Review: School-Live! (Vol. 1)

Kazé Anime veröffentlichte im Juli 2018 die erste Volume der Anime-Serie School-Live!, die sich mit dem „typischen“ Schulalltag an einer Oberschule beschäftigt, das ganze Spektakel aber mit einer kaum vorhersehbaren Wendung und einer traurigen Dystopie mischt.

Im Mittelpunkt der Anime-Serie School-Live! steht Oberschülerin Takeya Yuki, die sich jeden einzelnen Tag auf das quasi titelgebende Schulleben freut. So macht sie sich jeden Morgen hübsch, schnappt sich ihren kleinen Hund, den Shiba Tarōmaru, und läuft fröhlich zur Schule. Bevor der Unterricht beginnt, trifft sie sich in ihrem Klub mit ihren Freundinnen Ebisuzawa Kurumi, Wakasa Yūri und Naoki Miki, um Spaghetti Bolognese zu frühstücken. Dieses unbeschwerte Leben macht auch nicht davor Halt, wie Yuki mit ihren Lehrern umspringt. Auf dem Flur trifft sie beispielsweise auf ihre Japanisch-Lehrerin Sakura Megumi, die sie ganz einfach mit dem Vornamen anspricht und wird, auch weil sie auf den Gängen gelaufen ist, direkt dafür gerügt. Dass so ein stressiger Morgen ermüdend sein kann, äußert sich in der ersten Unterrichtsstunde: Die quirlige Yuki schläft neben ihrer Klassenkameradin Yuzumura Takae einfach ein. Damit nicht genug, reißt Miki während der Träumerei mit einer Hiobsbotschaft auch noch die Tür zum Klassenraum auf. Yukis putziger Shiba ist dem Klubraum entflohen und macht die Gänge der Schule unsicher. Anstatt also den Unterricht zu besuchen (oder währenddessen zu schlafen), machen sich die Freundinnen des Schulleben-Klubs auf die Suche nach Tarōmaru. Was nach einer lustigen Comedy-Serie klingt, zeigt am Ende der ersten Episode sein wahres Gesicht.

Zwischen Fantasie und Wirklichkeit

School-Live! ist nur auf den ersten Blick eine humorvolle Serie, da sie überwiegend aus der Sichtweise von Yuki erzählt wird. Diese hat die ernste Realität längst verdrängt und blendet die Untoten, die sich außerhalb der Mauern des im Vordergrund stehenden Handlungsortes tummeln, schlichtweg aus. Wie Kaihō Norimitsu, der Autor der Manga-Vorlage, 2012 auf diese verrückte Idee gekommen ist, mag zwar im Unklaren bleiben, frisch und unverbraucht ist das wahnwitzige Szenario aber allemal. Yukis Freundinnen, also die, die nicht ihrer Fantasie entsprechen, stellen in der postapokalyptischen Welt sozusagen ihre Familie dar und kümmern sich um sie. Das ist auch bitter nötig, denn überleben könnte Yuki in der mit Zombies bevölkerten Welt wohl kaum. Kurumi, Yūri und Miki bewundern ihre Oberschule, die für diese Notfallsituation wie gemacht zu sein scheint. Auch hoffen sie, dass sich die Seuche „nur“ auf Japan beschränkt und nicht die ganze Welt betrifft, sodass früher oder später jemand zur Hilfe schreiten kann. Irgendwann wird sie schon jemand aus dieser äußerst misslichen Lage befreien. Es hilft aber nichts, sich an diesen Strohhalm zu klammern: Die Charaktere müssen sich mit der bitteren Wirklichkeit abfinden und gewissermaßen hilft die realitätsferne Yuki ihnen dabei, den harten Alltag in der von der Außenwelt abgeschotteten Schule viel erträglicher zu machen.

Notwendige Erzählstruktur

Zu sehr ins Detail soll an dieser Stelle nicht gegangen werden, aber in der ersten Volume der Serie hat tatsächlich jede einzelne Episode ihre Daseinsberechtigung. So befasst sich die dritte Folge mit dem Zeitpunkt des Ausbruchs, der sehr gut dabei hilft, die Persönlichkeiten der Charaktere und das Universum zu verstehen. Die vierte Folge gibt hingegen Hinweise darauf, woher Tarōmaru eigentlich stammt. Teilweise erreicht School-Live! eine fast schon melancholische Stimmung, die überwiegend im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p gänzlich zu bemerken ist. Nur wenige Szenen, die aus verschiedenen Gründen ganz besonders betont werden sollen, wurden zusätzlich mit schwarzen Balken ausgestattet, um eine kinoreife Atmosphäre zu erzeugen. Hinzu kommt ein toller Soundtrack, der sämtliche Szenen stimmungsvoll unterlegt. Häufig sind die Melodien sehr fröhlich, um die oberflächlich sehr heitere Handlung auszudrücken. Daran sind aber auch die grandiosen Synchronsprecher beider Tonspuren in DTS-HD Master Audio 2.0 nicht ganz unschuldig. So können sowohl die japanischen Sprecher als auch die deutschen Stimmen den Charakteren reichlich Leben einhauchen und deren positive Energie bis zum Maximum aufladen. Digitales Bonusmaterial liegt in Form eines Clear Openings und eines Clear Endings vor. Obendrauf gibt es noch ein 20-seitiges Booklet, aus dem Fans weitere Informationen schöpfen können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Wer sich die erste Folge von School-Live! anschaut, wird nicht direkt darauf schließen können, was sich hinter der Anime-Serie von Animationsstudio Lerche verbirgt. Anfänglich wird dem Zuschauer ein halbwegs normaler Schulalltag präsentiert, dessen Fassade jedoch fast unbemerkt mit jeder einzelnen Minute Laufzeit einbricht und am Ende der ersten Episode ungeschönt ein Bild der Wirklichkeit zeigt. Das Szenario, Yukis fantasievollen Schulalltag mit der von Untoten bevölkerten Außenwelt zu verbinden, ist frisch und unverbraucht. Es macht einfach Spaß, die Abenteuer der quirligen Charaktere zu erleben und sowohl heitere als auch düstere Momente mit ihnen zu teilen. Die erste Volume von School-Live! hat wunderbar gezeigt, wie diese kunterbunte Mischung funktioniert. Auch wenn die Serie wohl – wie die meisten Zombie-Serien – kaum einen roten Faden entwickeln wird, bleibt zu hoffen, dass dieser ulkige Ansatz in der zweiten Volume erneut aufgegriffen und eventuell sogar weiterentwickelt wird. Die Grundlagen dazu sind mit den ersten vier fantastischen Episoden auf jeden Fall schon einmal gelegt!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von School-Live! (Vol. 1)!

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