Review: X – The Movie

Im Jahr 2004 hat es X – The Movie bereits auf DVD nach Deutschland geschafft, geriet dann aber schnell in der Versenkung. Fünfzehn Jahre später veröffentlicht Nipponart den Film erneut und hat dabei auch eine Blu-ray-Version im Gepäck, die aber stellenweise enttäuscht.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass X – The Movie die Handlung der Anime-Serie im Groben nacherzählt. So steht der Kampf um das Ende der Welt zwischen den Himmelsdrachen und den Erddrachen im Fokus der Geschichte. Mittendrin in diesem Wirrwarr steht Shirō Kamui, der in die japanische Hauptstadt zurückkehrt und dort erfährt, dass er die wichtigste Rolle im Entscheidungskampf einnimmt. Er muss sich für eine der beiden Seiten entscheiden, ist zu Beginn der Handlung eigentlich jedoch innerlich so zerrissen, sodass er auf Distanz zu seinen Freunden geht. „Eigentlich“ ist hierbei auch ein gutes Stichwort, denn die Story, die sich in der Serie in 24 beziehungsweise 25 Folgen abspielt, wird im Film auf gerade einmal 97 Minuten so dermaßen gekürzt, dass viele zwischenmenschliche Beziehungen und auch Verbindungen zwischen einzelnen Charakteren kaum bis gar nicht für einen Zuschauer ohne ein Vorwissen verständlich sind. Hier wäre es wesentlich sinnvoller gewesen, einen anderen Aspekt der Geschichte oder Hintergründe, die in der Serie zu kurz gekommen sind, zu beleuchten. Auch eine alternative Darstellung des Serienfinales wäre eine gute Möglichkeit gewesen, um dem Film eine Daseinsberechtigung zu geben. So bleibt eine fast schon zusammenhanglose Storyline, in der sich ruhige Dialoge mit Kampfszenen die Klinke in die Hand geben. Schade!

Technisches Relikt der 1990er-Jahre

Unter einem technischen Blickwinkel dürfte aber vor allem die Bildqualität interessant sein, da X – The Movie im deutschsprachigen Raum erstmals auf Blu-ray veröffentlicht wurde. Wer jetzt auf eine digitale Überarbeitung gehofft hat, wird aber wohl stark enttäuscht sein, da nicht die Obergrenze der technischen Möglichkeit erreicht wird. So beträgt die Auflösung des Films statt 1080p nur 1080i, was auf einem Flachbildschirm nicht sonderlich angenehm ist, zumal unschöne Nebeneffekte wie Kantenflimmern nicht gänzlich verhindert wurden. Hinzu kommt, dass viele Szenen unscharf wirken, da nicht mit diffusem Licht gegeizt wurde. Dies liegt aber nicht am Film selbst, sondern eher allgemein an den Veröffentlichungen der 1990er-Jahre, bei denen sich dieser Trend seit mehr als einem Jahrzehnt schon abzeichnete. Dadurch, dass die allgemeine Bildqualität jedoch besser hätte ausfallen können, wirkt das fertige Produkt auf Blu-ray nicht so hochwertig, wie es der Zuschauer erwarten würde. Trotzdem gehört das Setting durch die Darstellung des urbanen Tōkyō mit seinen beleuchteten Straßen, Häusern und Bahnhöfen mit zum Schönsten, was das Jahr 1996 im Anime-Bereich hervorgebracht hat. Akustisch kann der Anime nicht nur mit einem überaus passenden Soundtrack, der in allen Szenen hervorsticht, sondern auch mit wirklich guten Synchronsprechern punkten.

Gekürzte Darstellung der Handlung

Sowohl die angenehme deutsche Synchronisation als auch der japanische Originalton wissen mit den aus der Serie bekannten Sprechern zu gefallen. Beide Tonspuren liegen im Tonformat DTS-HD Master Audio 5.1 vor und lassen einen vor dem Bildschirm bei den Wortgefechten und den actionreichen Szenen mitreißen. Digitales Bonusmaterial liegt auf der Blu-ray bis auf Trailer und ein zweiminütiger Einblick in die Konzeption eines Artworks nicht vor, was wirklich bedauerlich ist. Hier hätten sich die Köpfe hinter dem Projekt, allen voran Regisseur Hayashi Shigeyuki, zur Umsetzung des Films äußern können. Insbesondere die fragwürdige Intention dahinter, die Serienhandlung auf das Nötigste zu reduzieren, hätte hier geklärt werden können. Stattdessen liegt dem Datenträger, wie es für Publisher Nipponart üblich ist, nur ein Sticker bei. Als kleines Schmankerl gibt es noch ein Wendecover, das ohne FSK-Logo auskommt. Unterm Strich reißen beide Boni allerdings keine Bäume aus und so bleibt der Film lediglich für Fans der Anime- und Manga-Vorlage interessant, die die Story so noch einmal in kürzester Zeit erleben können. Wer dennoch Interesse am Szenario hat und noch kein Vorwissen mitbringt, sollte sich lieber der weitaus besseren Anime-Serie widmen, die Nipponart Ende 2017 ebenfalls schon veröffentlicht hat. Diese ist nicht nur für Laien sehr viel besser verständlich, da sie sich auch die Zeit nimmt, die die Story zum Entfalten benötigt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Obwohl meine persönliche Einstellung zur Serie X nicht mehr ganz so positiv ausfällt wie noch zu Beginn der 2000er-Jahre, gehört das Franchise dennoch zu den interessantesten und komplexesten Werken, die sich an ein erwachsenes Publikum richten. Da ich von der Anime-Serie durchaus unterhalten wurde, habe ich mich auch sehr auf X – The Movie gefreut. Allerdings erschließt sich mir der Sinn des Filmes nicht so ganz. Hier wird die Serienhandlung auf ein absolutes Mindestmaß reduziert – und vergisst dabei, durchweg verständlich zu sein. Die Dialoge zwischen den Charakteren sind oft dermaßen kryptisch, dass nur Kenner der Anime-Serie respektive der Manga-Vorlage Verständnis aufbringen können. Da hilft es auch nicht, dass der Film mit ausdrucksstarken Bildern und Metaphern spielt, die visuell besonders überzeugen. Schade ist am Ende auch, dass die technische Umsetzung nicht wirklich gelungen ist. Im Jahr 2019 wird einfach mehr von einem auf Blu-ray Disc veröffentlichten Film erwartet. Wirklich empfehlen kann ich den Film leider nur den Kennern des Franchises, denn alle anderen werden aufgrund der kaum verständlichen Zusammenhänge mit aufpoppenden Fragezeichen über ihren Köpfen zurückbleiben. Allerdings sollten sich auch Fans zweimal überlegen, ob sie den Film wirklich anschauen möchten, da sowohl die Anime-Serie als auch die zahlreichen Manga aufgrund des größeren Umfangs die Handlung wesentlich besser darstellen.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von X – The Movie!

©1996 CLAMP/“X“ Production Committee (Abbildungen)

 

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