Review: One Piece: Strong World

Nachdem der achte und der neunte Film des One-Piece-Franchises Geschichten, die in der Anime-Serie bereits stattfanden, zusammengefasst oder gar neu interpretiert haben, handelt es sich beim zehnten Kinofilm der Reihe wieder um ein gänzlich eigenständiges Werk.

In One Piece: Strong World machen die Strohhüte Bekanntschaft mit Piratenkapitän Shiki. Dieser greift im Eastblue Inseln, Dörfer und Städte an und macht sie dem Erdboden gleich. Der Grund dafür ist denkbar einfach: Er möchte die Weltregierung stürzen und muss dafür erst einmal Angst und Schrecken auf den Weltmeeren verbreiten. Da der Eastblue laut eigenen Aussagen kaum eine Bedeutung hat, ist es ihm auch gleich, zu welchen Mitteln er für die Verwüstungen greifen muss. Da Shiki einst von der Schwebefrucht gegessen hat, verfügt er über die Fähigkeit, alle Objekte, die er einmal berührt hat, schweben zu lassen und zu kontrollieren. So und nicht anders war es ihm möglich, sein Piratenschiff zu einem waschechten Luftschiff umzufunktionieren. Ein weiterer Vorteil davon ist auch, dass er der Marine jedes Mal entwischen konnte und so zwischen den Meeren und der weltumspannenden Grandline jederzeit wechseln kann. Während einer kurzen Verschnaufpause von seiner Zerstörungswut verschlägt es ihn und seine Crew auf die erwähnte Grandline, wo er auf Ruffy und seine Bande trifft. Überrascht davon, dass Navigatorin Nami einem Sturm entgehen kann, den seine Navigatoren nicht kommen sahen, beschließt er kurzerhand, sie zu entführen und den Rest der Strohhüte in einen Hinterhalt auf einen Archipel bestehend aus schwebenden Inseln zu locken.

Eine total, total verrückte Welt

Auf den schwebenden Inseln müssen die Strohhüte erfahren, dass ein mysteriöses Gewächs dafür sorgt, dass sich die Fauna unabhängig vom Rest der Welt entwickelt. So müssen es die Freunde nicht nur mit menschlichen Widersachern aus Shikis Piratenbande, sondern auch mit tierischen Gegnern aufnehmen. Überall kreucht und fleucht es: Riesige Tiger machen Jagd auf Sanji und Lysop, gigantische Bären und giftige Riesenskorpione wollen wiederum Ruffy ans Leder und Brook macht die Bekanntschaft mit gefräßigen Ameisen, die einen kolossalen Fisch im Nu bis auf die Knochen verputzen. Ein Glück, dass ein Skelett nicht mehr mit Fleisch bieten kann! Nami, die im Palast von Shiki eingesperrt wird, lernt dort hingegen die elektrisch-geladene Ente Blitzi kennen, mit der sie schnell Freundschaft schließt und versucht, aus dem Gebäude zu entkommen, um sich wieder mit ihren Freunden zusammenzutun, die getrennt voneinander auf dem Archipel nach ihr suchen. Die Welt, in der der zehnte Film von One Piece spielt, ist durchaus faszinierend. So wachsen den Menschen, die auf den Inseln leben, seit geraumer Zeit sogar Flügel aus den Armen. Weitere interessante Entwicklungen wie riesige Schnecken, die mit ihren Augen das aktuelle Geschehen aufzeichnen und an Shikis Zentrale wie eine Überwachungskamera weiterleiten, runden das ulkige Paket sehr gut ab.

Tolle Technik, dünner Soundtrack

Überraschungen gibt es im Film allerdings kaum. One-Piece-Fans kommen dennoch auf ihre Kosten, da sowohl der typische Humor zur Geltung kommt als auch die bekannten Themen auf gewohnte Art und Weise gelöst werden. Im Gegensatz zur Anime-Serie, die eine reine Fernsehproduktion darstellt, kann der Kinofilm dank seines höheren Budgets auch auf der technischen Ebene noch ein wenig mehr begeistern. Wenn Sanji sich bei einem Angriff dreht oder Ruffy seine Arme für eine Attacke streckt, wirkt das im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p wesentlich dynamischer und mitreißender, als es die Serie auch so schon schafft. Selbst die Farben wirken satter und Spezialeffekte wie Schneefall berühren einen als Zuschauer wesentlich mehr als die Schneeflocken aus dem Fernsehen. So sehr uns der Film mit seinem Bild verzaubern möchte, so wenig schafft er es mit seiner akustischen Untermalung. Oft verkommt die Musik im Hintergrund und ist nur in wenigen Momenten kräftig genug, um die Situationen zu untermauern. Ein Ärgernis ist vor allem die Opening-Melodie, die unpassender für One Piece nicht sein könnte. In der deutschen Veröffentlichung fehlt zudem das Ending-Lied völlig – der Abspann, bei dem jeder das Abenteuer mit einem tollen Song noch einmal für sich Revue passieren lässt, bleibt daher leider stumm.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): One-Piece-Fans, die nicht nur die Abenteuer der Strohhüte auf der Grandline verfolgen, sondern auch regelmäßig die Kinofilme konsumieren, können One Piece: Strong World entweder direkt nach Episode 383 oder 384 einordnen. Der zehnte Film erzählt kein Wunderwerk einer Geschichte, dafür ist er mit 113 Minuten für die Dimensionen, die die Anime-Serie vorgibt, einfach viel zu kurz. Dennoch ist die Handlung jederzeit spannend und bietet dank der typischen Aufteilung der Charaktere viel Raum, um die faszinierende Welt des schwebenden Inselarchipels aus verschiedenen Blickwinkeln auch als Zuschauer zu erkunden. Riesige Tiere und durchtriebene Bösewichte stellen sich den Strohhüten abermals in den Weg. Obwohl die verschiedenen Auseinandersetzungen so auch schon dutzende Male in der Serie zu sehen waren, können die Kämpfe zwischen den Charakteren begeistern. Schade ist nur, dass vor allem die Sprücheklopfer Zorro und Sanji zu wenig Raum bekommen, um sich gegenseitig anzufauchen. Es ist klar ersichtlich, dass vor allem das zentrale Thema Freundschaft im zehnten Film behandelt wird und das macht weitgehend keinen Halt vor den Zankereien der Freunde. Dafür entschädigen tolle Schauplätze wie der Palast von Shiki, der nach Vorbild japanischer Architektur entworfen wurde. Wer abseits der Serienhandlung ein weiteres Abenteuer mit den Strohhut-Piraten erleben will, ohne dass ein Kampf in die Länge gezogen wird, kommt um One Piece: Strong World aus dem Jahr 2009 absolut nicht herum!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von One Piece: Strong World!

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