Review: Far Cry 5

Spätestens seit Far Cry 3 gehört die Ego-Shooter-Reihe zu den beliebtesten Franchises von Ubisoft. Im fünften Teil der Hauptreihe, an dem gleich sechs Entwicklerstudios beteiligt waren, konfrontiert das französische Unternehmen die Spieler mit dem Thema Sektenkult.

Im fiktiven Hope County im US-Bundesstaat Montana hat Joseph Seed sich zu einem religiösen Führer auserkoren und schart gemeinsam mit seinen Kindern willensschwache Menschen um sich. Seine Glaubensgemeinde entwickelt sich mit der Zeit immer mehr zu einer radikalen Sekte, die sich aktiv gegen die letzten Bewohner des Landkreises richtet. Um die bösen Machenschaften des „Vaters“, wie Joseph Seed sich gar selbst bezeichnet, zu stoppen, wird ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Der Spieler gehört zu dem Spezialeinsatzkommando, der sich dem Sektenführer annehmen soll. Zunächst scheint die Verhaftung zwar wie geplant zu funktionieren, doch der Helikopter, der das Team sicher aus Hope County bringen soll, stürzt ab. Auf der einen Seite gelingt Joseph Seed die Flucht und andererseits muss auch der Spieler die Beine in die Hand nehmen, um aus der Situation zu fliehen. Über kurz oder lang trifft der Spieler auf den so genannten Widerstand, mit dem er sich verbündet und Aufträge für diesen erfüllt. Der Reihe nach werden Stützpunkte übernommen, Sektenmitglieder ausradiert und die Ordnung in allen drei Teilen des Bezirks wieder hergestellt. Dies geschieht – wie für das Genre und die Far-Cry-Reihe üblich – mit brachialer Waffengewalt, sodass die Handlung schnell zur Nebensache verkommt und an deren Stelle ein phänomenales Action-Feuerwerk tritt.

Action, Action und Action

Kaum wird der Spieler aus dem Einführungsgebiet entlassen, muss er sich mit den dort erlernten grundlegenden Kniffen in der offenen Spielwelt von Far Cry 5 zurechtfinden. Um an die Seed-Familie herantreten zu können, muss der Spieler allerhand Chaos stiften. Dazu zählt das Einnahmen von Stützpunkten der Sekte, das Befreien von unschuldigen County-Bürgern, das Sprengen von Silos und selbstverständlich das Erfüllen der Aufträge von Widerständlern. Es ist jedoch nicht so wie in anderen Open-World-Spielen, dass der Spieler seelenruhig von einem Auftrag zum nächsten hechten darf – stattdessen bekommt er es auch unterwegs andauernd mit einfachen Sektenmitgliedern zu tun, die etwa am Straßenrand kurz davor stehen, Unschuldige und Wehrlose zu töten, in Lieferwagen Gefangene und in Trucks wertvolle Waffen transportieren oder sich Schießereien mit dem Widerstand leisten. Es lohnt sich definitiv, an diesen Aktionen teilzunehmen, da auf diesem Weg öfters neue Informationen zusammenkommen. Beispielsweise erfährt der Spieler so, wo es in Hope County neue Aufträge für ihn gibt oder wo Verstecke mit wertvoller Beute auf ihn warten. Far Cry 5 lässt kaum eine Sekunde zum Verschnaufen. So entwickelt sich auf der einen Seite ein unermüdlicher Spielfluss, der auf der anderen Seite jedoch mit auf Dauer leider sehr repetitiven Aufgaben erkauft wird.

Erinnerungswürdige Momente

Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen wie die Zurückeroberung eines mit Maschinenpistolen ausgerüsteten Trucks; einer Mission, bei der zunächst ein halbes Dutzend Sektenmitglieder ins Nirwana gepustet, danach ein Schlüssel für die Lagerhalle gefunden und dann noch ein paar Kilometer lang eine Straßensperre nach der anderen durchbrochen werden muss. Diese Aufträge bleiben auch nach dem Abspann im Gedächtnis, kommen in Far Cry 5 aber tatsächlich selten vor. Ubisofts Ego-Shooter ist eine Spielwiese, auf der der Spieler Hope County so erkunden kann, wie er möchte – schließlich steht von Beginn an der komplette fiktive Landkreis im US-Bundesstaat Montana offen und da hinter jedem Baum und hinter jedem Hügel eine neue Sehenswürdigkeit darauf wartet entdeckt zu werden, ist es sehr leicht, trotz Wiederholungen im Spielfluss, sich in der Welt zu verlieren. Insbesondere die Prepper-Verstecke mit ihren Belohungen nach dem Durchkämmen dieser lockern den Action-Alltag auf, denn diese sind meistens verschlossen und müssen erst einmal irgendwie geöffnet werden. Oft kommt dann auch noch hinzu, dass die Bunker unter Wasser stehen und das Wasser abgepumpt werden möchte. Obwohl die eigentliche Handlung relativ kurz ausfallen würde, wird sie mit solchen Nebenbeschäftigungen teilweise also auch angenehm in die Länge gezogen.

