisseur Higuchi Shinji mit seinem Team alleine aufgrund der detaillierten Vorlage wesentlich mehr auf die Leinwand zaubern können. So bleibt der Film unterm Strich ein Werk, das in erster Linie Action-Fans und erst sekundär die Fans der Vorlage anspricht – und genau das wäre die Zielgruppe des Films gewesen.

Vielen Dank an Eye See Movies für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan!

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