Review: Fe

Electronic Arts steht bei so manchem Videospieler im Verruf, Jahr für Jahr nur den bekannten Einheitsbrei bekannter Marken zu veröffentlichen. Mit Fe veröffentlicht das Unternehmen ein Spiel vom „unabhängigen“ Entwicklerstudio Zoink und beweist Kritikern damit das Gegenteil.

In Fe schlüpft der Spieler in die Haut des titelgebenden und fuchsähnlichen Geschöpfs. Als im Wald eines Tages maschinenartige Wesen auftauchen, die Tiere einfangen und versklaven, kann Fe nicht tatenlos zu sehen und zieht in den Kampf gegen die so genannten Geräuschlosen, um die Waldbewohner aus deren Fängen zu befreien. Unterstützung erhält Fe dabei von anderen Tieren, sobald Freundschaft mit den scheuen Lebewesen geschlossen wurde. Dies entpuppt sich für Fe jedoch schwieriger als gedacht, denn jedes Tier spricht eine andere Sprache beziehungsweise gibt andere Laute von sich. Entsprechend muss das Vertrauen erst einmal aufgebaut werden, indem beispielsweise einer Vogelmutter ihre von den Geräuschlosen gestohlenen Eier zurückgebracht oder einer Wildschweinfamilie bei der Wiedervereinigung geholfen wird. Als Dank lehren diese Tiere Fe in ihrer Sprache zu kommunizieren. So kann Fe mit den jeweiligen Arten sprechen und sie um Hilfe beim Kampf gegen die Maschinen bitten. Außerdem reagiert die Flora auf die unterschiedlichen Geräusche. Mit Vogelgezwitscher öffnen sich bestimmte Pflanzen und geben Samen preis, die wiederum nützlich sind, um die schattenartigen Geflechte, die den Opfern der Geräuschlosen als Gefängnis dienen, zu zerschlagen. Durch lautes Gebrüll lässt sich hingegen die Funga in dunklen Ecken erhellen.

Als die Tiere den Wald verließen

Alleine auf dieser Basis wird der Puzzle-Charakter des Spiels deutlich. Dies sind jedoch nicht die einzigen Fähigkeiten, die Fe lernen kann. Überall in der Spielwelt, die sich aus Wäldern, Tälern, Berggipfeln, Höhlen und einer Küstenregion zusammensetzt, lassen sich abseits der Wege Kristalle finden. Jedes Mal, wenn der Spieler mit Fe genügend Kristalle eingesammelt hat, lehrt der große Baum im Zentrum der Spielwelt Fe eine neue Fähigkeit. Plötzlich kann Fe auf Bäume klettern, wie ein Flughörnchen durch die Lüfte gleiten oder mit einem etwas höheren Tempo rennen. Die Kombination dieser Elemente erinnert ein wenig an Titel wie Metroid oder The Legend of Zelda, die ebenfalls stark darauf setzen, dass mit der Zeit neue Fähigkeiten gelernt beziehungsweise verschiedene Techniken mit Hilfe von Items eingesetzt werden können, um schließlich neue Bereiche in der Spielwelt zu erreichen. Fe funktioniert im Grunde zwar ganz genauso, doch ist das Spiel bis zum Finale recht linear aufgebaut und nur sehr langsam erreicht die Spielwelt die Tiefe, wie sie vergleichbare Titel bieten. Wer nach fünf bis sechs Stunden den Abspann „spielt“, hat aber bei Weitem noch nicht alles vom Spiel gesehen. Selbst nachdem die Stille im Wald zurückgekehrt ist, können noch etliche Kristalle gesammelt, mysteriöse Inschriften aufgedeckt und Helme von Geräuschlosen aufgespürt werden.

Herz am rechten Fleck

Sowohl die Inschriften als auch die Helme der Geräuschlosen sind neben den Zwischensequenzen, die den Zwist zwischen den Maschinen und den Tieren thematisieren, die einzigen Anhaltspunkte einer Handlung. Untertitelte Gespräche zwischen den Tieren gibt es nämlich nicht: Alles muss anhand von Bildern oder Visionen analysiert oder gar verdaut werden, da die Visionen aus Sicht der Geräuschlosen stammen. Das Spiel ist von Beginn an leicht zugänglich, denn weder die Spielsituationen sind sonderlich schwierig zu meistern noch ist die Spielfigur besonders knifflig zu steuern. Einzig und allein das Einstellen der richtigen Tonfrequenz beim Erstkontakt mit anderen Tieren per analoger Schultertasten ist in seltenen Fällen etwas nervig. Dafür entschädigt jedoch das wirklich sehr schöne Artdesign des Spiels, denn fast alle Elemente und Formen sind eckig gestaltet. Hinzu kommt eine nette Spielerei mit verschiedenen Farben beziehungsweise Farbtönen, die es mit hellen und dunklen Tönen schaffen, verschiedene Gefühle wie Freude oder Unbehaglichkeit beim Spieler zu wecken. So führt Fe den Spieler auf eine Reise durch einen verträumten Wald; eine Reise, die sich anders anfühlt, als sonstige Spiele von Electronic Arts. Das Gameplay des schwedischen Spiels mag zwar relativ austauschbar sein, doch hat das Spiel genau die Seele, die so vielen anderen Titeln fehlt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Fe ist ein Action-Adventure, das nicht mit dem aktiven Kampf gegen Feinde, sondern mit einer Reise durch eine malerische Spielwelt begeistern will. Diese Intention gelingt dem schwedischen Entwicklerstudio Zoink wirklich sehr gut, da die Welt mit ihren eckigen Formen und stets zur Situation passenden Farbtönen und einem wunderbaren Soundtrack dafür sorgt, dass der Spieler die Gefühlswelt des Waldes mitsamt seiner Bewohner tatsächlich nachempfinden kann. Das Erlernen von neuen Fähigkeiten und Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen Tieren macht das Abenteuer zu einem wahren Genuss, obwohl der Schwierigkeitsgrad kaum leichter sein könnte. Fe zielt auf Zugänglichkeit und auf eine Auseinandersetzung mit lebensfeindlichen Bedrohungen ab und erreicht dieses Ziel mit Bravour. Wer unbedingt Action in einem Spiel benötigt, wird mit Fe nicht viel anfangen können – wer jedoch für einige Stunden vor dem Bildschirm abschalten möchte, wird mit Fe in den Genuss genau dieses langsamen und verträumten Abenteuers kommen, das andere Titel nicht in dieser Form bieten können.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fe!

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