Review: Warriors Orochi 4

Bei der Masse an Spielen, die dem Warriors-Franchise entspringen, wissen wohl nur beinharte Fans, mit welchem Titel Einsteiger am besten in das so genannte Musō-Spielprinzip hineinschnuppern können. Warriors Orochi 4 ist definitiv eines der einsteigerfreundlichsten Spiele.

Seitdem die erste Version von Warriors Orochi 3 im Dezember 2011 für die PlayStation 3 und die Xbox 360 veröffentlicht wurde, ist zwar viel Zeit vergangen, doch schickte der japanische Publisher Koei Tecmo eher weniger die für das Spiel stark romantisierten Helden aus der japanischen und chinesischen Geschichte in weitere Abenteuer. Stattdessen konzentrierte sich Koei Tecmo auf diverse Musō-Spiele, die mit Franchises anderer Unternehmen in Verbindung stehen. Ergebnisse der Kooperationen mit Unternehmen wie Bandai Namco oder Nintendo waren Titel wie One Piece: Pirate Warriors, Hyrule Warriors oder Fire Emblem Warriors. Trotzdem wurde das Warriors-Orochi-Franchise, das im Grunde ein Crossover zwischen Dynasty Warriors und Samurai Warriors darstellt, nicht vergessen. Es folgten diverse Umsetzungen des dritten Teils für die PlayStation 4, die Wii U oder die Xbox One. Obwohl der dritte Teil Anfang 2018 auch für die Switch umgesetzt und veröffentlicht wurde, blieb dieser bis zum Testzeitpunkt den Japanern vorbehalten. Der vierte Teil, der an die Geschehnisse der vorherigen Serienableger anknüpft, hat seinen Weg hingegen direkt nach Europa gefunden und zaubert Anhängern des Franchises von der ersten Minute an ein breites Grinsen ins Gesicht, als ob sie einen Freund nach sehr langer Zeit wieder treffen und ihn doch noch kennen.

Welten kollidieren

Story, Inhalt und Umfang fühlen sich sofort vertraut an, sowohl im Positiven als auch im Negativen. Auf eine tiefgründige Handlung darf daher nicht gehofft werden, denn diese ist erneut hanebüchen. Sowohl die japanischen Krieger der Sengoku-Periode als auch die chinesischen Helden aus der Zeit der drei Reiche wurden durch Raum und Zeit katapultiert. Sie müssen untereinander ihr Kriegsbeil begraben und auf dem Schlachtfeld am eigenen Leib erfahren, dass es für sie wesentlich vorteilhafter wäre, sich gegen die bösen Mächte zu verbünden. In den ersten Spielstunden stellt sich heraus, dass Zeus, die oberste Gottheit der griechischen Mythologie, ein perfides Spiel mit den Menschen treibt. Dazu bedient er sich Armreifen, die mit der gefährlichen Macht der Medusa verzaubert sind. Perseus, der den Kampf gegen die Medusa nicht scheute und um die Gefahren weiß, will dem düsteren Treiben ein Ende setzen. Beim Diebstahl der dunklen Artefakte wird er allerdings von Athene bemerkt und sogar in eine andere Dimension verfolgt, in der sich der Daimyō Oda Nobunaga den Armreifen bemächtigt und sich den chinesischen und japanischen Kämpfern entgegenstellt. Einen Blumentopf kann die Handlung, auch aufgrund der eher seichten Dialoge zwischen den Spielfiguren, zwar sicherlich nicht gewinnen, doch motiviert die Storyline über dutzende Missionen hinweg.

Altbekannte Missionsstrukturen

Sämtliche Aufträge, die in mehrere Kapitel aufgeteilt sind, folgen den bekannten Mustern von Dynasty Warriors 8 und Samurai Warriors 4. Wir heißen diese Entscheidung gut, denn Koei Tecmo hat mit dem neunten Serienteil der Dynasty-Warriors-Reihe gezeigt, dass eine offene Spielwelt – zumindest in der fabrizierten Form – nicht mit dem actionlastigen Musō-Spielgefühl funktioniert. Wer mit dem Gameplay vertraut ist, wird ohne großartig im Tutorial verschiedene Elemente nachlesen zu müssen sofort ins Geschehen einsteigen können. Als Samurai oder chinesischer Krieger stellen wir uns aus der Verfolgerperspektive tausenden Soldaten der feindlichen Fraktionen. Unsere Aufgabe ist dabei vornehmlich, verschiedene Offiziere des Feindes auszuschalten. Hin und wieder wollen aber auch Verbündete in Not gerettet oder von einem Ort zum anderen eskortiert werden. Obwohl das Spiel für Laien zunächst wie ein reines Schnetzelspektakel wirkt, befindet sich unter der Oberfläche wie in den beiden genannten Franchise-Ablegern ein angemessener taktischer Anspruch. Das heißt, dass wir die Minimap am oberen rechten Bildschirmrand auch stets im Blick behalten sollten, um die nächsten Ziele zu erkennen. Zwar weisen uns auch die Charaktere auf Japanisch mit englischen Untertiteln daraufhin, doch im Schlachtengetümmel ist nicht immer Zeit zum Mitlesen.

