Review: Mario & Luigi: Superstar Saga + Bowsers Schergen

Nachdem Nintendo im Jahr 2000 mit Paper Mario zum zweiten Mal Fuß im Rollenspielsektor bezüglich des Super-Mario-Franchises gefasst hat, legte der Konzern aus Kyōto mit Mario & Luigi: Superstar Saga direkt noch einmal nach. Jenes Spiel wurde im Herbst 2017 für den 3DS neu aufgelegt.

Unter dem Titel Mario & Luigi: Superstar Saga + Bowsers Schergen veröffentlicht, handelt es sich bei dieser Version allerdings nicht um ein einfaches Remake. Stattdessen bietet der Titel einen zusätzlichen Spielmodus, der die Spielzeit um ein paar weitere Stunden strecken kann. Das Kernspiel bleibt jedoch nahezu unverändert. Zu Beginn des Spiels tauchen Botschafter aus Bohnenland, der angrenzenden Nation neben dem Pilz-Königreich, auf. Peach, die Monarchin des Landes, darf sich aber nicht über ein Geschenk aus Bohnenland freuen, denn kaum öffnet sie die Verpackung, wird sie auch schon von grünem Dunst eingehüllt und wird vermeintlich ihrer Stimme beraubt. Immer wenn sie jetzt den Mund aufmacht, explodiert um sie herum das Schlossgemäuer. Um die Katastrophe abzuwenden und die Ursache für den Diebstahl herauszufinden, beschließen Mario und Luigi ins Bohnenland zu reisen und bekommen Unterstützung von ihrem Erzfeind Bowser. Das Reptil kann es natürlich nicht gutheißen, dass das Objekt seiner Begierde keine Stimme mehr hat und hilft seinen Konkurrenten mit seinem Luftschiff, um sie ins Bohnenland zu bringen. Die Geschichte der Superstar Saga beginnt nicht nur ungewöhnlich – sie macht deutlich, dass ein Super-Mario-Spiel nicht nur die klassische Handlung erzählen kann. Einzigartige Wendungen und überraschende Momente sorgen dafür, dass die Story aus dem Jahr 2003 auch noch im Jahr 2017 stets spannend bleibt.

Teamspiel

Um im Bohnenland voranzukommen, müssen Mario und Luigi jederzeit zusammen arbeiten. Im Gegensatz zu anderen Rollenspielen gilt es nämlich außerhalb der Kämpfe auch mit der Umwelt zu interagieren. Hin und wieder lernen die beiden Brüder neue Spezialfähigkeiten, die sie verwenden müssen. Höhere Plattformen können mit besonders hohen Sprüngen erreicht und Blöcke mit Hilfe von verschiedenen Hämmern zerstört werden. Im späteren Spielverlauf gilt es auch Rätsel mit Feuer und Elektrizität zu lösen. Viele Funktionen können nur ausgeführt werden, wenn das Duo zu zweit agiert. Solo-Ausflüge sind zwar ebenfalls möglich, sind vom Spiel dann aber strikt vorgegeben. Beispielsweise muss Luigi seinen Bruder schrumpfen, damit Mario durch ein Loch kriechen und in einem separaten Raum einen Schalter betätigen kann, woraufhin Luigi anderorts einen Hebel umlegen darf, der wiederum den Zugang zu Mario freilegt. Das Kombinieren von verschiedenen Spezialtechniken fühlt sich im Original für den Game Boy Advance noch etwas umständlich an. Wer den Titel allerdings auf dem 3DS spielt, freut sich darüber, dass das Fähigkeitswechseln nicht nur mit den Schultertasten funktioniert, sondern auch per Touchscreen möglich ist. Wahlweise wird auf diesem auch eine nützliche Umgebungskarte angezeigt, da die Spielwelt anfangs noch sehr komplex wirkt. New-Nintendo-3DS-Besitzer dürfen auf dieser sogar mit dem C-Stick des Geräts navigieren.

