Preview: Ring Fit Adventure

Menschen, die komische Bewegungen mit noch seltsamer wirkenden Steuerungseinheiten in ihrem Wohnzimmer ausführen: So und nicht anders fällt der erste Eindruck von Ring Fit Adventure aus – auf dem Fernsehbildschirm bietet Nintendos Sportspiel aber wesentlich mehr.

2006 gelang es Nintendo nicht nur seinen langjährigen Kundenstamm mit dem unscheinbaren Wii Sports zu verblüffen, sondern zugleich auch eine ganz neue Käuferschicht zu erschließen. Das japanische Unternehmen verband Videospiele mit halbwegs sportlichen Aktivitäten vor dem Fernseher und baute dieses Konzept in den folgenden Jahren mit Wii Fit und Co auf Wii und Wii U aus. Vermutlich weil Nintendos Wii U weit hinter den Erwartungen des Konzerns zurücklieb, hat Nintendo seit 2014 weder die Marke weiterentwickelt noch Alternativen erfunden. Dies ändert sich im Oktober 2019, denn Nintendo hat Anfang September wie aus dem Nichts das Sportspiel Ring Fit Adventure angekündigt, das entsprechend in die Fußstapfen der einstigen Größen treten sollen. Ohne neue Peripherien kommt Ring Fit Adventure nicht aus. So liegt dem Paket auf der einen Seite der rundliche Ring-Con und auf der anderen Seite ein Beingurt bei. Wie im Trailer zu sehen ist, werden in diese Gerätschaften kinderleicht die Joy-Cons der Switch gesteckt – und schon kann losgespielt werden. Im Gegensatz zu Nintendos bisherigen Ausflügen in die Sportwelt, verbinden die Entwickler die sportlichen Aktivitäten jedoch mit einer Geschichte. Nintendo selbst versteht Ring Fit Adventure daher weniger als Sport-, sondern mehr als Abenteuerspiel. Wir bezweifeln derzeit anhand des bisher veröffentlichten Materials aber noch stark, dass das Abenteuer die Tiefe der Fire-Emblem- oder The-Legend-of-Zelda-Reihe erreichen wird. Es wird wohl eher beim Mittel zum Zweck bleiben.

Sportspiel mit rundenbasierten Rollenspiel-Kämpfen

Um den bösen Bodybuilder-Drachen (das haben wir uns nicht ausgedacht!) zu besiegen, reisen wir über eine Oberweltkarte mit vordefinierten Pfaden. So gelangen wir zu den einzelnen Levels beziehungsweise Aufgaben. Hierzu zählt zum Beispiel das Joggen über einen Steg, das Paddeln über das Wasser oder das Flattern mit Flügeln in der Luft. Dabei müssen wir die Bewegungen möglichst akkurat ausführen, um voranzukommen. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn wir mit der automatisch geradeaus laufenden Spielfigur nach links oder rechts lenken müssen. Unter spieltechnischen Aspekten ist der Titel also deutlich interessanter, als dass es die müde Story leider suggeriert. Selbst in den rundenbasierten Kämpfen wird uns reichlich Abwechslung geboten. Um unsere Feinde zu bekämpfen, müssen wir verschiedenfarbige Übungen ausführen, die den drei Körperbereichen Arme, Beine und Rumpfmuskulatur zugeordnet sind. Hinzu kommen an Yoga angelehnte Aktionen, die im Kampf hilfreich sein können. Die Farbe der jeweiligen Technik ist deshalb so wichtig, da jeder Gegner über einen Schwachpunkt verfügt, der der jeweiligen Farbe zugeordnet ist. Bei gerade einmal vier vorgestellten Farben ist das für ein Abenteuerspiel, wie Nintendo den Titel bezeichnet, jedoch recht wenig. Hier bleibt zu hoffen, dass die Kämpfe am Ende noch etwas variantenreicher ausfallen. Ist im Kampf der Gegner an der Reihe, dürfen wir uns auch verteidigen. Je nachdem wie gut wir die Übungen zum Angriff oder zur Abwehr umsetzen, desto effektiver ist die Aktion.

Auslegung auf eine breite Zielgruppe

Für besiegte Gegner gibt es auch Erfahrungspunkte, die summiert einen Stufenaufstieg ergeben. Bei jedem Level-up erhalten wir in Ring Fit Adventure Attributsverbesserungen und dürfen in den Kämpfen neue Techniken einsetzen. Diese hängen wiederum eng mit unseren Bewegungen zusammen. Hier verspricht der Titel einen großen Ideenreichtum, denn im veröffentlichten Videomaterial werden viele Anwendungsmöglichkeiten der beiden Peripherien gezeigt, die quasi eine Symbiose mit unserem Körper eingehen. Beispielsweise müssen wir den Ring-Con zusammendrücken, woraufhin unsere Kraft gemessen wird. Ob kräftige Spieler hieraus einen Vorteil ziehen, ist nicht bekannt. Nintendo hat jedoch verlauten lassen, dass sich der Ring-Con kalibrieren lässt, damit sowohl Sportmuffel als auch durchtrainierte Spieler Spaß mit Ring Fit Adventure haben können. Dennoch steht die Frage im Raum, inwiefern sich die Spielmechanik aushebeln lässt, denn die Balance könnte unter einer unbewusst hervorgerufenen Falschkalibrierung leiden. Brauchen wir Abstand vom Abenteuer, dürfen wir uns im Schnellspielmodus in Einzelübungen oder in Minispielen versuchen, die auf den ersten Blick gewohnt spaßig aussehen. Eine Leistungsbewertung, beispielsweise wie viele Kalorien wir verbrannt haben oder wie hoch unser Puls gemessen wurde, soll ebenfalls mit von der Partie sein. Grundsätzlich bietet Ring Fit Adventure ein gesundes Paket voller interessanter Übungen; ob das Spiel langfristig als Sportanimator taugt, wird sich aber erst noch zeigen müssen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf dem veröffentlichten Videomaterial): Als Nintendo Wii Sports und Wii Fit auf der Wii veröffentlicht hat, ist es um mich geschehen – obwohl ich am Anfang äußerst skeptisch war, dass mich diese Spielart begeistern kann, haben mich beide Titel in ihren Bann gezogen. Über Monate hinweg habe ich mich regelmäßig an die Konsole gesetzt, nur um gemeinsam mit meinen Miis ein wenig Sport zu betreiben. Ich bezweifle zwar, dass mir das „Training“ an der Konsole geholfen hat, doch Spaß hat es auf jeden Fall gemacht. Denselben Spaßfaktor erhoffe ich mir auch von Ring Fit Adventure, denn so verstörend der erste Trailer auch aussieht, so viel Potenzial steckt mit Sicherheit im Spiel. Abgesehen vom albernen Abenteuermodus, auf den ich sicher gut verzichten könnte, wird mir das Spiel mit zwei interessanten Peripherien sicherlich ein interessantes Spielgefühl bescheren. Ich bin sehr gespannt drauf, ob mich Ring Fit Adventure dazu animieren wird, mich langfristig sportlich zu betätigen. Das haben die Fortsetzungen von Wii Sports und Wii Fit – so gut sie auch waren – leider nicht mehr geschafft. Hier tritt Nintendos neues Franchise in große Fußstapfen.

 

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