Review: Reverie

Im Mai 2018 kombinierte das neuseeländische Entwicklerstudio Rainbite das Insel-Setting von StarTropics mit dem Gameplay von The Legend of Zelda und einem Grafikstil, der an die Mother-Reihe erinnert, und erschuf damit das kunterbunte Reverie. Eine schöne Mixtur, die durchweg funktioniert und wunderbar unterhält, jedoch schon nach fünf kurzen Stunden vorüber ist.

Reverie dreht sich um den jungen Protagonisten Tai, der mit seiner Mutter auf die Insel Toromi per Schiff übersetzt. Unterwegs erzählt sie ihrem Sohn, dass es einst ein paar Brüder auf der Insel gegeben hat, die sich bei einem Angelausflug zerstritten haben und daraufhin in den tosenden Wellen des Meeres umgekommen sind. Seitdem lassen die Geister der verstorbenen Brüder die Insulaner nicht mehr schlafen. Kaum haben Mutter und Sohn die Insel erreicht, wird Tai auf der Insel prompt ausgesetzt. Obwohl das Abenteuer in den ersten zwei Minuten sehr düster zu werden scheint, ändert sich die Story in diesem Moment schlagartig: Auf einmal begrüßt Tais Großvater seinen Enkel, der auf der Insel anscheinend nur seine Ferien verbringen soll. Aus dem Urlaub auf der fiktiven neuseeländischen Insel wird jedoch nichts, denn nach ein paar Schritten auf Toromi erhält Tai die ersten Arbeitsaufträge von seinen Großeltern. Zum einen soll er im Laden eine Lampe für seinen Großvater kaufen, wird dann mit einem Kricket-Schläger ausgestattet und muss im von Ratten und anderem Getier verseuchten Keller ein altes Buch aufstöbern. Im Bosskampf gegen eine besessene Waschmaschine – der Humor der Mother-Reihe lässt grüßen – wird Tai auf den ersten Geist der Brüder aufmerksam, der ihn schließlich quer über die Insel schickt. Dort soll er die anderen Geister besänftigen, um Toromi wieder zu einem friedlichen und angenehmen Ort zu machen.

Kleine Insel mit vielen Geheimnissen

Obwohl Reverie eine durchaus interessante Geschichte voller Mysterien erzählt, die laut den Entwicklern sogar von einer Māori-Legende inspiriert wurde, bleibt die Handlung weitgehend im Hintergrund. In den Mittelpunkt des recht turbulenten Geschehens rückt das Gameplay, das stark an die The-Legend-of-Zelda-Reihe erinnert. Tai rennt durch die Gegend, kämpft gegen kleine Gegner, sammelt fallengelassene Münzen für Einkäufe und futtert Pizza oder Chips, um die Lebensenergie nach gegnerischen Treffern zu regenerieren. Wie im großen Vorbild gibt es künstliche und auch natürliche Grenzen, die Tai beim Vorankommen behindern. Diese Grenzen werden mit zunehmender Spielzeit weniger, da sie mit neuen Items umgangen werden können. Erdhügel werden mit der Schaufel abgebaut, Flüsse mit der Taucherbrille durchschwommen und entfernte Schalter mit dem Yo-Yo betätigt. Es macht Spaß, die Gegenstände in der Spielwelt aufzuspüren und die Insel mehrfach abzusuchen, um versteckte Geheimnisse zu entdecken. Dazu gehören vor allem die zwanzig Federn, die überall auf Toromi versteckt sind und von rezenten Vögeln aus dem neuseeländischen Raum stammen. Des Weiteren warten noch zwei Minispiele darauf, entdeckt zu werden: In der Arcade-Halle gibt es ein Shoot ’em up zum Ausprobieren und an anderer Stelle eine Air-Hockey-Variante gegen einen ungewöhnlichen Gegner zu bestreiten – auf Toromi gibt es also reichlich zu entdecken.

Charmante, aber zu kurze Ferienreise

Qualitativ erreicht Reverie zwar nicht ganz das Original, doch kann der Titel vor allem mit seinem Dungeon-Design überzeugen. Ein riesiger hohler Baum, eine gigantische Sandburg, eine verfluchte Gruft oder das Innere eines Vulkans dienen als Kulissen für clevere Rätsel und hitzige Kämpfe. Beide Bestandteile halten sich die Waage, sodass sowohl Rätselfans als auch Kämpfernaturen gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Manche Knobeleien sind recht knifflig, sodass die Lösung nicht direkt ersichtlich ist und somit zum Experimentieren motiviert. Die Auseinandersetzungen mit den Gegnern könnten wiederum ein wenig besser sein, da sich die Gegner teilweise zu hektisch bewegen, sodass das Ausholen mit dem Schläger erschwert wird. Letzteres ist allerdings nicht so schwerwiegend, wie es klingt. Der Schwierigkeitsgrad ist stets human und selbst wenn Tai einmal das Zeitliche segnet, erwacht er danach am Anfang des Dungeons. Auf der technischen Seite begeistert das Spiel mit einem kunterbunten Look, der stark an Nintendos Mother-Reihe erinnert. Leider wird das Bild in Momenten, in denen viele Objekte gleichzeitig auf dem Bildschirm dargestellt werden, von leichten Einbrüchen in der Bildwiederholungsrate getrübt. Die Spielbarkeit wird von diesem Defizit aber nicht beeinträchtigt. Abseits dessen stören höchstens ein paar eher repetitive Musikstücke die charmante, aber mit gerade einmal fünf Spielstunden leider viel zu kurze Ferienreise.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-Vita-Fassung): Reverie gehört zu der Masse an Spielen, die sich stark am Gameplay der The-Legend-of-Zelda-Reihe orientieren. Der Kopier- beziehungsweise Inspirationsvorgang ist in diesem Falle aber nichts Schlimmes, da das Insel-Feeling á la StarTropics und die charmante Geschichte es mit Bravour schaffen, davon abzulenken. Zudem gibt es auch noch optische Einflüsse der Mother-Reihe, die Reverie optisch zu einem kleinen Genuss machen. Es gibt wirklich nur sehr wenig, was an Reverie nicht funktioniert oder ausgereifter sein könnte: Beispielsweise hätte es noch ein paar Items mehr gebraucht, um die Erkundungstour auf der Insel vielseitiger zu gestalten und auch die Kämpfe könnten angenehmer und weniger hektisch sein. Die leichten, aber dennoch spürbaren Einbrüche in der Bildwiederholungsrate hätte es in der PlayStation-Vita-Fassung auch nicht geben dürfen, da das Spiel mit seinem 16-Bit-Gewand Sonys Handheld wohl kaum an den Rand der Leistungsfähigkeit drängt. Größter Kritikpunkt ist aber wohl die sehr kurze Spielzeit, denn nach fünf Stunden ist das Spiel mit allen Secrets und der Platin-Trophäe abgeschlossen.

Vielen Dank an Rainbite für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Reverie!

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