Review: Detroit: Become Human

Detroit: Become Human von Entwicklerstudio Quantic Dream versetzt uns in eine möglichst dystopische Zukunftsvision, in der wir um Leben und ums Überleben kämpfen. Schuld daran ist die fesselnde Story aus der Feder von Director David Cage, die viele philosophische und sozialkritische Fragen aufwirft und uns durchweg einfach nicht mehr loslassen will.

Angesiedelt ist die spannende Handlung des Abenteuerspiels Detroit: Become Human in der titelgebenden US-amerikanischen Stadt Detroit im Novembers des Jahres 2038, aus dem Blickwinkel der Erstveröffentlichung im Jahr 2018 also zwanzig Jahre in der Zukunft. In den Vereinigten Staaten von Amerika gehören Androiden, menschenähnlichen Maschinen, mittlerweile zum Alltag vieler Bürger. Sie verrichten für sie ihre Arbeiten, verbringen mit ihnen ihre Freizeit oder werden sogar als reine Lustobjekte missbraucht – die Einsatzmöglichkeiten sind durchaus vielfältig. Das merken wir auch an den drei Protagonisten des Spiels, die wir circa zwölf Stunden lang auf Schritt und Tritt begleiten. Connor ist Android, der die polizeilichen Behörden dabei unterstützt, durch sogenannte Abweichler ausgelöste Verbrechen aufzuklären. Bei den Abweichlern handelt es sich ebenfalls um Androiden, die aus den Strukturen ihrer Programmierung ausbrechen und als intelligentes Leben von den Menschen wahrgenommen werden möchten. Kara ist hingegen ein Android, der gerade aus der Reparatur zurückkehrt und anscheinend erneut im Haushalt des arbeitslosen und vom Alkoholkonsum sichtlich gezeichneten Todd Williams und dessen vermeintlicher Tochter arbeiten muss. Der dritte Charakter ist Markus, der als Betreuer für den gealterten Künstler Carl Manfred tätig ist, aber auch ständig mit dessen androidenfeindlichen Sohn Leo Manfred aneinander gerät.

Entscheidungsvielfalt

Wie genau die Geschichten der drei Protagonisten verlaufen, möchten wir an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen nicht verraten. Die Geschichte von Detroit: Become Human ist wie schon in Heavy Rain das Herzstück des Spiels, das mit zahlreichen Wendungen und auch mit der einen oder anderen Überraschung aufwarten kann, die sich um philosophische Themen wie die Anerkennung von intelligentem Leben drehen. Die Betonung liegt hier definitiv auf „kann”, denn es gibt zwar einen einigermaßen roten Faden durchs Spiel, der jedoch mit hunderten Abweichungen für jeden einzelnen Charakter mit anderen Facetten aufwartet. Jedes kleine Detail, das wir in Gesprächen aufschnappen oder bei der Überprüfung der Umgebung aufklauben, öffnet neue Möglichkeiten im filmreifen Gesprächs- und Handlungsverlauf, was wiederum auch zu einer Verbesserung oder Verschlechterung der Beziehung zu diversen Nebenfiguren führen kann. Bringen wir beispielsweise den Namen eines Entführers schon im Vorfeld in Erfahrung, können wir damit Vertrauen zu ihm aufbauen, sodass er seine Geisel womöglich eher freilässt. Entdecken wir an anderer Stelle eine Waffe in einem Schrank oder einer Tasche, merkt sich die jeweilige Figur den Fundort der Pistole und kann sie – sofern wir es wollen – dort in einem späteren Kapitel aufspüren und den Verlauf der Geschichte auf andere Art und Weise prägen. Das ist spannend und erhöht den Wiederspielwert enorm.

