Review: Danganronpa Trilogy

Bei der Danganronpa Trilogy handelt es sich nicht wirklich um ein neues Spiel. Stattdessen besteht das geschnürte Paket aus drei der eindrucksvollsten Visual Novels der letzten Jahre, das für die PlayStation 4 im März 2019 einem größeren Publikum zugänglich gemacht wurde.

Danganronpa: Trigger Happy Havoc, der erste Serienteil der vorliegenden Trilogie, hat dabei schon einige Jahre auf dem Buckel und wurde 2010 bereits für die PlayStation Portable veröffentlicht. Nach dem Release der ersten beiden Teile inklusive einiger Verbesserungen unter dem Titel Danganronpa 1-2 Reload für die PlayStation 4, die PlayStation Vita und den PC, erschien 2017 Danganronpa V3: Killing Harmony. Manga- und Anime-Adaptionen folgten, konnten dem zugrundeliegenden Werk inhaltlich aber nicht gerecht werden. Die Danganronpa Trilogy ist nun kein neues Spiel, sondern packt die drei bekannten Spiele in einer PlayStation-4-Hülle zusammen – glücklicherweise auch in europäischen Gefilden. Neues gibt es also nicht wirklich – bis auf ein minimalistisches Artbook mit Schnappschüssen und Zeichnungen der illustren Serie. Kenner werden sich mit dem Büchlein aber sofort heimisch fühlen. Trigger Happy Havoc beginnt auf der Hope’s Peak Academy, einer Eliteschule, auf der nur die besten Schüler ihres Fachs aufgenommen werden. Hier müssen sich die jeweiligen Protagonisten der Spiele mit aussichtslosen Situationen, mysteriösen Machenschaften und nicht zuletzt mit lebensgefährlichen Spielereinen herumschlagen. Drahtzieher hinter diesen ominösen Vorfällen ist der fanatische Teddy Monokuma, der zugleich das langjährige Franchise-Maskottchen ist.

Kein Ausweg

Zu seiner Überraschung hat der sich selbst als extrem durchschnittlich beschreibende Protagonist Naegi Makoto eine Einladung auf die Hope’s Peak Academy erhalten. Dieses prestigeträchtige Angebot kann er natürlich nicht abschlagen und folgt der Einladung in sein neues Leben. Zusammen mit vierzehn weiteren Schülern darf er das kommende Schuljahr verbringen, nichtsahnend, dass dieser Ort für die kommende Zeit ein Gefängnis der Regeln sein wird. Ohne zu viel zu verraten, wird das Spiel des teuflischen Monokumas den Figuren einiges abverlangen und auch das eine oder andere Opfer fordern. Die drastischen Gewaltdarstellungen sind aber nur ein Grund, warum die Spiele ab 16 Jahren freigegeben sind, denn der darunterliegende psychologische Terror und die wiederkehrenden Themen der Verzweiflung, Aussichtslosigkeit und menschenverachtenden Handlungen sind ebenso dafür verantwortlich. Das funktioniert auch trotz oder im Kontrast genau wegen des überzeichneten Anime-Stils. Ganz unschuldig ist auch der schräge Soundtrack mit eingängigem Beat nicht, auch wenn ab und an die Wiederholung bestimmter Tracks zu oft auftritt. Die Spiele sind allerdings keine reinen Visual Novels, sondern vermengen die Textpassagen mit Adventure-Komponenten. Besonders positive fällt das gelungene Pacing auf, denn weder die Unterredungen mit den Figuren noch die spielbaren Abschnitte stehen sich gegenseitig im Weg.

Muntere Gerichtsverhandlungen

In den einzelnen Spielen können die Umgebungen aus der Ego-Perspektive frei erkundet und nach Hinweisen untersucht werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend mehr als wichtig, denn ähnlich wie in der Ace-Attorney-Reihe wird hier während einer Verhandlung ein Schuldiger gesucht, der anschließend „aufs Höchste“ bestraft wird. Mit den Truth Bullets nimmt Makoto Falschaussagen anderer Figuren wortwörtlich unter Feuer und während eines Hangman’s Gambits werden Schlüsselwörter miteinander verbunden. Abgerundet wird das Ganze von einem selbstzusammengesetzten Comic, der den Tatvorgang nacherzählt. Das alles sieht nicht nur extrem stilsicher aus, sondern macht aus einer langweiligen Besprechung von Ereignissen gleich ein furioses Spektakel, das sich über alle drei Teile hinweg stetig verbessert und sich dabei nicht abnutzt. Der zweite Teil Danganronpa 2: Goodbye Despair setzt die Story fort, abgerundet vom würdigen Finale der Trilogie Danganronpa V3: Killing Harmony. Die technischen Sprünge zwischen den Teilen selbst sind klar erkennbar, aber aufgrund des fantastischen Artstyles aller Teile kann auch die aufgeblasene PlayStation-Portable-Optik der ersten Teile auf der PlayStation 4 überzeugen.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit: Wer bisher keinen Kontakt zu Danganronapa hatte, bekommt mit der Danganronpa Trilogy die bestmögliche Gelegenheit, alle drei Hauptteile nachholen zu können. Der Reiz von Danganronpa ist auch beim Spielen der Trilogie immer noch derselbe, denn die Figuren und Situationen könnten eins zu eins aus dem Klischee-Handbuch eines Animes entsprungen seins. Durch die mitreißende Entwicklung der Handlung voller Mysterien und der perfekten Mischung aus selbstironischen und ernsten Momenten fügt sich das Ganze zu einem ganz besonderen Werk zusammen. Es ist wahrhaftig ein tolles Gesamtpaket einer der eindrucksvollsten Adventure-Reihen der letzten Jahre. Allerdings muss mit der japanischen Absurdität ebenso klar gekommen werden mit den zu lesenden Text-Mengen, denn unter sechzig Stunden werden die drei Abenteuer nicht enden.

 

Vielen Dank an NIS America für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Danganronpa Trilogy!

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