Review: Tōkyō Ghoul: Jack & Pinto

In den Jahren 2013 und 2015 liefen die beiden Staffeln der Anime-Serie Tōkyō Ghoul im japanischen Fernsehen. Noch 2015 folgten in Japan gleich zwei Original Video Animations, die hierzulande nicht getrennt, sondern Ende 2017 zusammen auf einer Blu-ray Disc ausgeliefert wurden.

Auf dem Datenträger schlummern die beiden Original Video Animations Tōkyō Ghoul: Jack und Tōkyō Ghoul: Pinto. Erstgenannte Original Video Animation spielt im 13. Bezirk der japanischen Hauptstadt Tōkyō und beginnt mit einem Mord an einem nicht näher definierten Opfer. Zeitlich ist die Original Video Animation zwölf Jahre vor den Geschehnissen der Serie einzuordnen, sodass der spätere Ermittler Fura Taishi hier noch als Oberschüler zu sehen ist. Er wird als unruhiger Geist charakterisiert und ist dem Leistungsdruck der Schule nicht gewachsen, sodass er im Unterricht seinen Mitschüler Arima Kishō angreift. Des Weiteren stellt Taishi seine Entscheidung, sein Baseball-Training aufzugeben, in Frage. In der Nacht streift eine mit einem Kürbiskopf inklusive flammender Augen maskierte Person durch die Gassen der Metropole und tötet wahllos Menschen. Da Taishi die meiste Zeit ohnehin in der Gegend herumlungert, stoßen die beiden ungleichen Figuren aufeinander. Während des Kampfes wird Taishis Freundin Sasada Aki verletzt und sein Freund Ryō gar getötet. In jenem Moment taucht Kishō auf, um Taishi zu unterstützen. Er erklärt ihm, dass er ein Ghulermittler ist, der die Aufgabe hat, Ghule aufzuspüren und zu töten. Taishi schließt sich ihm und Minami Uruka an, um Jagd auf den als „Laterne“ bezeichneten Ghul mit dem Kürbiskopf zu machen. Die durchdachte Story wird binnen dreißig Minuten mit Wendungen und Überraschungen gut erzählt.

Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Während Tōkyō Ghoul: Jack das alltägliche Leben mit all seinen Freuden der Arbeit als Ghulermittler mit den verbundenen Leiden gegenüberstellt, stehen in Tōkyō Ghoul: Pinto besondere Persönlichkeiten im Mittelpunkt der Erzählung. Auch diese Original Video Animation beginnt mit einem Mord: Der Ghul Tsukiyama Shū, den Fans der Serie als den „Gourmet“ kennen, tötet gleich zu Anfang der 24-minütigen Original Video Animation einen Jogger. Beim Verzehr seiner Mahlzeit wird er von der kleinen Hori Chie überrascht, die ein Foto von ihm schießt. Zwar ist Shū wütend auf sie, doch mit ihrem fröhlichen Temperament hört sie nicht auf, weitere Fotos von ihm zu schießen und so kommt es dazu, dass Shū sie nicht tötet, sich die beiden stattdessen mehr oder weniger anfreunden und schließlich in einem Café landen. Die Kommunikation fällt Shū schwer, da Chie ständig abgelenkt wird – mit der Zeit findet er jedoch mehr über sie heraus. Ihre schulischen Leistungen sinken zunehmend, da sie sich vor allem auf die Fotografie stürzt. Statt den Unterricht zu besuchen, verbringt sie ihre Zeit viel lieber unter freiem Himmel und knipst Bilder von Tieren, Pflanzen, ihrer Umwelt und natürlich von Shū. Hauptsächlich wird versucht, das Dasein der Ghule, die in ihrer Situation festgefahren sind, auf Chie zu übertragen. In dem Moment, in dem Shū sie zu einem nächtlichen Treffen einlädt, schwenkt die Handlung allerdings ein wenig ab ins Makabere.

Grandioses Doppelpack

Unter technischen Aspekten überzeugen beide Original Video Animations, da sie der Qualität der Anime-Serie in nichts nachstehen. Sämtliche Darstellungen von Gebäuden, Innenräumen und sogar zerstörten Häuserruinen mit eingeschlagenen Fenstern und am Boden liegenden Glasscherben zaubern in der Auflösung von 1080p im bildschirmfüllenden 16:9-Format ein romantisches Bild auf die Mattscheibe, das noch dazu oft mit einem malerischen Himmel unterlegt wird. Dunkle Gassen sorgen hingegen für eine undurchsichtige Kampfentwicklung, die mit schönen Effekten wie dem Wachsen von Körperteilen aus der Haut der Ghule oder das Ziehen von Waffen durch die Ermittler unterlegt werden. Hinzu kommen schöne Lichteffekte, ausgelöst durch Reklametafeln in der Nacht, dem Sonnenuntergang oder dem Mondlicht, das die Charaktere tangiert und ihre Modelle so noch viel besser mit den Umgebungen harmonieren lassen. Auf der akustischen Seite beeindrucken die beiden Original Video Animations ebenfalls, denn beide Tonspuren liegen im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 vor, was dazu führt, dass die akustische Kulisse des Sommers mit dem Zirpen der Zikaden oder in der Nacht die Sirenen von Streifenwagen das typische Stadtrauschen durchbrechen. Die Musik wird oft von melancholisch wirkenden Klavierklängen oder durch klassische Musik begleitet. Hinzu kommen zwei hervorragende Synchronfassungen auf Deutsch und Japanisch, sowie ein 16-seitiges Booklet, das die einzige Sonderausstattung des Doppelpacks darstellt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Während die erste Staffel wirklich in ihren Bann gezogen hat, hat die zweite Staffel das Problem gehabt, sich zu stark von der Manga-Vorlage zu entfernen und konnte aus diesem Grund leider nicht mehr so gut überzeugen. Das sieht bei den beiden Original Video Animations wiederum anders aus. Sowohl Tōkyō Ghoul: Jack als auch Tōkyō Ghoul: Pinto bieten jeweils eine spannende oder zumindest interessante Geschichte, die unabhängig voneinander funktionieren. So kann die Handlung des Franchises einerseits aus dem Blickwinkel der Ermittler und andererseits auch aus der Sicht der Bösewichte gut erzählt werden. Hinzu kommt, dass die technische Gestaltung der Original Video Animations der Qualität der Anime-Serie entspricht. Vor allem der Einsatz von Lichteffekten und der bewusst verwendeten Akustik machen beide Werke zu einem Genuss. Kenner der Anime-Serie oder des Mangas werden sich hier sofort heimisch fühlen und sollten unbedingt zuschlagen. Wer jedoch noch keine Erfahrung mit dem Tōkyō-Ghoul-Universum gesammelt hat, sollte sich zumindest die erste Staffel der Anime-Serie vorher anschauen, denn obwohl beide Storylines auch unabhängig von der Serie verstanden werden dürfen, können so viele beiläufige Details einfach nicht registriert werden und das haben die beiden wirklich sehr schönen Original Video Animations einfach nicht verdient.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul: Jack & Pinto!

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