Review: The World Ends With You: Final Remix

Mit der Zeit wandern immer mehr Portierungen von anderen Plattformen in die stetig wachsende Nintendo-Switch-Spiele-Bibliothek, inzwischen hat es ein Großteil der populären Wii-U-Spiele schon auf die Hybridkonsole geschafft. Wesentlich ungewöhnlicher ist da schon die Portierung von The World ends with you, einem DS-Spiel aus dem Jahre 2007.

The World ends with you nutze auf dem DS die einzigartige Technik des Handhelds wie die zwei Bildschirme und den Touchscreen stark, weswegen eine Portierung auf den ersten Blick schwierig scheint. Was die Portierung auf die Switch erklären könnte, ist die Tatsache, dass der Titel – trotz enttäuschender Verkaufszahlen – bei Spielern und Kritikern gleichermaßen positiv aufgenommen wurde und die Switch sich aktuell immer mehr zu einen beliebten Ort für Klassiker und Geheimtipps entwickelt. Der Spieler übernimmt die Rolle des Teenagers Sakuraba Neku, der eines Tages von einer Amnesie geplagt im Herzen Tōkyōs aufwacht. Sogenannte Reaper veranstalten ein teuflisches Spiel auf Leben und Tod, in dem sich die Spieler gegen seltsame Monster behaupten müssen. Anfangs ist sich Neku der gefährlichen Lage nicht wirklich bewusst. Generell sieht er nicht viel in der Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen, erst recht nicht, wenn er auf sie warten muss. Ganz anders ist da Misaki Shiki, die mit ihm als Partnerin das Spiel der Reaper angeht. Für den Rest der Menschen sind die Spielteilnehmer allerdings unsichtbar, auf Hilfe von außen kann also nicht gerechnet werden. Zu allem Überfluss gibt es auch noch ein Zeitlimit, mit dem eine Odyssee durch das Herzen Japans beginnt, dessen Ziel anfangs noch sehr vage bleibt. Im Laufe des Abenteuers treffen die Protagonisten auf weitere Figuren und langsam formt sich ein Bild von dem, was die Story tatsächlich zu bieten hat.

Großstadtdschungel

The World ends with you bietet einige Interaktionsmöglichkeiten mit der Stadtumgebung und deren Bewohnern, auch wenn sie uns nicht sehen können, und lässt das Ganze noch sehr cool aussehen. Selbst gewöhnliche Gespräche zwischen Neku und Shiki sind in stilistischen Comic-Panels abgebildet. Mit der Funktion eines Scanners liest Neku die Gedanken der umstehenden Menschen. Das wird dann wichtig, wenn eine schier unlösbare Aufgabe der Reaper mit Hilfe der möglichen Gedankenmanipulation bewältigt werden kann. Spielerisch artet das darin aus, dass erst ein gewisser Informationsschnipsel in der Stadt gefunden werden muss, der dann wortwörtlich in den Kopf einer anderen Person geprägt wird. Das öffnet verschlossene Passagen und überzeugt die Spielleiter, uns in neue Gebiete zu lassen. Hier hört aber der Spaß, den wir als unsichtbare Figur haben können, nicht auf: In Shibuya ist ein Spiel ähnlich eines Ouija-Bretts besonders angesagt, das die Entscheidungen einer Frage in die Hände des Schicksals legt. Im Fall von The World ends with you aber eher in die Hände von Neku – um seine Ziele zu verfolgen wird das Spiel per Joy-Con manipuliert und das Voranschreiten der Handlung ermöglicht. Dieses Minispiel ist jedoch kein Einzelfall, denn das gesamte Spiel wird zwangsläufig mit einem einzigen Joy-Con gespielt. Alternativ kann im Handheld-Modus der Touchscreen genutzt werden.

