Review: Turmoil

Ob heute noch jemand ein Ölmagnat wie John Ross Ewing aus der Fernsehserie Dallas sein möchte, ist vermutlich fraglich. Dennoch bietet das PC-Spiel Turmoil und seiner Erweiterung Turmoil: The Heat is on die Möglichkeit, als solcher die Geschicke eines  Unternehmens zu leiten, das sich am Ende des 19. Jahrhunderts dem Ölgeschäft verschreibt.

Eine großartige Hintergrundgeschichte gibt es in der Wirtschaftssimulation Turmoil nicht. Zu Beginn sucht sich der Spieler aus, ob er in die Rolle von Joshua, Ricardo, Daisy oder Blanche schlüpfen möchte. Zwar haben alle Charaktere ihre persönlichen Hintergrundgeschichten, die im Charakterauswahlbildschirm auch erwähnt werden, doch spielerische Auswirkungen hat die Wahl der Spielfigur nicht. Sowohl die Geschichte, als auch die Fähigkeiten bei der Rohölsuche sind bei jedem Charakter gleich. Nach dieser „schwierigen“ Entscheidung geht es dann auf eine Reise durch ein Land, das entfernt an den Westen Nordamerikas erinnert. Unter anderem werden Weidelandschaften, Wüsten oder schneebedeckte Gebiete erforscht. Ausgangspunkt von Turmoil ist eine Westernstadt, in der zu Beginn des Abenteuers der Reihe nach neue Gebäude hinzukommen, die elementare Auswirkungen auf das eigene Spielverhalten haben. Im Rathaus der Stadt begrüßt der Bürgermeister und führt quasi in jeder Runde in das Spiel ein, denn bei ihm werden die Parzellen ersteigert, auf denen später nach Öl gebohrt werden darf. Am Anfang ist es noch relativ egal, welche Parzelle nun in Angriff genommen wird, doch nach und nach wird die Größe des Ölvorkommen einer ausgebeuteten Parzelle auf der Übersichtskarte markiert, sodass spätestens ab der zweiten Parzelle etwas Taktik ins Spiel kommt – schließlich will jeder so viel Erdöl wie nur möglich für einen hohen Gewinn fördern.

Suche nach dem schwarzen Gold

Aus der zweidimensionalen Seitenansicht wird in Turmoil das Öl gewonnen. Um zu erkennen, wo die Ressourcen im Boden stecken, werden Wünschelrutengänger über die Oberfläche gescheucht, die fast immer zielsicher den Punkt markieren, wo ein Ölbohrturm errichtet werden sollte. Im späteren Verlauf des Spiels kommen noch ein Radar oder Maulwürfe hinzu, die für das Aufdecken der Bodentextur genutzt werden können. Sobald ein Bohrturm errichtet ist, gilt es die Rohre in den Boden zu verlegen. Ist das Vorankommen über die Rohre mit dem Bohrturm endlich verknüpft, muss das geförderte Öl mit einem Pferdewagen zur linken oder rechten Firma auf der Karte transportiert werden. Beide Firmen zahlen unterschiedliche Beträge für ein Fass Rohöl und da die Preise sich über das laufende Jahr, das eine Spielpartie von circa zwanzig Minuten darstellt, immer wieder verändern, ist es ebenfalls nützlich, ein Silo für das geförderte Öl zu errichten. Immerhin ist ein Dollar pro Barrel schon wesentlich mehr als mickrige zwanzig Cents für die gleiche Menge. Hinzu kommt, dass auch ein Darlehen von der Bank jederzeit genutzt werden kann, wenn das Kapital erschöpft ist. Grundsätzlich funktioniert das Spielprinzip von Turmoil, das im späteren Kampagnenverlauf auch mit der Suche nach Diamanten oder Erdgas erweitert wird, grundsätzlich gut. Schade ist nur, dass jede Partie unabhängig vom Kapital stets mit zweitausend Dollar und somit oft recht gleich beginnt.

Einsteigerfreundliche Langzeitunterhaltung

Trotzdem verläuft keine Partie wie die andere, denn im Untergrund der Parzellen lauern auch Gesteinsschichten, die das Bohren nach dem schwarzen Gold erheblich erschweren. Wer vorher keinen Bohrer von seinem ersparten Geld erworben hat, beißt hier förmlich auf Granit – und zahlt sich für die Umlegung der Rohre dumm und dusselig. Turmoil bietet ein süchtigmachendes Spielgefühl, das in einem Atemzug mit Heroes of Might and Magic und Co genannt werden kann. Kaum ist das Öl auf einer Parzelle erschöpft, wollen auch schon die Rohstoffe auf der nächsten Karte geplündert werden. Wer genug von der angenehmen und einsteigerfreundlichen Einzelspielerkampagne genug hat, kann sich auch zwischendurch im Einzelspiel oder an der wöchentlichen Herausforderung versuchen. Noch mehr Spielspaß bietet allerdings der kostenpflichtige Zusatzinhalt The Heat is on. In diesem startet der Spieler mit einem sechsstelligen Betrag und kann sich so in einer neuen Stadt gleich mit den nötigen Werkzeugen zum Ölbohren ausstatten. Optisch erinnert der Titel zwar am ehesten an Browserspiele aus den 2000er Jahren, doch spielt die fast schon spartanische Gestaltung der Steuerung wunderbar in die Hände, da der Titel so gut wie nur mit der linken Maustaste bedient wird. Zusammen mit dem Soundtrack und den liebevollen Soundeffekten kommt wahrlich Freude auf.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Turmoil ist ein Spiel, das mit seinem süchtigmachenden Spielprinzip sowohl langfristig als auch für eine Runde zwischendurch wunderbar unterhalten kann. Das liegt vor allem am simplen Spielprinzip. Wie Ölbohrturme gebaut und Rohre verlegt werden, erklärt Turmoil in zwei Sätzen und kaum ist der Grundstein gelegt, wird das Geschehen peu á peu mit weiteren Funktionen sinnvoll erweitert, die ebenso verständlich ihren Weg ins Spiel finden. Es ist wirklich überraschend und überragend, wie Werkzeuge wie ein Bohrer oder ein Radar das Gameplay über Stunden hinweg fundamental verbessern. Selbst größere Silos, schnellere Pferde und breitere Rohre machen schnell deutlich, wie viel angenehmer sich Turmoil mit der Zeit spielen lässt. Einziger wirklicher Kritikpunkt ist jedoch, dass jede Partie mit zweitausend Dollar beginnt und so vor allem der Anfang der Erschließung einer Parzelle sich stets sehr ähnlich anfühlt. Vor allem da die Aktionen der Computergegner nur in der Summe des Gewinns nach einem Spieljahr sichtbar sind und kein kompetitiver Mehrspielermodus vorhanden ist, ist dieser Schritt eher unverständlich. Wer über einige Nachmittage hinweg unterhalten werden will oder eine Ablenkung für die Mittagspause sucht, liegt mit Turmoil und dem kostenpflichtigen The Heat is on goldrichtig.

Vielen Dank an Gamious für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Turmoil und Turmoil: The Heat is on!

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