Review: Dynasty Warriors 9

Schon seit 1997 begeistert das Dynasty-Warriors-Franchise weltweit seine Fans. Obwohl die Reihe nicht seit Anbeginn das typische Musō-Spielgefühl bietet, steht die Serie mit dem neunten Teil der Hauptreihe vor dem Scheideweg, der womöglich über die Zukunft der Reihe entscheiden kann. Ein Punkt, über den die Entwickler besser zweimal nachdenken sollten.

In Dynasty Warriors 9 schlüpft der Spieler in die Rolle verschiedener historischer Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte, allen voran dem Strategen Cáo Cāo. Diesem gelang im Jahre 192 der Sieg über die so genannten Gelben Turbane, einer großen Gruppe von Bauern, die sich über zwei Jahrzehnte in der späten Hàn-Zeit gegen die korrupte Bürokratie und die Abhängigkeit von Großgrundbesitzern auflehnten. Im Spiel werden vor allem der Werdegang von Cáo und der Ausbau seiner Armee beschrieben. Anders als in vorherigen Episoden der Dynasty-Warriors-Serie wird der Spieler allerdings nicht in verschiedene Szenearien einer großen Kampagne geworfen, sondern stattdessen in eine offene Spielwelt entlassen. So ist es möglich, ohne möglicherweise nervige Ladezeit von einer Schlacht in die nächste zu reiten und dabei das Land zu erkunden. Beim Open-World-Trend haben sich die Entwickler vor allem an Ubisoft-Titeln wie Assassin’s Creed orientiert, denn überall im alten China stehen hölzerne Aussichtstürme herum, über die nicht nur die Aussicht genossen werden darf – es werden auch wichtige Punkte in der Gegend markiert. Dies sind unter anderem Fundorte, an denen Materialien für die Herstellung von Items zu finden sind. Des Weiteren lassen sich überall in der Spielwelt kleinere Orte finden, an denen Missionen angenommen werden können, um Cáo und Co zu verbessern. Bedauerlich ist nur, dass die offene Welt abseits dessen sehr leer ist und nicht den essentiellen Mehrwert bietet, der von ihr erwartet wird.

Offene Spielwelt mit wenig Spielraum

Natürlich mag dies zu einem bestimmten Teil auch realistisch sein, denn viel spannender waren die sehr weitläufigen Landstriche Chinas im zweiten und dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung sicherlich nicht. Auf der Reise von einem Ort zum anderen befinden sich des Weiteren wichtige Knotenpunkte beziehungsweise Lager, die optional erobert werden können, damit die Armee weiter vormarschieren kann. Wirklich nötig ist dies – genauso wie die leider sehr repetitiven Nebenaufgaben von Händlern oder Dorfbewohnern – für den Spieler nicht. Das Spiel ist in puncto Schwierigkeitsgrad einsteigerfreundlich und zumindest in den Hauptmissionen angenehm gestaltet. Dennoch bietet es sich hin und wieder an, Missionen neben Erfahrungspunkten für Level-Aufstiege und Gold anzunehmen und zu bewältigen. Außerdem lohnt es sich, in der Natur zwischen Bambushainen und Steppen nach starken Gegnern Ausschau zu halten, nach Fischen und seltenen Items zu angeln, Tiger, Wölfe oder Rehe für Felle zu jagen und nach nützlichen Materialien zu suchen, um in den Städten des Landes neue Ausrüstung zu kaufen oder beim Schmied gar fertigen zu lassen. Letzteres ist allerdings meist nur möglich, wenn wichtige Aufgaben erfüllt werden, die mit den zum Herstellen nötigen Schriftrollen entlohnt werden. Nichtsdestotrotz lässt sich der Titel dutzende bis hunderte Stunden auch weitgehend durchspielen, ohne jemals weit abseits der Wege nach Geheimnissen und Extras zu suchen.

Schlacht als Ein-Mann-Armee

Eine Hauptmission unterteilt sich öfters in mehrere kleinere Aufgaben, die ebenfalls nicht alle erfüllt werden müssen. Sollte es jedoch tatsächlich mal dazu kommen, dass eine Hauptmission für den Spieler einfach viel zu schwierig ist, vermindern das Erfüllen von nebenrangigen Missionszielen den Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Schlachten. Diese können mit Mühe und Not auch noch als das Herzstück des Spiels bezeichnet werden, auch wenn sie bei Weitem nicht mehr so abwechslungsreich wirken wie noch in den Vorgängern. So wird meistens vor den Stadttoren gekämpft bis die Belagerungstürme die Mauern erreicht haben und anschließend geht es in den Straßen oder im Burghof weiter. Mit dem Enterhaken muss allerdings nicht zwangsläufig auf das Eintreffen der Belagerungstürme gewartet werden, denn so kann jedwede Mauer erklimmt werden und da alle wichtigen Spielfiguren dank der schwachen künstlichen Intelligenz der Soldaten auf beiden Seiten als Ein-Mann-Armee fungieren, lässt sich in Dynasty Warriors 9 auch so jede Menge Chaos anstellen. Die Kämpfe fühlen sich dabei aber in der Regel sehr gleich an und nur selten gibt es Unterpunkte wie das Öffnen eines Zwischentores oder das Beschützen eines Mitstreiters zu erfüllen: Der Sieg ist dem Spieler so in fast allen Fällen sicher. Das Erobern und Halten von verschiedenen Positionen, die die Schlachten in vorherigen Serienteilen so episch machten, entfällt im neunten Ableger ganz.