Gewagtes Steuerungskonzept

Auf der Oberwelt Tōkyōs wird die Figur entweder per Pointer-Steuerung oder klassisch mit dem Analog-Stick bewegt, in Kämpfen wird die Bewegungssteuerung zur Pflicht. In einem abgegrenzten 2D-Areal kämpft Neku und sein Partner gegen die dämonischen Noise, die in Farbe und Erscheinungsform sehr vielfältig ausfallen. Um sich zur Wehr zu setzen, verwendet er Pins, ausrüstbare Gegenstände, die es erlauben, Schläge auszuführen oder Fähigkeiten wie Blitze und Feuer den Gegnern entgegen zu schleudern. Normal wäre hier eine Aktivierung per Tastendruck, im Spiel aktivieren sich die Fähigkeiten allerdings indem wir entweder auf den Gegner zielen und klicken oder bestimmte Joy-Con-Bewegungen ausführen. Dieser Ersatz der Touchscreen-Stylus-Kombination des Nintendo DS funktioniert einigermaßen gut, jedoch führt die Fülle von nötigen Bewegungseingaben dazu, dass nicht alle korrekt aufgenommen werden. Auch Neku bewegt sich nur nach Richtungsweisen per Joy-Con. Insgesamt funktioniert das Ganze auch nicht so präzise wie zum Beispiel Wii-Motion-Plus-exklusive Spiele der Nintendo Wii. Das Zwei-Bildschirme-Konzept des DS fand sich auch im Kampfsystem wieder. Spieler, die das Original nicht kennen, werden hier allerdings nicht merken, dass das Kampfsystem grundlegend verändert wurde. Unspielbar ist der Titel aber zu keinem Zeitpunkt, wer den Titel mit einer klassischen Steuerung am Fernseher genießen und Neku nicht im Handheld-Modus mit einem Finger führen will, muss Kompromisse eingehen.

Angesagte Mode

Abhilfe gegen eventuelle Steuerungsprobleme schafft die richtige Auswahl an Pins, also Attacken, von denen es in der Spielwelt ein Füllhorn zu finden gibt – und damit sehr viele unterschiedliche aggressive wie passive Strategien gegen die Gegner. Diese praktischen Anstecknadeln gibt es entweder nach erfolgreichen Kämpfen oder in einem der unzähligen Geschäfte zu ersteigern. Dort gibt es auch fürs Rollenspielgenre typische Ausrüstungsgegenstände zu erwerben, die nicht nur die Statuswerte beeinflussen, sondern auch das modische Auftreten. Im Spiel tief verankert ist ein starkes Modebewusstsein, das sich in Verbesserungen und Verschlechterungen der Statuswerte äußert, wenn wir im falschen Stadtviertel die falschen Marken tragen. Ein cooles Konzept, das sehr gut mit der aufgebauten Welt harmoniert. Angesagte Themen für Jugendliche wie Kleider, Handys und die neusten Trends sind ein wiederkehrendes Element in The World ends with you. Das äußert sich auch an der technischen Identität, vom poppigen Soundtrack, der sich mit allen Wassern gewaschen hat und mit eindringlichen Rhythmen und Gesangseinlagen stark im Vordergrund steht, bis zum grafischen Stil, den The World ends with you bis heute unverwechselbar macht und dem Spiel eine besondere Identität verleiht. Dank dieser Eigenschaften werden manche Spiele auch etwaige Schwierigkeiten bei der Steuerung in Kauf nehmen können.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Wer über eindeutige Defizite in Sachen Steuerung hinwegsehen kann, bekommt mit The World ends with you: Final Remix ein Spiel, das auch zehn Jahre nach seinem ursprünglichen Release nichts von seinem Style und der Coolness verloren hat. Tatsächlich ist der Titel in vielen Punkten auch heute noch einzigartig, sei es die Einbindung von Pins und Anziehsachen direkt ins Gameplay, die Darstellung der Tōkyōer Innenstadt oder die phänomenale musikalische Untermalung mit Ohrwurmgarantie. Teilweise ist das Design vielleicht sogar etwas zu dick aufgetragen, im Menü hätte zum Beispiel noch etwas mehr Übersichtlichkeit nicht geschadet. Am zeitlos-bunten Comicstil lässt auf den ersten Blick nichts vermuten, dass es sich hier ursprünglich um ein Nintendo-DS-Spiel handelte. Auch die sympathischen Figuren und gut geschriebenen Dialoge sind nicht ganz unschuldig daran, dass am Ende mehr Positives verbleibt und Fans von japanischen oder zumindest kurioseren Spielern diesen Titel unbedingt im Auge behalten sollten!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The World Ends With You: Final Remix!

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