Vielfältige Individualisierungsmöglichkeiten

Far Cry 5 ist zwar ein Ego-Shooter, doch im Jahr 2018 kommt fast kein Genre mehr ohne Rollenspiel-Elemente aus. Für Eroberungen, abgeschlossene Aufträge, gefundene Prepper-Verstecke oder mehrfach ausgelöste Aktionen erhält der Spieler Fähigkeitspunkte, die in einem separaten Menü in neue Fähigkeiten investiert werden können. Auf diesem Wege ist es jedem Spieler möglich, sich seinen ganz individuellen Charakter zusammenzuschneidern. Wer mehr Gesundheit benötigt, um in der Spielwelt überleben zu können – selbst der unterste Schwierigkeitsgrad kann ganz schön herausfordernd sein – oder Schlösser knacken will, kann seine Punkte in diese Kategorien investieren. Insbesondere Einsteiger sollten sich am Anfang des Spiels darauf einlassen, ein paar Fähigkeitspunkte zu erspielen, um ihre Spielweise herauszufinden. In diesem Punkt spielen auch die Waffen eine ganz besondere Rolle, denn die meisten Knarren sind laut und kaum ist der Abzug betätigt, werden auch schon die Wachen alarmiert oder gar Verstärkung angefordert. Mit Bogen und Co können Feinde auch lautlos ausgeschaltet werden. In bester Anschleichmanier ist es ebenfalls möglich, Gegner geräuschlos aus dem Gebüsch heraus zu attackieren und mit einem Schlag auszuschalten. Spezialwaffen wie Flammenwerfer, Scharfschützengewehre oder Granaten runden das Waffenpaket ab.

Reichlich Raum für Spielspaß

Eine weitere Möglichkeit, um mit Far Cry 5 Spaß zu haben, ist der Mehrspielermodus. Online können sich jederzeit Freunde des Spielers ins aktive Spiel einklinken, um die Missionen gemeinsam zu absolvieren oder einfach nur gemeinsam Schabernack in der Welt zu stiften. Ein zusätzlicher Pluspunkt des Spiels ist das sehr hohe Spieltempo und in puncto Bewegungsmuster erinnert es fast schon ein wenig an alte Unreal-Tournament-Tage. Wer sich darauf einlässt, wird sich auch schnell mit der sehr gut funktionierenden Maus- und Tastatur-Steuerung der PC-Fassung anfreunden können. In optischer Hinsicht bietet Far Cry 5 weitläufige Landstriche, die insbesondere am Tag mit schönen Lichteffekten punkten kann. Gesichtsanimationen und Gestiken der Nicht-Spieler-Charaktere befinden sich jedoch auf einem betagten Niveau. Akustisch trällern beim Fahren in den abwechslungsreichen Vehikeln christlich angehauchte Lieder oder Rock-Songs aus dem Radio. In der Natur wird hingegen weitgehend auf Musik verzichtet. Wer genug vom Spiel gesehen hat, kann auch den separaten Editor Far Cry Arcade anschmeißen und sich seine eigenen Levels kreieren. Allerdings sei gesagt, dass dieser Editor recht benutzerfeindlich ist und erst einmal ein wenig Einarbeitungszeit fordert. Unterm Strich ist Far Cry 5 ein Spiel, das Raum für reichlich Spielspaß lässt, sofern über repetitive Elemente und die wirklich nur wenig glaubhafte Sekten-Ideologie hinweggesehen werden kann.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Far Cry 5 ist ein Ego-Shooter, der sich in puncto Story und Atmosphäre nicht mit anderen Spielen des Genres messen kann. Obwohl die Story des Spiels so stark anfängt, lässt sie ebenso schnell nach dem Einführungsgebiet wieder nach. Überall in der Spielwelt sind zwar Informationen über die Sekte verstreut, doch es wird an keiner einzigen Stelle klar, wie die Sekte ihre Mitglieder überhaupt verführt und welche genauen Ziele sie hat. Die Sekten-Funktionäre sind lieblose Hüllen, die kein nachvollziehbares Feindbild darstellen und den Protagonisten – und somit den Spieler – einfach nur aus dem Weg räumen wollen. Ubisoft kratzt bei diesem Thema leider nur an der Oberfläche. Das heißt aber nicht, dass Far Cry 5 deshalb ein schlechtes Spiel ist, das Gegenteil ist der Fall. Kaum eine Sekunde vergeht im Spiel, ohne dass der Spieler von Sektenmitgliedern vom Boden oder aus der Luft verfolgt wird und an jeder Ecke im Spiel gibt es etwas zu entdecken. Schon nach wenigen Spielstunden fällt auf, dass sich einzelne Elemente wiederholen und am Ende alles darauf hinausläuft, dass irgendwer getötet oder irgendetwas in die Luft gesprengt wird. Dennoch gerät der Spieler durch Aufgaben, deren Belohnungen sich am Ende in neuen Spezialfähigkeiten widerspiegeln, in eine Motivationsspirale, die es schwer macht, sich nicht in der Spielwelt zu verlieren. Wenn Ubisoft beim nächsten Serienteil eine bessere Story und ein wesentlich abwechslungsreicheres Missionsdesign abliefert, sich gar an anderen Open-World-Spielen inspirieren lässt, dann kann aus einem guten auch noch ein sehr gutes Spiel werden!

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Far Cry 5!

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