Eingeschränkte Spielweise

Nach dem Abschluss eines Story-Abschnitts des fast schon zum interaktiven Films gewordenen Videospiels wird uns der Geschichtsverlauf präsentiert, in dem wir zahlreiche Knotenpunkte entdecken, an denen wir andere Entscheidungen hätten treffen dürfen, die zumeist zu kleinen, aber auch zu großen Veränderungen hätten führen können. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele verschiedene Wege in Detroit: Become Human möglich sind, hier strotzt das Spiel nur so vor Details. Inhaltlich gehört der Titel, auch aufgrund seiner dezent am Rande verstreuten Magazine und immer wieder eingespielten Nachrichtensendungen, zu den Abenteuerspielen, die eine wirklich dichte, atmosphärische und vor allem glaubhafte Geschichte trotz des düsteren Science-Fiction-Szenarios erzählen. Allerdings wird diese Präsentation mit einer arg eingeschränkten Spielweise erkauft: Alle Spielgebiete sind sehr überschaubar und wenn es mal darum geht, in ein Gebäude einzubrechen oder ein Versteck aufzuspüren, handelt es sich dabei schlicht um lineare Schlauchlevels. Hinzu kommt, dass alle Befehle im Spiel über simple Bildschirmanzeigen und häufig sogar Quick-Time-Events ausgelöst werden. Bei Letzteren bleibt im Übrigen auch nur bedingt viel Zeit zum Überlegen. In Gesprächen müssen wir binnen weniger Sekunden eine Auswahl treffen, sonst bleibt der Charakter stumm oder wählt die einfachste Antwort aus, was die Geschichte auch logisch in einer gewissen Weise vorantreibt.

Simple Bedienung

Wohlüberlegte Entscheidungen sind also nicht immer möglich. Das ist aber bei Weitem nicht so schlimm, wie es eigentlich klingt. Schon nach kurzer Zeit wachsen einem die Charaktere so sehr ans Herz, dass eine vordefinierte Sichtweise bei den einzelnen Figuren vorhanden ist und die für sie passenden Entscheidungen locker von der Hand gehen. Irgendeine Antwort sollten wir dennoch nicht auswählen, denn besonders in den letzten Kapiteln ist der Tod von Haupt- und Nebenfiguren nur einen Knopfdruck weit entfernt. Entsprechend simpel fällt die Steuerung von Detroit: Become Human aus. Abseits davon können wir uns nur langsam durch die Areale bewegen – es sei denn, wir verfolgen einen Tatverdächtigen auf der Flucht, bei der das Spiel den Charakter automatisch rennen lässt. Das Verhalten ist zwar nachvollziehbar, aber eine lockere Bedienung, bei der sich die Figuren besonders in engen Räumen nicht wie schwer beladene Panzerwagen anfühlen, wäre etwas angenehmer gewesen. Technisch gehört das Spiel zur Oberklasse, was es auf der PlayStation 4 im Jahr 2018 zu bestaunen gibt. Die Texturen sind knackig, die Charaktermodelle schön modelliert und Wettereffekte wie Schnee oder Regen eine Augenweide. Stimmungsvoll werden alle Szenen mit einem adrenalingeladenen Soundtrack unterlegt, nur die Lautstärke der deutschen Sprachausgabe schwankt teilweise zu stark. Fans von gut geschriebenen Storys sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Fans von David Cages tollen Geschichten, werden auch mit Detroit: Become Human wieder sehr viel Spaß haben. Die Charaktere haben mit verschiedenen Problemen, Ängsten und Entscheidungen zu kämpfen, die zum Teil Einfluss auf soziale, politische und wirtschaftliche Aspekte des gesamten Landes haben. Noch dazu agieren die drei Spielfiguren in einer dystopischen Zukunftsvision, die atmosphärisch und vor allem glaubhaft vermittelt wird. An wenigen Punkten überschneiden sich die Handlungsstränge auch, was im Umkehrschluss zu Entscheidungsschwierigkeiten führen kann, wodurch das Spiel es noch einmal schafft, persönlich zu berühren. In puncto Handlung und Atmosphäre gibt es im Adventure-Genre nur wenig Konkurrenz, die es mit dem Spiel aufnehmen kann. So toll Cages interaktive Geschichten auch sind, so lahm spielen sie sich: Die Areale sind überschaubar gestaltet und trotz vieler Interaktionsmöglichkeiten fühlt sich das Voranschreiten nicht so schnell an, wie die Geschichte tatsächlich erzählt wird. Hier kämpft das Spiel mit seinen übermäßig vielen Bildschirmanzeigen, die einem ständig vorgekaut werden, mit ähnlich eingeschränkten Mitteln wie schon Heavy Rain, funktioniert im direkten Vergleich dennoch wesentlich besser und bietet auch deutlich mehr Spielraum bei der Entscheidungsfindung. Adventure-Fans kommen nicht um den Titel herum, wer jedoch auch abseits der Handlung über Quick-Time-Events heraus gefordert werden will, sollte sich lieber nach Alternativen umsehen.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Detroit: Become Human!

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