Review: Total War: Three Kingdoms

Seit dem Jahr 2000 schickt Entwicklerstudio Creative Assembly Hobby-Strategen nach Japan, ins römische Reich, in Fantasy-Welten oder jetzt auch nach China, um sie Kriege führen zu lassen. Dass das chaotisch sein kann, beweist Total War: Three Kingdoms einmal mehr.

Angesiedelt ist Three Kingdoms während des Untergangs der Hàn-Dynastie und dem damit einhergehenden Übergang in die titelgebende Zeit der drei Reiche. So beginnt das Spiel kurz nach Dǒng Zhuōs Machtergreifung im Jahr 190 unserer Zeitrechnung und damit in einer Epoche, in der China durch die nahezu völlige Machtlosigkeit der Regierung mit Kriegen zerrüttet ist. Ziel des Spiels ist es, das Land zu erobern und sich schlussendlich zum Kaiser ausrufen zu lassen. Für den Spieler steht allerdings zunächst die Entscheidung, in welche Rolle er schlüpfen möchte, im Mittelpunkt. Zur Auswahl stehen verschiedene historische Persönlichkeiten wie Cáo Cāo oder Liú Bèi, die sowohl ihre eigene Hintergrundgeschichte als auch besondere Merkmale haben, die unter anderem auf der politischen Ebene greifen. Neben der Wahl der Spielfigur kommt noch eine weitere wichtige Entscheidung hinzu: Vor Beginn der Kampagne muss sich der Spieler entscheiden, ob er lieber die Geschichte der drei Reiche oder die Auszeichnungen der drei Reiche erleben möchte. Fällt die Entscheidung auf die Geschichte, so werden die historischen Schlachten mit Anleihen aus dem gleichnamigen Roman Sānguó Yǎnyì angereichert respektive romantisiert. Hier sind die Helden wesentlich stärker und müssen nicht von Leibwächtern beschützt werden. Wer sich ein wenig mehr mit verschiedenen Figuren identifizieren möchte, wird sich freuen – alle anderen greifen zum historischen Modus.

Schlachten mit Taktikgehalt

In puncto Gameplay unterteilt sich Three Kingdoms in zwei wesentliche Elemente. So muss der Spieler sowohl Krieg führen als auch Diplomatie betreiben. Wer denkt, seine Einheiten wie in anderen Spielen des Genres einfach gebündelt auf die Gegner zu hetzen, wird wohl selten erfolgreich oder nur mit Verlusten aus einer Schlacht hervorgehen. Um den Feind zu besiegen, muss er im besten Falle flankiert werden. Dabei ist jedoch auch zu beachten, dass die Generäle nicht zu weit von den Truppen entfernt agieren sollten, da sie besonders dann wertvoll für die Moral der Einheiten sind, wenn sich das Kriegsglück wenden sollte. Es ist also unabdingbar, die beste Formation für die Schlacht herauszufinden und die Truppen auf genau die Feinde zu lenken, gegen die sie besonders effektiv sind. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass Einheiten, die anfällig gegen spezielle Gegnertypen sind, von diesen unter allen Umständen ferngehalten werden müssen. Obwohl die Schlachten in Echtzeit ablaufen oder auf Knopfdruck gar beschleunigt werden können, ist es jederzeit möglich, das Geschehen zu pausieren und sich den nächsten taktischen Schachzug auszudenken. Während sich Total-War-Veteranen im Kampfgetümmel sofort zurechtfinden, werden Anfänger ein wenig am Interface zu knabbern haben. Dies hält sich bei den Schlachten noch in Grenzen, wird aber bei allen anderen Elementen des Spiels mit verschachtelten Menüs auf die Spitze getrieben.

Unnötig verkomplizierte Menüstrukturen

Bereits zu Beginn des Spiels poppen überall auf dem Monitor verschiedene Bildschirmanzeigen auf, die es zu verinnerlichen gilt. Dass dies binnen weniger Minuten nicht möglich sein dürfte, hätte den Entwicklern klar sein müssen. Zwar gibt es einen Button, der alle Anzeigen erklärt, doch drückt sich unverständlicherweise auch so manche Erklärung in Rätseln aus. In anderen Menüstrukturen muss zu viel mit dem Mauszeiger in Erfahrung gebracht werden, sodass Einsteiger in kurzer Zeit demotiviert und frustriert sind. Creative Assembly sollte hier unbedingt noch Updates nachreichern, denn so ist Three Kingdoms in so mancher Hinsicht eher eine fummelige Tortur denn ein spannendes Spiel. Wer es nach Stunden des Ausprobierens mit genügend Sitzfleisch erlernt hat, wird aber auch hier Freude an der Verwaltung von Siedlungen, dem Verschieben von Truppen und diplomatischen Entscheidungen haben. Unter technischen Gesichtspunkten ist der Titel durchaus gelungen, so sorgen die bunten, aber wenig realitätsnahen Farben für reichlich Laune und die musikalische Untermalung unterstützt die Atmosphäre des Spiels weitgehend angenehm. Wer sich durch die Kampagne gekämpft und sich zum Kaiser ernannt hat, kann sich zusätzlich noch in schnellen Gefechten oder im Mehrspielermodus mit anderen Spielern messen. Serienfans dürfen auch dieses Mal zuschlagen, Einsteiger sollten sich hingegen lieber nach einsteigerfreundlichen Alternativen umsehen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Total War: Three Kingdoms bietet ein relativ unverbrauchtes Szenario, zumindest was Spiele von nicht-japanischen Entwicklerstudios angeht. Noch dazu bezieht sich die Handlung des Spiels nicht nur auf die historischen Schlachten, sondern auch auf den im 14. Jahrhundert verfassten Roman Die Geschichte der drei Reiche. So ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild, das stundenlang an den Bildschirm fesseln kann. Dafür sorgen auch sämtliche Schlachten und wer es geschickt anstellt, wird auch mit diplomatischen Entscheidungen seine Freude haben. Three Kingdoms bietet zahlreiche Möglichkeiten, die das Gameplay wunderbar bereichern. Leider ist es den Entwicklern aber nicht gelungen, eine leicht verständliche Oberfläche zu erschaffen. So sind die Menüstrukturen allesamt verworren und werden vor allem bei Einsteigern zu Frust führen. Wer mit der Serie bereits Erfahrungen sammeln konnte und sich mit derlei Interfaces schnell zurechtfindet, lässt sich davon nicht beirren und darf gerne wieder zuschlagen. Alle anderen sollten sich lieber nach einsteigerfreundlicheren, aber nicht weniger komplexen Alternativen wie Romance of the Three Kingdoms XIII umsehen.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Total War: Three Kingdoms!

 

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