Verbesserungen im Kampfsystem

Immerhin funktioniert das Kampfsystem ein wenig besser als in vergleichbaren Musō-Titeln. So ist es nicht nur möglich, mit wirklich abwechslungsreichen Waffentypen und nur zwei Angriffstasten auf dutzende Gegner gleichzeitig loszugehen, sondern auch weitere Attacken auf die Feinde zu entfesseln. Diese werden mit Schwert, Lanze und Co in die Luft oder zu Boden geschmissen, bewegungsunfähig gemacht und anschließend mit richtig vielen kleinen Angriffen malträtiert. Die typischen Musō-Angriffe, die eine Hundertschaft an gegnerischen Soldaten umschmeißen können, sind ebenfalls enthalten und sind besonders im dichtesten Kampfgerangel sehr nützlich, kosten aber nach wie vor immer noch einen guten Teil der Musō-Leiste. Wer im Fernkampf agieren will, darf auch einen Bogen und verschiedene Pfeilsorten zücken. Dennoch ist es schade, dass die Schlachten – bis auf die meistens interessanten historischen Schauplätze – in den Lagern genau gleich ausfallen. Auf Dauer stört dieses repetitive Gameplay enorm, sodass sich der Spieler wohl schnell dabei ertappen wird, immer dann, wenn es möglich ist, aus dem Menü heraus die Schnellreise zum nächsten Kampfschauplatz zu aktivieren und damit die Illusion einer offenen Spielwelt eigenhändig einzureißen. Obwohl zumindest die Schlachten in den Städten und Burgen einigermaßen unterhaltend sind, fehlt es auch hier an Abwechslung oder spielerischer Auswirkungen. Die historisch belegte Überflutung von Fánchéng wird vom Spieler zwar ausgelöst, doch mit den logischen Wassermassen hat dieser in der anschließenden Schlacht nicht zu kämpfen.

Desaströse Technik

Ulkigerweise verfügt das Spiel über zwei unterschiedliche Anzeigen: Auf der einen Seite gibt es den Filmmodus und auf der anderen Seite den Grafikmodus. Von Vornherein ist der Filmmodus eingestellt und sorgt dafür, dass das Spiel selbst in jenen Momenten, in denen nicht viel auf dem Bildschirm passiert, mehr oder weniger stark ruckelt – und das bei einer grafischen Darstellung, die sich etwa auf PlayStation-3-Niveau befindet. Der Grafikmodus sorgt zwar dafür, dass die Bildwiederholungsrate gleichbleibender ist, doch auch hier gibt es vor allem in Innenräumen und beim Bekämpfen hunderter Gegner, was nun mal keine Seltenheit ist, leichte bis mittelschwere Framerate-Einbrüche. In den großflächigen Städten mindern fehlende Nicht-Spieler-Charaktere zwar die Atmosphäre, doch fördern zumindest der Aufbau und die chinesische Architektur ein wenig die Präsentation. Die Zwischensequenzen sind hingegen serientypisch gut inszeniert. Unterlegt wird alles mit einem schönen Soundtrack, der die Schlachten in Adrenalin tränkt und in den Städten erholend wirkt. In puncto Sprachausgabe sind die chinesischen Sprecher zu empfehlen, denn obwohl auch die japanischen Sprecher ihren Charakteren reichlich Leben einhauchen, zwängen sie alle chinesischen Namen in die silbenbetonte Sprechweise. Von den englischen Sprechern sollte jedoch Abstand genommen werden, denn wenn Yuè Jìn wie „Eugene“ oder der Nachname Cáo wie „Cow“ ausgesprochen wird, vergeht einem zusammen mit den restlichen Defiziten von Dynasty Warriors 9 schnell die Lust auf die nächste Schlacht. Ein spielspaßerweiternder Mehrspielermodus fehlt komplett.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Es gibt nur wenige Punkte, die in Dynasty Warriors 9 auch länger als zwei bis drei Spielstunden tatsächlich Spaß bereiten können. Allen voran unterstützt die sehr politische Handlung die Spannung, die mit jeder gewonnenen Schlacht oder mit dem Auftauchen eines neuen Feindes am Horizont wächst und Lust auf die Fortführung der Geschichte macht. Des Weiteren gefallen trotz der Leere die chinesischen Städte und Burgen, die auch abseits der Schlachten besucht und untersucht werden können und mit einem malerischen Soundtrack unterlegt sind. Zu guter Letzt wäre da das Kampfsystem, dass sich gut und vielseitig anfühlt. Dennoch können diese Punkte das Gesamtpaket nicht maßgeblich verbessern, denn die offene Spielwelt ermüdet mit ihrer Leere und stets gleichen Nebenmissionen, die in der Regel mit dem Töten von irgendwelchen Räubern oder dem Erlegen von Tieren endet. Des Weiteren sind die Schlachten nicht mehr so dynamisch und abwechslungsreich wie in vorherigen Ablegern. Das Todesurteil des Spiels hat schließlich der fehlende Mehrspielermodus unterzeichnet. Sowohl lokal als auch online können keine Schlachten mit Freunden geschlagen werden, sodass es keinen Grund gibt, das Spiel abseits des hunderte Stunden langen Einzelspielereinheitsbreis überhaupt anzuschmeißen. Sowohl neue Spieler, die in das Franchise hineinschnuppern wollen, als auch alte Fans der Reihe, die seit Jahren auf einen Nachfolger warten, werden von Dynasty Warriors 9 enttäuscht. Jetzt bleibt zu hoffen, dass Koei Tecmo die Weichen für die Zukunft der Reihe richtig stellt und nicht an einem Konstrukt festhält, das in dieser Form so nicht funktionieren kann.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dynasty Warriors 9!

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