Review: Corpse Party

Aufgrund der anhaltenden Popularität des Corpse-Party-Franchises wurde das einstige Videospiel, nachdem es schon in Anime- und Manga-Form für Furore sorgte, auch als Film umgesetzt. Da das Budget anscheinend aber zu gering war, geht der Horror diesmal gänzlich flöten.

Wer noch nie etwas von Corpse Party gehört hat, muss im letzten Jahrzehnt wohl oder übel unter einem Zimmer ohne Sonnenlicht geschlafen haben. Erstmals 1996 auf dem NEC PC-9801 veröffentlicht, erreichte die Videospielreihe nach dem Remake aus dem Jahr 2008 ungeahnte Beliebtheit unter Horrorfans. Verschiedene Manga- und Anime-Reihen folgten genauso wie zwei Realfilmadaptionen, die 2015 und 2016 veröffentlicht worden sind. Die erste davon hört schlicht auf den Namen Corpse Party und beginnt mit der typischen Handlung des Franchises. Mehrere Schüler der Kisaragi-Lehranstalt wollen eines Abends ihre Mitschülerin Suzumoto Mayu verabschieden, die die Schule verlassen wird. Damit ihre Freundschaft auch dann weiter besteht, wenn sie getrennte Wege gehen, verbinden sie den Abschied mit einem mysteriösen Ritual. Sie schneiden aus einem Blatt Papier eine menschenähnliche Figur aus, die sie daraufhin zerreißen, indem jeder ein Stück der Figur festhält. Sie beten eine ominöse Sachiko an, die ihren Freundschaftswunsch erfüllen möge. Während diese Vorstellung auf den Zuschauer schon gruselig genug wirkt, ist für die Teilnehmer das Ritual der Auftakt zu ihrer persönlichen Horrorgeschichte: Auf einmal reißt der Boden auf und zieht die Schüler in den Abgrund. Als sie zu sich kommen, finden sie sich plötzlich an einem anderen Ort wieder.

Horror auf Abwegen

An einen gänzlich neuen Handlungsort muss sich der Zuschauer aber nicht gewöhnen, denn aus der Kisaragi-Lehranstalt wird einfach die Tenjin-Grundschule. Diese ist an vielen Stellen verfallen und heruntergekommen, grundsätzlich also ein recht klaustrophobischer und grausiger Schauplatz für einen Horrorfilm. Da auch das ungeahnte Böse mehr und mehr von den stets voneinander getrennten Charakteren Besitz ergreift, ihre Psyche gegeneinander ausspielt und keinen logischen Plan verfolgt, kann so theoretisch eine Illusion des Grauens aufgebaut werden. In der Praxis sieht das aber wieder ganz anders aus, denn an allen Ecken und Enden sind die häufig sehr schlichten Kulissen zu erkennen. Den letzten Funken Horror rauben wiederum die spärlich eingesetzten Splatter-Effekte, die nicht zeigen, wie eine Figur den Tod erleidet. Einzig und allein Blut spritzt in der Nahaufnahme auf Hintergründe oder Charaktere, was allerhöchstens zweckmäßig ist, aber auch diese Form des Horrors in keiner Weise würdigt. Dass Horror-Filme mit einem geringen Budget funktionieren können, zeigt am besten der US-amerikanische Film The Blair Witch Project aus dem Jahr 1999. Inhaltlich sind beide Filme, alleine aufgrund ihres Kulturraums, zwar nicht zu vergleichen, doch wirkt Corpse Party selbst in den düsteren Momenten einfach nur wie ein Schülerdrama im Jugendtheater.

Verschwendetes Budget

Bildtechnisch ist Corpse Party ebenfalls kein angenehmer Genuss für Cineasten. Der Film ist durchweg im bildschirmfüllenden 16:9-Format gehalten und ist, womöglich zur frechen Kaschierung der Einfachheit, an zahlreichen Stellen mit unschönen Unschärfe-Effekten versehen. Trotz der Auflösung von 1080p wirkt das Bild wie hochskalierte DVD-Qualität, HD sieht definitiv anders aus. Immerhin kann die Kameratechnik mit verdrehten Perspektiven und hin und wieder verwackelten Einstellungen punkten, um ein bisschen Dynamik in den trockenen Horrorfilm zu bringen. Beide Tonspuren, die in DTS-HD Master Audio 2.0 vorliegen, wurden mit passenden Musikstücken ausgestattet, die oft aber viel zu hastig eingespielt oder beendet werden. In puncto Synchronisation ist definitiv der japanische Originalton zu bevorzugen, da in der deutschen Fassung einige, wenn bei Weitem auch nicht alle, Sprecher eher gelangweilt wirken und so manchen japanischen Begriff auch falsch aussprechen. Wer das letzte Stück Authentizität genießen will, das in Corpse Party steckt, kommt um den Originalton des Films nicht herum. Regisseur Yamada Masafumi hat aus Corpse Party ein möglichst jugendfreies Erlebnis geschaffen, vor dem sich nur ein Zuschauer gruseln kann, der vorher noch nie einen Horrorfilm gesehen hat oder sich schon erschreckt, wenn es tagsüber an der Haustüre klingelt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Für viele europäische Zuschauer sind japanische Horrorfilme häufig zu speziell, da sie sich auf einer für sie nicht greifbaren Kultur stützen. Corpse Party kann allerdings auch nicht unter diesen Gesichtspunkten für Fans des Genres abgenickt werden, denn der Film ist weder besonders spannend noch besonders gut oder gar tiefgründig gestaltet. Häufig verkommen die Szenen, insbesondere in der mittelmäßigen deutschen Synchronisation, ins Lächerliche. Der japanische Originalton hilft jedoch auch nicht dabei, dass der 94 Minuten lange Film wesentlich erträglicher wird. An viel zu vielen Stellen ist das zu geringe Budget zu spüren, wodurch der Horrorfilm eher zu einem Jugenddrama verkommt, das vor schlichten Kulissen stattfindet. Selbst die größten Fans von Corpse Party sollten sich zweimal überlegen, ob sie Yamada Masafumis Film eine Chance geben. Mit Manga, Anime und Spielen des Franchises sind diese definitiv besser beraten.

Vielen Dank an Kazé Movie für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Corpse Party!

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