Review: My Hero Academia (Vol. 2)

In der ersten Volume von My Hero Academia hat die Anime-Serie die Grundlagen geklärt und das Superhelden-Universum mit Regelwerk ausführlich vorgestellt. Vor allem ging es um die Aufnahmeprüfung der titelgebenden Akademie, woran die Story ab sofort anknüpft.

Protagonist Midoriya Izuku hat es nach den Strapazen in der ersten Volume endlich geschafft, auf der berühmten Yūei-Akademie aufgenommen zu werden. Obwohl er denkt, dass er sich jetzt etwas zurücklehnen kann, beginnt der Ernst des Alltags schon am ersten Tag. Anstatt in den anfänglichen Stunden die Theorie zu verinnerlichen, beschließt Izukus Idol und Lehrer All Might die Schüler in Kampfanzüge und somit ins Kampftraining zu schicken. Ein Glück, dass Izukus Mutter die Unterlagen und Notizen des Anwärters aufs Superheldenamt gesehen und somit aus weiser Voraussicht einen Anzug für ihren Sohn angefertigt hat. In ihren farbenfrohen und teils auch recht ulkigen Kostümen werden die Schüler in ein abgetrenntes und abgeschottetes Areal geschickt, in dem sie sich gegenseitig bekämpfen müssen. Während die eine Hälfte der Truppe in die Rolle der Helden schlüpft, übernimmt der Rest der Bande die Rolle der Schurken. Hinzu kommt, dass die Helden in dieser Trainingseinheit noch eine Bombe finden und zudem entschärften müssen. Die Handlung mag zwar nicht sonderlich kreativ sein, doch da Izuku in My Hero Academia noch nicht so wirklich über Superkräfte verfügt, muss er seine Feinde mit List und Verstand bekämpfen. Im letzten Augenblick geschieht genau das, woran alle Charaktere zuvor gezweifelt haben, was ein neues Problem aufwirft.

Schüler, Idole und Rivalen

Welches schwerwiegende Problem das ist, soll aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle nicht genauer ausgeführt werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang jedoch, einen genaueren Blick auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zu werfen. In den Episoden der zweiten Volume steht allen voran der Zwist zwischen Izuku und seinem Konkurrenten Bakugō Katsuki im Mittelpunkt der Story. Mit Hilfe von Rückblenden in die Kindheit der ungleichen Charaktere wird klar gezeigt, wie die beiden männlichen Figuren in jungen Jahren miteinander interagiert und kommuniziert haben respektive wie aus einer ungleichen Freundschaft eine Feindschaft wurde. Dieser Streit erreicht mit dem Kampf in der siebten Episode seinen Höhepunkt und verknüpft sich wunderbar mit der Ausarbeitung von All Might. Dieser ist nicht der klassische Lehrer, der seine Schüler in ausufernden Kämpfen stoppt, sondern sie anheizt und noch dazu fordert. Des Weiteren muss er darauf achten, seine Kräfte nicht vor seinen Schülern zu verlieren. Anders als die erste Volume besteht die zweite Ausgabe nur noch aus vier Folgen anstatt fünf Episoden. Grundsätzlich ist das für die Rahmenhandlung nicht so schlimm, doch die geringere Gesamtlaufzeit ist nicht förderlich für die Ausarbeitung der vieler Charaktere. Sie werden kaum vorgestellt und bleiben eher stumme, fast schon überflüssige Statisten.

Leichter Verlust der Identität im Zeichenstil

Obwohl die Nebenfiguren kaum zur Geltung kommen, sind sie dafür ausführlich gestaltet und agieren zumindest am Rande mit Izuku. Im Vergleich mit den ersten fünf Episoden von My Hero Academia ist auffällig, dass die Orientierung an US-amerikanische Comics im Rahmen der Charaktergestaltung und Ausführung der Animationen stark heruntergeschraubt wurde. In nur noch sehr wenigen Szenen, die sich vor allem um All Might drehen, ist diese Nähe noch vorhanden. So wirken die vorliegenden Episoden wesentlich eher wie ein japanischer Anime als die Folgen zuvor. Ob dieser Wechsel als positiv oder negativ zu werten ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall verliert die Serie damit optisch an Identität. Das heißt aber nicht, dass die Atmosphäre darunter leidet. Sowohl die humorvollen als auch die ernsten Dialoge funktionieren in der deutschen Synchronisation und im japanischen Originalton sehr gut, auch wenn die japanischen Sprecher verschiedene Situationen besser betonen können. Nicht ausschaltbare deutsche Untertitel helfen jedoch beim Verständnis. Weniger verständlich ist, dass digitales Bonusmaterial auf der Blu-ray Disc fehlt. In physischer Form spendiert der Publisher jedoch Sticker, eine Character Card und ein Booklet. Leider lag das Material nicht für den Test vor, es ist jedoch von der typisch guten Qualität des Publishers auszugehen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): My Hero Academia hat mit den ersten Episoden gut in die Anime-Serie eingeführt und verschiedene Facetten des Universums mit seinen Regeln beleuchtet. Zwar knüpfen die Folgen der zweiten Volume daran an und zeigen Izukus erste Tage an der Yūei-Akademie, doch wird die Geschichte aufgrund einer kürzeren Laufzeit wesentlich langsamer erzählt. Das führt leider dazu, dass nur wenige Charaktere tatsächlich zur Geltung kommen und womöglich interessante Nebenfiguren im Hintergrund verbleiben. Insbesondere durch die ungetrübte Darstellung des Schulalltags wäre hier mehr möglich gewesen, anstatt sich nur auf zwei bis drei Personen zu konzentrieren. Auch dass der Zeichenstil mit seiner Orientierung an US-amerikanischen Comics abgeschwächt wurde, kostet bei der Präsentation Punkte. Wer jedoch bereits mit der ersten Volume seinen Spaß hatte, wird sicherlich auch von der angemessenen Atmosphäre des zweiten Episodenpakets von My Hero Academia begeistert sein.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von My Hero Academia (Vol. 2)!

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