Kämpfe im Duo

Wenig komplex, dafür umso interessanter, fällt das Kampfsystem des Spiels aus. In rundenbasierten Kämpfen erhalten Mario und Luigi abwechselnd Befehle. Gegner dürfen mit Sprüngen, Hämmern, Feuerbällen und einigen Spezialfähigkeiten attackiert werden. Eine Besonderheit dabei ist, dass die Angriffe im richtigen Moment zeitlich abgestimmt werden müssen, indem auf den jeweiligen Aktionsknopf gedrückt werden muss. Zwar richten auch normale Angriffe Schaden an, doch nur wer eine exzellente Bewertung erreicht, kann die Kämpfe schnell hinter sich lassen. Ähnlich sieht es auch mit der Verteidigung aus, denn auch hier ist es wichtig, zum passenden Augenblick mit einem Druck auf die Aktionstaste den Angriff abzuwehren. Für beendete Kämpfe regnet es nicht nur Goldmünzen zum Einkauf von neuer Ausrüstung wie Hosen und Medaillen oder Items wie Pilzen, Nüssen oder Sirups, die zur Heilung in Form von Kraft- und Brüderpunkten notwendig sind, sondern auch Erfahrungspunkte. Haben Mario und Luigi genügend Erfahrungspunkte gesammelt, steigen sie im Level auf und verbessern zum einen automatisch ihre Statuswerte und zudem darf der Spieler auch manuell einen zufälligen Wert auf Attribute wie Angriff, Verteidigung oder Geschwindigkeit verteilen. Das System ist zwar durchaus eine nette Spielerei und auch wenn der Titel in den Kämpfen (bis auf den letzten Bossgegner) nicht sonderlich anspruchsvoll ist, spielt Glück hierbei keine kleine Rolle.

Neue Nebenhandlung dank Schergen

Ab einem bestimmten Zeitpunkt im ersten Drittel des Spiels ist es möglich, aus dem Menü die so genannte Schergen-Saga auszuwählen. Die Story dieses Spielmodus ist wunderbar in die Erzählung des Hauptspiels eingewoben, da häufig Bezug auf die Geschehnisse der Handlung gemacht wird und diese wiederum von den hier erzählten Hintergründen profitiert. Außerdem wird die Geschichte der Gumbas, Shy Guys und Bob-ombs noch besser mit Humor unterlegt, als die – dennoch vortrefflich lokalisierten – Texte von Marios und Luigis Abenteuer. Während Story und Humor überzeugen, mangelt es in den Schlachten an Tiefgründigkeit. Die Schergen steigen zwar ebenfalls im Level auf und als Kommandant dürfen auch verschiedene Befehle gegeben werden, doch laufen die zahlreichen Scharmützel weitgehend unabhängig vom Handeln des Spielers ab, wodurch das Gameplay sehr träge und mit der Zeit sogar recht zäh wirkt. Hätte man sich eher auf das Rollenspielgenre konzentriert und weniger versucht ein semimanuelles Strategiespiel in das Korsett zu zwängen, hätte der Modus eine geniale Zugabe sein können. So bleibt es bei einem netten Ausflug, der aber maximal für zehn Minuten unterhält und danach schnell in Vergessenheit geraten wird. Optisch und akustisch schlägt das Remake das Original jedoch um Längen. Schade ist nur, dass Nintendo dem Spiel keinen Tiefeneffekt spendieren wollte und so das Alleinstellungsmerkmal des 3DS nicht genutzt wird.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Game-Boy-Advance- und Nintendo-3DS-Fassung): Das Seriendebüt sorgte auf dem Game Boy Advance 2003 für lange Gesichter, da es Nintendo erfolgreich geschafft hat, neben dem Erstlingswerk der Paper-Mario-Reihe auch eine zweite Rollenspielserie zu etablieren. Es folgten mehrere Fortsetzungen für den Handheld und sogar ein Crossover beider Rollenspielserien wurde auf dem Nintendo 3DS umgesetzt. Das Remake von Mario & Luigi: Superstar Saga mit dem Zusatz Bowsers Schergen bietet inhaltlich dasselbe Paket wie schon zu Beginn der 2000er Jahre, wurde aber optisch und akustisch an so gut wie allen Stellen sehr gut aufgepeppt und mit nützlichen Funktionen wie der Übersichtskarte auf dem Touchscreen oder das Wechseln der Fähigkeiten über diesen ergänzt. Auch in puncto Erzählweise muss sich der Titel nicht vor der Konkurrenz verstecken, da durch zahlreiche Wendungen, tollen Überraschungen und einem Übermaß an Humor nicht die urtypische Prinzessinnenrettung geschildert wird. Etwas lieblos wirkt hingegen das Kapitel Bowsers Schergen, denn die Schlachten laufen weitgehend automatisiert ab. Der eigene Einsatz wird nur hin und wieder erwartet. Trotz toller Nebenstory und Humor bleibt so der Spielspaß weitgehend auf der Strecke. Außerdem ist es schade, dass der Tiefeneffekt des Handhelds für beide Spielmodi gar nicht genutzt wird. Auch wenn Nintendo im Herbst 2017 den Fokus mehr denn je auf die 2DS-Geräte legte, steht der Konzern dennoch in der Verantwortung, allen 3DS-Besitzern ein tolles Spielerlebnis zu liefern und die Funktionen der Konsole voll auszuschöpfen. Unterm Strich bleibt aber immer noch ein tolles Remake, das sowohl Kenner des Originals anspricht, als auch neue Fans finden wird, die den Titel damals verpasst haben.

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