Review: Shakedown Hawaii

Dreieinhalb Jahre sind seit der ersten Ankündigung von Shakedown Hawaii ins Land gezogen. Mit Retro City Rampage DX wurde 2017 zwar der Vorgänger zwischenzeitlich auf die Switch portiert, doch richtete sich dieser mit seinem Humor vorwiegend an Kenner der 1980er-Jahre.

Wer kein Interesse an der US-amerikanischen Populärkultur der 1980er-Jahre mitbringt, wird viele Anspielungen in Retro City Rampage nicht verstehen. Zwar ist es auch ohne dieses Wissen immer noch möglich, jede Menge Spaß mit dem Grand-Theft-Auto-Klon im 8-Bit-Gewand zu haben, doch die wahre Faszination des Titels wird vor allem jüngeren Spielern verwehrt bleiben. Mit Shakedown Hawaii, das am 7. Mai 2019 veröffentlicht wurde, sieht die Sache allerdings wieder ganz anders aus, denn um das kultverdächtige Jahrzehnt dreht sich die Story kaum. Wir schlüpfen in die Haut eines Chief Executive Officers, der im Jahr 1982 mit seinem Buch einen Bestseller-Hit landete. In seinem Werk beschreibt er, wie seine Firma ganz ohne sein Zutun floriert und er die Freizeit am Strand verbringt. Drei Jahrzehnte später steht er von einem Tag auf den anderen vor einem Scherbenhaufen: Videokassetten wurden beispielsweise mittlerweile durch andere Medien und schließlich Streaming-Anbietern ersetzt. Auch das Online-Angebot erschreckt ihn zunehmend, denn kostenlose Lieferungen und die Zustellung noch am gleichen Arbeitstag machen seiner Meinung nach seine Einzelhandelsgeschäfte kaputt. Bevor sein erbitterter Konkurrent seinen Konzern übernimmt, beschließt er, das Ruder umzureißen – und greift dabei zu unkonventionellen und höchst illegalen Mitteln.

Blutrünstige Geschäftspraktiken

Anstatt die Story mit populärkulturellen Referenzen vollzustopfen, bedient sich der Nachfolger von Retro City Rampage stattdessen an reichlich Kritik, die Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft betreffen. All das wird über humorvolle Dialoge zwischen den einzelnen Akteuren vermittelt. Gute Englischkenntnisse sind dabei vonnöten, da das Spiel mit Fachbegriffen um sich schmeißt und die Gespräche manchmal mit Slang behaftet sind. Die Figuren sind entweder Teil der Unternehmensstruktur oder gar Familienmitglieder. So dürfen wir im Verlauf der auf bis zu zehn Spielstunden angelegten Handlung auch die Rolle von Scooter, dem Sohn des Vorsitzenden, übernehmen. Obwohl die beiden unabhängig voneinander im fiktiven Hawaii ihr Unwesen treiben, ist die Missionsstruktur recht ähnlich. Aus der leicht versetzten Vogelperspektive erkunden wir die Insel, stehlen zur Fortbewegung fremde Vehikel, nieten auf dem Bürgersteig Passanten um und scheuen uns auch nicht davor, zu noch effektiveren Maßnahmen zu greifen. Um Feinde der Konkurrenz auszuschalten, dürfen wir ebenso mit Maschinenpistolen um uns schießen oder gar mit einem Flammenwerfer alles um uns herum in Brand setzen. Letzteres ist vor allem dann besonders effektiv, wenn wir ältere Gebäude auf einem Grundstück zerstören wollen, um anschließend selbst einen Betrieb darauf zu errichten. Mit ansteigender Spielzeit gibt sich immer mehr das wahre Ziel des Spiels zu erkennen: Auf Hawaii sollen wir alle Geschäfte übernehmen und uns ein Monopol errichten.

Geld regiert die Welt

Übernommene Unternehmen geben uns täglich eine Finanzspritze und mit dem auf diesem Weg generierten Geld können wir wiederum weitere Konzerne übernehmen. In den ersten Spielstunden ist es zudem hilfreich, Schutzgeld von kleineren Läden zu erpressen, um das Kapital aufzustocken. Obwohl der Titel dadurch auf Dauer recht repetitiv ist, macht es immer wieder Spaß, unseren Einflussbereich zu erweitern und der durchgeknallten Story zu folgen. Optisch orientiert sich Shakedown Hawaii an Titeln der 16-Bit-Zeit und wirkt deshalb noch ein wenig stimmiger als der Vorgänger, der an 8-Bit-Spielen angelehnt ist. Verschiedene Grafikfilter versüßen aber genau wie bei Retro City Rampage den visuellen Genuss des Spiels. Unter akustischen Gesichtspunkten wäre ebenso viel möglich gewesen, doch wiederholen sich die meisten Musikstücke, so gut sie auch zum Geschehen passen mögen, für unseren Geschmack zu oft. Steuerungstechnisch kann das Spiel zumindest mit dem Pro-Controller überzeugen, im Handheld-Modus fühlt sich das Kontrollieren der Charaktere etwas träge an, was aber zu keinen wirklich spürbaren Nachteilen führt. Durch fair gesetzte Rücksetzpunkte beim Ableben der Helden fällt der Action-Titel zudem nicht zu schwer aus. Das jederzeit mögliche Speichern ermöglicht zudem auch Kurzreisen ins virtuelle Hawaii während Bus- und Bahnfahrten, die für Action-Fans mit einem Faible für 16-Bit-Spiele so besonders versüßt werden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Mit Retro City Rampage DX hatte ich sehr viel Spaß gehabt, da mir die zahlreichen Anspielungen auf eines meiner liebsten Jahrzehnte durchaus gut gefallen haben. Bei Shakedown Hawaii wird darauf zwar weitgehend verzichtet, doch stattdessen beeindruckt mich das Spiel mit seiner kritischen Betrachtungsweise auf die eine oder andere Geschäftspraxis großer Unternehmen sehr. Das Gameplay selbst hat sich seit Retro City Rampage allerdings absolut nicht weiter entwickelt, bleibt sogar weitgehend monoton. Ein wenig schade ist das schon, da die Entwickler beim Vorgänger mehr Experimente gewagt und somit mehr Abwechslung ins Spiel gebracht haben. Stattdessen wirkt das Spiel mit dem ständigen Erweitern der eigenen Machtbasis über den Erwerb von Geschäften, so spaßig das auch eine Zeit lang sein mag, eher noch repetitiver als es eigentlich sein müsste. Nichtsdestotrotz ist Shakedown Hawaii ein gutes Spiel mit einer durchgeknallten Handlung. An den Vorgänger reicht der Titel aber leider nicht heran.

 

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