Review: Attack on Titan II: End of the World

Wenige Wochen nachdem die erste Realverfilmung zu Attack on Titan in den japanischen Lichtspielhäusern angelaufen ist, folgte der zweite Teil. Nach dem enttäuschenden Debüt konnte Attack on Titan II: End of the World nur noch die Hälfte der Fans ins Kino locken.

In deutschen Kinos wurden beide Filme flächendeckend erst gar nicht gezeigt, sodass sich Publisher Eye See Movies direkt dafür entschied, die Streifen fürs Heimkino zu veröffentlichen. Attack on Titan machte einhundert Minuten lang deutlich, dass man sich zwar an der Anime- und Manga-Vorlage orientiert, sich aber weitgehend künstlerische Freiheiten lassen möchte. So geschehen auch beim zweiten Teil mit dem Untertitel End of the World, der fast nahtlos an die Geschehnisse des ersten Teils anknüpft. Nach einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse im Vorgänger folgt zunächst eine Erinnerungsszene. Eren erlebt in seiner Gedankenwelt, dass ihm und seinem älteren Bruder von seinem Vater, einem Wissenschaftler, eine Substanz gespritzt worden ist. Dass diese irgendwie damit zu tun haben muss, dass er sich neuerdings in einen Titanen verwandeln kann, dürfte für Kenner der Anime-Serie verständlich sein – kennt man die Vorlage allerdings nicht, bleibt die Szene genauso wie einige andere Stellen des Films irritierend. Vor allem aufgrund der weitgehenden Eigenständigkeit des Films würden wir von einem erfahrenen Regisseur wie Higuchi Shinji eine strukturierte und für jeden Zuschauer nachvollziehbare Handlung erwarten. Stattdessen versucht man sich noch mehr von Isayama Hajimes Werk abzuspalten – eine Katastrophe für jeden Fan.

Neue Ziele

Nach den Geschehnissen des ersten Films wird Eren in einem verlassenen Gebäude der Prozess gemacht. Er soll sich rechtfertigen, ob er nun ein Mensch oder ein Titan sei. Da am Ende des vorherigen Films der Sprengstoff, mit dem das Loch in der Mauer geschlossen werden sollte, verloren gegangen ist und dem Aufklärungstrupp kein weiteres Material zur Verfügung steht, nutzen Armin und Mikasa die Gunst der Stunde, um ihren Freund Eren zu retten. Sie erklären Kommandant Kubaru, dass jetzt nur Eren in seiner Titanenform im Stande ist, das Loch mit der Blindgängerbombe, die in der Nähe ihrer Heimatstadt liegt, zu schließen. In just jenem Moment bebt die Erde und Eren wird von einem intelligenten Titanen entführt. Hier spaltet sich die Erzählstruktur auf. Auf der einen Seite erfahren wir von Eren, wer hinter den übermächtigen Titanen steckt und auf der anderen Seite verfolgen wir Armin, Mikasa, Hanji, Sasha und Co dabei, wie sie den Blindgänger auf ein Transportmittel hieven und sich zur Mauer aufmachen. Mit der Zeit werden beide Handlungsstränge wieder zusammengeführt, wodurch neue Erkenntnisse ans Tageslicht kommen. Diese werden wir aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle nicht erläutern, doch sei gesagt, dass die unterschiedlichen Beweggründe durchaus nachvollziehbar sind. Die Hintergründe werden allerdings nicht hinreichend erklärt.

Enttäuschung für Fans

Das einzige, was dem Film wirklich gut gelingt, ist die Erklärung, woher die Titanen stammen. So erhält der Action-Film eine ganz eigene Science-Fiction-Note. Ob diese Erklärung in derselben Form in Isayamas Werk irgendwann übernommen wird, sei dahingestellt. Als alleinstehendes Werk kann der Film – bis auf etwaige offene Fragen und die Szene nach dem Abspann, die die Handlung auf eine völlig neue Metaebene hievt – durchaus unterhalten. Zumindest Nichtkenner der Vorlage werden ihren Spaß mit dem Kampf gegen die Titanen haben. Attack-on-Titan-Fans werden aber an vielen Stellen den Kopf schütteln, wenn sie sehen, was Higuchi ihrem Lieblingsfranchise angetan hat. Dies ist auch an der technischen Gestaltung zu sehen. Die Animationen der Titanen sind durchschnittlich und zudem ist jederzeit beim Bild in der Auflösung von 1080p der Einsatz von Bluescreen-Technologie zu sehen. Unter musikalischen Aspekten funktioniert der zweite Teil im Tonformat DTS-HD Master Audio 5.1 ein wenig besser als der erste Film, was auch daran liegt, dass man mit Songs wie End of the World von Skeeter Davis aus dem Jahr 1963 direkten Bezug auf den Filmtitel nimmt und die Charaktere über den Songtext philosophieren. Wer schlussendlich auf Bonusmaterial gehofft hat, wird wohl erneut enttäuscht sein. Wie schon beim ersten Teil liegt im Blu-ray-Disc-Steelbook nur ein Poster bei – abermals eine verschenkte Chance.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich würde mich selbst schon als großen Fan der Anime-Vorlage bezeichnen, denn bei dieser habe ich tatsächlich eine Folge nach der anderen verschlungen. Bei den Realverfilmungen habe ich jede einzelne Minute darauf gehofft, dass der Spuk endlich vorbei ist. Das mag man jetzt bitte nicht falsch verstehen – als ein Action-Film, der nicht den Anreiz hat, die Faszination der Vorlage einzufangen, ist Attack on Titan II: End of the World durchaus ein unterhaltsamer Film. Allerdings vergisst Regisseur Higuchi Shinji dabei, dass sich eine Verfilmung in erster Linie immer an die Fans der Vorlage richten sollte – und genau das ist hier nicht der Fall. Der zweite Teil ist noch eigenständiger als sein Vorgänger, führt Waffen wie Panzerfäuste und Maschinenpistolen in das Universum ein und liefert mit seiner zeitlichen Verschiebung in die Zukunft ein anderes Szenario. In einigen Punkten dürften künstlerische Freiheiten durchaus gemacht werden. An dieser Stelle wäre vielleicht ein Vergleich mit dem Film Super Mario Bros. von 1993 angebracht. Als eine Verfilmung des Videospiels erreicht der Film kaum sein Ziel, als Science-Fiction-Orgie aber schon. Entsprechend muss jeder für sich selbst entscheiden, wie gut oder wie schlecht er Attack on Titan II: End of the World einstuft. Für mich kommt der Film jedenfalls nicht einmal ansatzweise an die grandiose Vorlage heran, weshalb ich dringend vom Ansehen abrate.

Vielen Dank an Eye See Movies für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Attack on Titan II: End of the World!

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