Gigantische Charakterriege

Zum Bekämpfen der Gegner können wir nicht nur unsere Waffen verwenden, sondern auch mächtige Zaubersprüche und Spezialangriffe auf die Gegner entfesseln. Während sich die Magieleiste relativ schnell auffüllt, müssen für die Spezialangriffe erst einmal genügend Feinde ins virtuelle Nirwana geschickt werden. Trotz des bekannt repetitiven Gameplays macht gerade das überraschenderweise sehr viel Spaß, da die zusätzlichen Angriffsmöglichkeiten das Geschehen immer mal wieder mit hübschen Effekten und kürzeren Zwischensequenzen in Spielgrafik auflockern. Hieran ist auch der populärkulturelle Einfluss auf das Spiel zu erkennen, da die Inszenierung häufig recht effektreich und bunt ausfällt. Positiv anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass es in den vierten Teil über 170 (einhundertsiebzig!) verschiedene spielbare Charaktere geschafft haben, die mit langsamen, leichten, schnellen oder starken Angriffen und noch viel abwechslungsreicheren Spezialangriffen für reichlich Abwechslung sorgen. Drei davon können wir jeweils mit in eine Schlacht nehmen, um sie im laufenden Gefecht jederzeit auszuwechseln. Im ersten Moment klingt das zwar gut, doch da die Charaktere nicht etwa wie in Samurai Warriors 4 unabhängig voneinander agieren und sich an verschiedenen Stellen des Schlachtfels befinden, fehlt es hier ein wenig an Dynamik.

Angenehme Schnetzelorgie

Obwohl es immer noch eine Menge Spaß macht, zwischen den Charakteren zu wechseln und das Schlachtfeld aufzuräumen, hebelt diese Funktion ein wenig die Spielmechanik aus. Auf diesem Weg können in Windeseile mehrfach Zaubersprüche, Spezialangriffe und der Team-Angriff gekoppelt werden, was selbst die heftigsten Gefechte zu einem Kinderspiel verkommen lässt. Wer ohnehin nur mit derselben dreiköpfigen Truppe spielen möchte, erhält sehr, sehr schnell zu viele Erfahrungspunkte, sodass die Charaktere rasch im Level steigen und mit verteilten Fähigkeitspunkten häufig viel zu mächtig erscheinen. Zu einem gewissen Teil gehört dieses Gefühl der Überlegenheit zum Warriors-Franchise dazu, verringert jedoch stark den Schwierigkeitsgrad. Immerhin lohnt es sich, Schlachten so mehrfach mit anderen Gefährten zu spielen und Materialien zu sammeln, mit denen das Camp ausgebaut werden kann, wofür es weitere Boni hagelt, wenn aus einer Schlacht siegreich hervorgegangen wird. Wer noch einen zweiten Mitspieler findet, kann sich auch im Splitscreen-Modus bei fetziger Musik in die Schlachten stürzen und hat so gleich doppelt so viel Spaß am Schnetzeln. Unter technischen Gesichtspunkten läuft Warriors Orochi 4 auf der PlayStation 4 mit nahezu konstant sechzig Bildern pro Sekunde sehr flüssig, was womöglich auch an der leicht veralteten Grafik liegen mag. Wer davon und von der hanebüchenen Story absehen kann, kommt spieltechnisch in den Genuss einer durchaus angemessenen Schnetzelorgie aus dem Warriors-Universum.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Obwohl ich zum Launch der Nintendo Wii U den dritten Teil der Warriors-Orochi-Reihe ein paar Stunden lang angespielt habe, bin ich erst viele Jahre später richtig zum Franchise gekommen. Warriors Orochi 4 basiert grundsätzlich auf dem Konzept aller Musō-Spiele und wagt sich nur bedingt Neues. Das ist meiner Meinung nach auch gar nicht sonderlich schlimm, da die Schnetzelorgie gerade wegen ihrer funktionierenden Mechaniken jede Menge Spaß macht. Ich schaue mir einfach wahnsinnig gerne an, wie ich mit meinen übermächtigen Charakteren bei fetziger Musik das Schlachtfeld in Windeseile aufräume, immer stärkere Angriffe entfessle und mich schon darauf freue, neue Waffen zu erhalten, mit denen ich noch mehr Schaden anrichten kann. Leider finde ich es etwas ungünstig, dass die Charaktere meines Teams nur durchgewechselt werden können, anstatt dass sie eigene Individuen auf dem Schlachtfeld sind. Dies hebelt den vor allem aufgrund der mauen künstlichen Intelligenz der Computergegner ohnehin schon viel zu niedrigen Schwierigkeitsgrad aus. Ebenso hätte die Story etwas epischer sein dürfen, hier hat also nach wie vor Samurai Warriors 4 die Nase vorn. Nichtsdestotrotz kann auch Warriors Orochi 4 Fans des Franchises und durchaus den einen oder anderen Einsteiger begeistern!

Vielen Dank an Koei Tecmo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Warriors Orochi 4!

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